Mieduniszki Wielkie

Mieduniszki Wielkie
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Mieduniszki Wielkie
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Gołdap
Gmina: Banie Mazurskie
Geographische Lage: 54° 19′ N, 21° 59′ O
Einwohner: 100 (2006)
Postleitzahl: 19-520[1]
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NGO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BudryDąbrówkaRapaBanie Mazurskie
BudzewoSkalisze → Mieduniszki Wielkie
Eisenbahn: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig

Mieduniszki Wielkie (deutsch Groß Medunischken, 1938 bis 1945 Großmedien) ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, der zur Landgemeinde Banie Mazurskie (deutsch Benkheim) im Powiat Gołdapski (Kreis Goldap) gehört.

Geographische Lage

Mieduniszki Wielkie liegt an einer Schleife der Angerapp (polnisch Węgorapa) und nur wenige hundert Meter südlich von der polnisch-russischen Staatsgrenze im Nordosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die Kreisstadt Gołdap (Goldap) ist in östlicher Richtung 21 Kilometer entfernt. Die frühere und heute auf russischem Staatsgebiet gelegene Kreishauptstadt Darkehmen (1938 bis 1945 Angerapp, russisch Osjorsk) liegt elf Kilometer in nördlicher Richtung.

Geschichte

Das einst Madunischken genannte Gutsdorf[2] wurde seit 1539 erwähnt. Namensformen sind: Medunisken (nach 1565), Maidunischken (vor 1577) und Groß Medunischken, auch Medunischken ohne Zusatz (bis 1938).

Der Ort wurde in seiner Geschichte geprägt durch das große Gut,[3] das im Jahr 1523 von den Grafen von Schlieben verwaltet wurde. Im 18. und 19. Jahrhundert war es im Besitz derer von Fahrenheid auf Beynuhnen (russisch Uljanowskoje), danach erbte es Anna von Bujack (1848–1910), die den späteren Generalmajor Eduard Schmidt von Altenstadt heiratete, in dessen Familie das Gut bis 1945 verblieb.

Im Jahr 1874 wurde Groß Medunischken mit sechs weiteren Orten in den neu errichteten Amtsbezirk Groß Sobrost[4] (polnisch Zabrost Wielki) eingegliedert, der – ab 1939 nur noch „Amtsbezirk Sobrost“ genannt – bis 1945 bestand und zum Kreis Darkehmen (1939 bis 1945 „Landkreis Angerapp“ genannt) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

215 Einwohner verzeichnete Groß Medunischken im Jahr 1910.[5] Ihre Zahl stieg – nach erfolgtem Zusammenschluss mit Ramberg – bis 1933 auf 281 und blieb bis 1939 nahezu gleichbleibend bei 280.[6]

Im Zuge einer neuen Kommunalgesetzgebung in den preußischen Provinzen 1927/1928, hier insbesondere mit der Zusammenlegung von vormals juristisch eigenständigen Gutsbezirken und den Landgemeinden, schloss sich Groß Medunischken bereits am 30. September 1928 mit dem Gutsbezirk Ramberg (russisch Juchowo, nicht mehr existent) zur neuen Landgemeinde Medunischken zusammen. An den privatrechtlichen, fiskalischen und kirchlichen Eigentumsformaten änderte sich dadurch nichts.

Am 3. Juni 1938 wurde (Groß) Medunischken aus politisch-ideologischen Gründen der Abwehr fremdländisch klingender Ortsnamen in „Großmedien“ umbenannt.[7] Das Rittergut hatte in den 1930er Jahren einen Umfang von 393 ha.[8] Eigentümer war der Major Ulrich Schmidt von Altenstadt (1872–1949), Verwalter sein jüngerer Bruder Friedrich (Fritz) Schmidt von Altenstadt (1903–1972), dem das Rittergut in Groß-Sunkeln gehörte.[9]

In Kriegsfolge kam das Dorf 1945 mit dem südlichen Ostpreußen zu Polen. Es ist heute eine Ortschaft im Verbund der Landgemeinde Banie Mazurskie im Powiat Gołdapski, vor 1998 der Woiwodschaft Suwałki, seitdem der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Religionen

Vor 1945 war Groß Medunischken in die evangelische Kirche Szabienen/Schabienen[10] (1938 bis 1945 Lautersee, polnisch Żabin) im Kirchenkreis Darkehmen/Angerapp in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union, aber auch in die katholische Pfarrei Goldap im Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg, polnisch Pisz) im Bistum Ermland eingepfarrt.

Heute gehört die Bevölkerung Mieduniszki Wielkies überwiegend zur Pfarrei Żabin im Dekanat Gołdap im Bistum Ełk (Lyck) der Römisch-katholischen Kirche in Polen bzw. zur Kirche in Gołdap, einer Filialkirche von Suwałki in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Einzelne Gebäude

Das alte Gutshaus[3] brannte im Ersten Weltkrieg ab und wurde im neobarocken Stil wieder aufgebaut. 1922 brannte es erneut ab und wurde im originalen Stil wiedererrichtet. Das Haus, umgeben von einem großen Park, hat sich bis heute erhalten. Nach 1945 wirtschaftete hier ein sowjetisches Staatsgut bis zu seiner Auflösung. Danach begann der Verfall des Gebäudes. Zweimal kam es danach in private Hand, es bestand sogar der Plan, das Herrenhaus zu einer Privatpension auszubauen. Im Jahr 2003 jedoch wurde es erneut ein Raub der Flammen. Seitdem droht ihm immer mehr der Verfall.

Söhne und Töchter des Ortes

Verkehr

Mieduniszki Wielkie liegt im polnisch-russischen Grenzgebiet, ist aber straßenmäßig gut angebunden, befindet es sich doch an einer Nebenstraße, die an der polnischen Woiwodschaftsstraße 650 (frühere deutsche Reichsstraße 136) ihren Anfang und auch ihr Ende findet: sie verläuft von Budry (Buddern) über Dąbrówka (Dombrowken, 1938 bis 1945 Eibenburg) nach Rapa (Angerapp, 1938 bis 1945 Kleinangerapp) und weiter bis Banie Mazurskie (Benkheim). Ein Landweg verbindet den Ort mit dem Skallischen Forst (auch: Altheider Forst, polnisch Lasy Skaliskie) bei Skalisze (Skallischen, 1938 bis 1945 Altheide) bis nach Budzewo (Groß Sawadden, 1938 bis 1945 Groß Budschen).

Commons: Mieduniszki Wielkie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2022, S. 785 (Memento vom 26. Oktober 2022 im Internet Archive) (polnisch) (PDF; 7,4 MB)
  2. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Großmedien
  3. a b Mieduniszki Wielkie - Groß Medunischken/Großmedien
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Sobrost
  5. Landkreis Darkehmen im Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Dezember 2024; abgerufen am 11. Dezember 2025.
  6. Michael Rademacher: Landkreis Darkehmen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  7. Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1939. Jg. 31, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 535. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).
  8. Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. [1932]. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band III, 5. Auflage, Selbstverlag der Niekammer’s Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1932, S. 123. Elbinger Stadtbibliothek PDF, In: GenWiki / Hrsg. CompGen Berlin. Reprint: ISBN 978-3-88372-345-7.
  9. Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz von Groß Zauche und Camminitz, Freiherr Klaus von Andrian-Werburg, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 2004. Band XXV, Band 135 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2004, S. 431 f.
  10. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 478