Grube (Holstein)
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 54° 14′ N, 11° 2′ O | |
| Bundesland: | Schleswig-Holstein | |
| Kreis: | Ostholstein | |
| Verwaltungsgemeinschaft: | Grömitz | |
| Höhe: | 2 m ü. NHN | |
| Fläche: | 20,21 km² | |
| Einwohner: | 1124 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 56 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 23749 | |
| Vorwahl: | 04364 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OH | |
| Gemeindeschlüssel: | 01 0 55 018 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Kirchenstraße 11 23743 Grömitz | |
| Website: | www.gemeinde-grube.de | |
| Bürgermeisterin: | Kirsten Sköries (CDU) | |
| Lage der Gemeinde Grube im Kreis Ostholstein | ||
Grube ist eine Gemeinde im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein.
Geografie
Geografische Lage
Die Gemeinde Grube liegt im Bereich des Naturraums Nordoldenburg und Fehmarn auf dem zuerst genannten Teil direkt im südlichen Abschnitt vom Oldenburger Graben nahe der Ostseeküste. Im Nordosten erstreckt sich das Gemeindegebiet bis hin zum Rosenfelder Strand, einem 2,5 km langen Naturstrand am Küstenabschnitt der Lübecker Bucht.
Ortsteile
Zur Gemeinde Grube gehören folgende Ortschaften bzw. Wohnplätze: Gruberdieken, Gruber Fähre, Gruberfelde, Gruberhagen, Konzerberg, Muchelsdorf, Rosenfelde, Rosenhof, Schusterkrug, Siggeneben und Weberkamp.[2]
Geologie
Der Naturraum am Oldenburger Graben zwischen der Lübecker und der Hohwachter Bucht ist durch eine Zone mit Niedermooren und Feuchtgebieten geprägt.
Politik
Gemeindevertretung
- CDU: 7
- UGW: 4
Die Gemeindevertretung ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Grube. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Kommunalwahl fand am 14. Mai 2023 statt. Diese führte bei einer Wahlbeteiligung von 72,8 % zu nebenstehender Zusammensetzung der Gemeindevertretung.
Verwaltung
Grube gehörte von 1889 bis 2006 dem gleichnamigen Amt an. Seitdem bilden Grube und die Gemeinden Dahme und Kellenhusen (Ostsee) eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Gemeinde Grömitz, die die Verwaltungsgeschäfte für die drei Gemeinden führt.
Wappen
Blasonierung: „In Gold über einem blauen Wellenbalken ein bewurzelter grüner Laubbaum.“[4]
Der Baum dürfte eine Buche darstellen, von dem slawischen Begriffswort grob (Hain- oder Weißbuche) und die Deutung dürfte auch den heutigen Namen „Grube“ erklären. Die Lage des Ortes am ehemaligen Gruber Seegebiet wird durch den blauen Wellenbalken dargestellt.
Kultur
St. Jürgen-Kirche
Die über 775 Jahre alte St. Jürgen-Kirche verfügt über einen Schnitzaltar aus dem 15. Jahrhundert.
Dorfmuseum
Das Dorfmuseum als Heimatmuseum befindet sich in einem 1890 erbauten, für Grube typischen Wohnhaus. Seit 1993 beherbergt es mitten im Ort eine volkskundliche sowie vor- und frühgeschichtliche Sammlung, die von interessierten Einwohnern aus Grube und Umgebung zusammengetragen wurde.
Ausgestellt und dokumentiert sind u. a. ein vollständig eingerichtetes Schlafzimmer um 1900, ein Schulklassenzimmer der 1930er Jahre, Fischfang, Reetgewinnung und -verarbeitung, die Trockenlegung des Gruber Sees im Jahre 1938 sowie vor- und frühgeschichtliche Funde. So zeigt z. B. eine Inszenierung im Maßstab 1:10 den Alltag und die Handwerke in der Steinzeit. Weiter sind die Institutionen wie Vereine, dörfliches Handwerk, bäuerliche Landwirtschaft und die Kirche, die den Ort prägten, dokumentiert. Als weitere Attraktion ermöglicht es über eine Standbildleitung einen Blick in das Gruber Storchennest.[5]
Das Museum zeigt auch ein Modell des ehemaligen Gruber Pfarrhauses; das Original steht im Freilichtmuseum Molfsee. In diesem Haus hatte Johannes Stricker sein 1584 veröffentlichtes Drama De düdesche Schlömer erstellt.
Friedhof
Der Friedhof liegt am Ortsrand direkt an der B 501 und ist von ihr durch hohe grüne Hecken getrennt.
Auf dem Friedhof befindet sich ein Massengrab für 31 namenlose KZ-Häftlinge der Cap-Arcona-Katastrophe. Ein Findling mit Aufschrift kennzeichnet das Gräberfeld, das rechts seitlich von der Friedhofskapelle liegt.
Eine Grablage mit Kriegsgräbern des Zweiten Weltkriegs befindet sich links seitlich hinter der Friedhofskapelle und ist durch eine Hecke separiert.
Archäologie
Der als Eiskellerberg bei Siggeneben bekannte Grabhügel.
Sport
Der T. S. V. Grube e. V. bietet Handball, Tennis und andere Sportmöglichkeiten an.
In Rosenfelde findet, veranstaltet vom DFK, jährlich der Internationale Naturistenlauf statt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Grube liegt etwa drei Kilometer landeinwärts von Dahme an der B 501, die von Neustadt nach Fehmarn führt.
Flugplatz
Der Flugplatz Grube, ein Sportflugplatz, der von Segel- und Motorfliegern im Rahmen eines Vereins genutzt wird, befindet sich im Gemeindegebiet. Der Flugbetrieb konzentriert sich daher auf das Wochenende. Alljährlich im Sommer findet im Rahmen der Jugendarbeit eine zweiwöchige Schnupperfreizeit statt. Soweit das Wetter es zulässt, findet der Flugbetrieb ganzjährig statt.
Tourismus
Der 2,5 km lange Badestrand mit teilweise breiter Düne liegt vor dem Landesschutzdeich Rosenfelde-Dahme. Unmittelbar hinter dem Deich liegen ein Campingplatz und ein FKK-Platz am Rosenfelder Strand. Im südlichen Teil ist im 1,5 km langen „FKK-Bereich“ nackter Aufenthalt erlaubt.[6]
Söhne und Töchter der Gemeinde
- Johannes Stricker († 1599), lutherischer Pfarrer und Dramatiker
- Heinrich Adolf Burchardi (1788–1865), deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Abgeordneter der schleswig-holsteinischen Landesversammlung
- Samuel Christoph Burchardi (1802–1882), deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Abgeordneter der schleswig-holsteinischen Landesversammlung
Burg zu Rathjensdorf und die Legende der drei Jungfern
Einer Ortssage zufolge liegen bei Rathjendorf zwei große Hügel: der „Barg op de Borg“ und der „Barg op de Schüen“. Auf dem größeren stand eine Burg, in der drei Jungfern wohnten. Diese ließen die Kirchen zu Neuenkirchen, Grube und Altenkrempe sowie den breiten Fußsteig von Rathjensdorf nach Heiligenhafen bauen.
„Als sie mit der ersten fertig waren, wurden sie schon sehr besorgt, sie möchten nicht mit allen dreien fertig werden. Als sie nun bei der Kirche zu Grube waren, ward ihnen wirklich grauen; davon bekam sie den Namen, und als sie die dritte fertig hatten, war ihr Geld zu Krempe, d. h. auf[gebraucht]; davon erhielt die dritte ihren Namen.“[7][8]
„Später ist der Feind gekommen und schoß lange mit Flinten ins Schloß hinein. Der Graf aber machte sich nichts daraus und fegte die Kugeln immer nur so mit einem Besen auf die Seite. Da hat der Feind aber mit Kanonen angefangen und der Graf musste das Schloß übergeben, das bis auf den Grund niedergeschossen ward. Sie haben einmal später auf dem Berge, wo die Burg stand, eine Vogelstange aufgestellt und ein Schießen gehalten; da kam aber eine Stimme aus dem Grunde, daß man sich das Piffpaffen wollte verbeten haben.
Mündlich.“[7]
Bei Müllenhoff ist der Ort mit einem „h“ geschrieben und die Burg nicht näher lokalisiert. In Wagrien gab es vier Orte mit gleichen oder ähnlichen Namen, zwei davon in der Probstei: das Dorf Ratjensdorf im Gut Rixdorf an der Straße von Preetz nach Plön (später Gemeinde Rathjensdorf) und das Dorf Ratjendorf (Kirchspiel, später Gemeinde Giekau). Die Sage bezieht sich wahrscheinlich aber auf Neuratjensdorf und/oder (Alt-)Ratjensdorf am Gruber See. Der in der Legende beschriebene Fußweg nach Heiligenhafen spricht zwar für Neuratjensdorf, da es nur zwei bis drei Kilometer entfernt liegt und dort mehrere zerstörte Grabhügel gefunden wurden. Aber Johannes von Schröder beschreibt in seiner Topographie des Herzogtums Holstein einen Edelhof bei Ratjensdorf in der Nähe des Gruber See, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts schon gab und
„... dessen Überreste, eine Rundmauer, nördlich des Dorfes auf der Wiese Wallwisch noch deutlich zu erkennen sind. Früher stand daneben eine zweite Erhebung. Viele Feldsteine finden sich hier noch, besonders im Inneren der Mauer; … Auf der Feldmark liegt ein bedeutendes, teilweise zerstörtes Riesenbett. – 1398 erlaubte Henneke Ratlow in Merkendorf dem Kloster Cismar, den Turm in Ratjensdorf abzureißen.“[9]
Von Schröder erwähnt im Artikel Grube auch ein landesherrliches Grafenschloss nordwestlich von der St. Jürgen–Kirche auf der Insel „Wall“ im Gruber See, das nicht mehr erkennbar ist.[10] Diese „Burg Grube“ (siehe unten) stand wohl auf dem älteren (slawischen) Edelhof „Burg zu Rathjensdorf“ und diese vermischen sich in der Sage. Interessanterweise findet das Vogelschießen der „Alte Gruber Bürgergilde e.V. von 1275“ auf dem Paasch-Eyler-Platz statt, wo dort die Burg Grube stand.
Burg Grube
Der mittelalterliche landesherrliche Burg Grube ist ein denkmalgeschütztes archäologisches Bodendenkmal. Eine Beschilderung vor Ort weist auf ihre Bedeutung hin.
Die fast kreisrunde Hauptburg mit einem Gebäude und einem Schießstand hatte einen Durchmesser von ca. 45–50 m und lag 1,4 m über NN. Das Burgplateau wurde von einem ebenfalls kreisrunden Außenbereich (Durchmesser 80–85 m, Höhe etwa 1 m über NN) mit einem Abschnittswall und Gräben umgeben. Nach Südwesten erstreckte sich die knapp 60 m lange, fast 50 m breite und 0,95 m hohe Vorburg, gleichfalls mit Abschnittswalls und Gräben umgeben. 70 m des Walls am Südende konnte man noch 1933 sehen.
Vor der Regulierung des Oldenburger Grabens mit der damit verbundenen Wasserspiegelabsenkung lag die durch einen Abschnitts- und Ringwall gesicherte Burg auf einer etwa 200 m langen Insel und später auf einer heute nicht mehr als solche erkennbaren Halbinsel, die nach Südwesten in den ehemaligen Gruber See hineinragte. An dieser Engstelle konnte man den östlicher Zugang des Oldenburger Graben zur Ostsee und die wichtige Passierstelle auf dem Landweg kontrollieren. Es wird aufgrund slawischer Siedlungsbefunde und Ortsnamen der Umgebung davon ausgegangen, dass der Ringwall slawisch–frühmittelalterlichen Ursprungs ist. Für das 13. Jahrhundert wird anhand von historischen Quellen von einer Verwaltungsfunktion der holsteinischen Grafen ausgegangen. 1305 urkundete Graf Gerhard II. von Holstein-Plön „in castro“ Grube, als er Heiligenhafen das Stadtrecht bestätigte.[11][10]
Literatur
- Hans-Uwe Hartert (Hrsg.): Die Geschichte des Erholungsortes Grube von 1222-2002 und der Alten Gruber Bürgergilde e. V. von 1275-2002. Grube 2002, ISBN 3-937324-14-3
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2024 (XLSX-Datei); (Hilfe dazu).
- ↑ Verzeichnis des Kreises Ostholstein über die Ortschaften und Wohnplätze ( vom 25. Januar 2017 im Internet Archive) (MS Excel; 175 kB)
- ↑ Gemeindewahlen Grube (Holstein). Abgerufen am 19. Juli 2024.
- ↑ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
- ↑ Museum Grube auf museen-sh.de, abgerufen am 6. August 2023.
- ↑ FKK Reiseführer Europa 2020, S. 36, A 03
- ↑ a b Karl Müllenhoff: Die Burg zu Rathjensdorf. In: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Erstes Buch, LXXXV (Nr.85, bei Neuausgaben Nr. 90). Schers'sche Buchhandlung, Kiel 1845, S. 80 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Anmerkung: in der Sage könnte die Kirche in Grube ihren Namen (und der des Dorfes) nach einem lokalen niederdeutschen Wort (zum Beispiel zu „Grauen, grauen“ oder zu „grob“) erhalten haben; oder die Kirche bekam ihren Namen, weil sie unterhalb der Burg stand oder eine Grube bei Kirchenbau ausgehoben wurde, die die Jungfern sahen.
- ↑ Johannes von Schröder, Hermann Biernatzki: Ratjensdorf (vorm. Ratmerstorpe). In: Topographie der Herzogthümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübeck und des Gebiets der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck. Zweite neu bearbeitete, durch die Topographie von Lauenburg vermehrte Auflage. Zweites Buch. C. Fränckel / Gustav Brauns, Oldenburg (in Holstein) / Leipzig 1855, S. 322 f. (digitale-sammlungen.de).
- ↑ a b Johannes von Schröder, Hermann Biernatzki: Grube. In: Topographie der Herzogthümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübeck und des Gebiets der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck. Zweite neu bearbeitete, durch die Topographie von Lauenburg vermehrte Auflage. Erstes Buch. C. Fränckel / Gustav Brauns, Oldenburg (in Holstein) / Leipzig 1855, S. 441 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Denkmalliste unbeweglicher archäologischer Kulturdenkmale Ostholstein (PDF; 3,3 MB), S. 145, abgerufen am 2. Dezember 2025; Archäologische Karte S-H