Großes-Becken-Wüste
Die Großes-Becken-Wüste (englisch Great Basin Desert) ist eine ausgedehnte Wüstenlandschaft im Westen der Vereinigten Staaten. Mit knapp 492.000 km² Fläche gilt sie als die größte Wüste der USA. Sie liegt zwischen der Sierra Nevada im Westen und den Rocky Mountains im Osten; im Norden geht sie ins Columbia-Plateau über, im Süden in die Mojave- und Sonora-Wüsten.[1] Zusammen mit diesen zählt die Großes-Becken-Wüste zu den vier großen Wüsten Nordamerikas und gilt als einzige kalte Wüste der USA[2], da hier ein Großteil des Niederschlags in Form von Schnee fällt.
Geografische Lage und Eingrenzung
Das Große Becken (Great Basin) umfasst nahezu den gesamten Bundesstaat Nevada sowie angrenzende Gebiete von Utah, Kalifornien, Oregon, Idaho und Wyoming. Als Great Basin Desert („Großes-Becken-Wüste“) versteht man die Gebiete des Großen Beckens, in der eine charakteristische Vegetation (wie die Abwesenheit von Kreosotbusch) vorherrscht. Die Wüste ist eine geografische Region, die sich weitgehend mit der vom World Wildlife Fund definierten Great Basin Shrub Steppe und der von der US-Umweltschutzbehörde und dem United States Geological Survey definierten Central Basin and Range Ecoregion überschneidet. Es handelt sich um eine gemäßigte Wüste mit heißen, trockenen Sommern und schneereichen Wintern.[3] Die genauen Grenzen der Wüste sind nicht festgelegt, jedoch umfasst sie bis zu einer halben Million Quadratkilometer Fläche.
Entgegen dem Namen besteht es nicht aus einem einzigen Becken, sondern aus zahlreichen abflusslosen Tälern, die von über 100 parallel verlaufenden Gebirgszügen (Nord-Süd-Ausrichtung) durchzogen sind. Alle Niederschläge verdunsten oder versickern innerhalb des Gebiets; Flüsse wie der Humboldt River enden in Salzseen oder Sumpfgebieten (etwa im Humboldt Sink), ohne das Meer zu erreichen. Zu den wenigen größeren Wasserflächen zählt der flache Große Salzsee in Utah, ein Überrest des eiszeitlichen Lake Bonneville. Charakteristisch sind ausgetrocknete Salzseen (Playas), die weite Salzpfannen und Krusten bilden. Die Höhenlage des Wüstenhochlands reicht von etwa 1.000 m in den Talböden bis über 3.000 m an 33 Stellen auf Berggipfeln, was zu stark reliefierten Landschaften führt.[4][5]
Klima
Das Klima der Great-Basin-Wüste ist arid und kontinental geprägt. Durch den Regenschatten der Sierra Nevada und der Kaskadenkette gelangen nur sehr geringe Feuchtigkeitsmengen ins Landesinnere. Im Jahresverlauf fallen durchschnittlich lediglich ca. 180–300 mm Niederschlag, verteilt über alle Monate, wobei ein Großteil im Winter als Schnee niedergeht. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter kalt mit regelmäßigen Schneefällen. Damit handelt es sich um eine winterkalte Wüste, im Unterschied zu den heißeren Wüsten weiter südlich in Nordamerika.[3][1]
Flora und Fauna
Die Talebenen des Great Basin sind von trockenem Buschland geprägt, oft dominiert jeweils von einer einzigen Strauchart. Weite Flächen bestehen aus Steppen mit Big Sagebrush (Artemisia tridentata) oder Salzsträuchern wie Shadscale (Atriplex-Arten). Typische weitere Sträucher sind Blackbrush, Mormonentee (Ephedra) und Greasewood (Sarcobatus). Kakteen und Yucca-Palmlilien sind im Great Basin kaum verbreitet und kommen nur vereinzelt vor. In höheren Lagen gehen die Wüstenbüsche in lückige Wälder mit Wacholder und Pinyon-Kiefern über, und in den höchsten Bergregionen wachsen montane Nadelwälder mit langlebigen Grannen-Kiefern (Bristlecone Pines). Einige dieser Kiefern zählen mit fast 5.000 Jahren zu den ältesten lebenden Organismen der Erde.[1]
Trotz der kargen Vegetation beherbergt das Gebiet eine erstaunlich artenreiche Tierwelt. Mehr als 600 Arten von Wirbeltieren leben im floristischen Great Basin.[6] Die Region enthält die zweithöchste Anzahl gefährdeter endemischer Arten in den Vereinigten Staaten. Große Pflanzenfresser wie Gabelhornantilopen (Pronghorn), Maultierhirsche und Wüsten-Dickhornschafe streifen durch die Landschaft.[7] Beutegreifer wie Kojoten und Pumas (Berglöwen) sind vor allem in den Bergregionen anzutreffen. Ein charakteristischer Vogel der Region ist das Beifußhuhn (Greater Sage-Grouse), das offene Steppen bewohnt. Daneben leben zahlreiche kleinere Säugetiere – vom Eselhasen (Jackrabbit) über verschiedene Mäuse- und Rattenarten (z. B. Kängururatten) – sowie diverse Echsen und Klapperschlangen im Great Basin.[8]
In der Region leben außerdem ca. 80.000 Wildpferde, die von entlaufenen Nutztieren indigener Stämme, spanischer Entdecker und ansässiger Rancher abstammen.[8] Viele von ihnen haben spezielle Anpassungen an das trockene Klima entwickelt, um mit Wassermangel und Temperaturextremen zu überleben.
Besiedelungsgeschichte
Das Große Becken wurde bereits vor über 12.000 Jahren von Menschen bewohnt. Bis zur Ankunft europäischer Entdecker lebten dort nur wenige indigene Gemeinschaften als nomadische Jäger und Sammler. Die erste dokumentierte Durchquerung der Wüste durch einen Europäer gelang 1826 dem Trapper Jedediah Smith. In den 1840er-Jahren erkundete John C. Frémont Teile des Großen Beckens. Der kalifornische Goldrausch ab 1848 führte zu einem starken Anstieg des Transitverkehrs: Tausende von Siedlern zogen auf dem California-Trail entlang des Humboldt River westwärts durch das Gebiet. In den 1850ern entstanden Poststationen und Pony-Express-Strecken entlang der Route, und 1869 wurde mit dem ersten transkontinentalen Eisenbahnanschluss die Isolation der Region überwunden. Im Great Basin selbst ließen sich jedoch vergleichsweise wenige Siedler dauerhaft nieder; ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden einzelne Ortschaften durch Viehzucht und Bergbau nach Gold- und Silberfunden. Die größten heutigen Siedlungszentren liegen am Rand des Gebietes, etwa im Großraum Salt Lake City am Wasatch-Gebirge oder bei Reno an der Sierra Nevada, wo Gebirgsflüsse für Bewässerung sorgen. Das innere Wüstenhochland dagegen ist bis heute nur dünn besiedelt.[5][9]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Great Basin Desert - DesertUSA. Abgerufen am 22. September 2025.
- ↑ Programs: Fish and Wildlife: Wildlife: About: Nevada. Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ a b The Great Basin - Great Basin National Park (U.S. National Park Service). Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ Stanley G. Kitchen, Stephanie L. Carlson: Great Basin cold desert shrublands and the Desert Experimental Range. In: In: Kitchen, Stanley G.; Pendleton, Rosemary L.; Monaco, Thomas A.; Vernon, Jason, comps. 2008. Proceedings-Shrublands under fire: disturbance and recovery in a changing world; 2006 June 6-8; Cedar City, UT. Proc. RMRS-P-52. Fort Collins, CO: U.S. Department of Agriculture, Forest Service, Rocky Mountain Research Station. p. 181-185. Band 052, 2008 (usda.gov [abgerufen am 22. September 2025]).
- ↑ a b Great Basin | Climate & Facts | Britannica. Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ Donald K. Grayson: The desert's past : a natural prehistory of the Great Basin. Washington : Smithsonian Institution Press, 1993, ISBN 1-56098-222-5 (archive.org [abgerufen am 22. September 2025]).
- ↑ Programs: Fish and Wildlife: Wildlife: About: Nevada. Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ a b Getting to Know the NEON Domains: Great Basin | NSF NEON | Open Data to Understand our Ecosystems. Abgerufen am 22. September 2025.
- ↑ People - Great Basin National Park (U.S. National Park Service). Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
Koordinaten: 39° 0′ 21″ N, 114° 13′ 11″ W