Grisélidis Réal
Grisélidis Réal (* 11. August 1929 in Lausanne; † 31. Mai 2005 in Genf) war eine Schweizer Prostituierte, Künstlerin und Buchautorin. Sie gilt als Pionierin der Prostituierten-Bewegung in der Schweiz und international.
Leben und Werk
Grisélidis Réal wuchs im ägyptischen Alexandria auf. Als ihr Vater Walter Réal 1938 starb, kehrte sie und ihre zwei Schwestern mit ihrer Mutter Gisèle Réal, geborene Bourgeois, in die Schweiz zurück. Gisèle Réal eröffnete 1952 die erste Galerie in Locarno und stellte nicht figurative Kunstwerke aus Paris aus. Da sich die etablierte Kunstszene in Locarno durch die Werke bedroht fühlte, zog die «Galerie Cittadella» nach Ascona.[1] Der zwanzigjährige Pierre Casè konnte seine Werke in der Galerie ausstellen.
In Zürich besuchte Grisélidis Réal die Kunstgewerbeschule und schloss 1949 mit einem Diplom als Dekorateurin ab. Anschliessend liess sie sich in Genf nieder und widmete sich der Seidenmalerei. 1950 heiratete sie den Graveur Sylvain Schimek, mit dem sie zwei Söhne hatte. 1956 liess sich das Ehepaar scheiden.
In den frühen 1960er-Jahren zog Grisélidis Réal als alleinerziehende Mutter nach Deutschland und begann aus wirtschaftlicher Not, als Prostituierte zu arbeiten. 1963 wurde sie nach einer siebenmonatigen Gefängnisstrafe in München wegen Marihuana-Schmuggels aus Deutschland ausgewiesen. Im Gefängnis schrieb sie ihr postum veröffentlichtes Gefangenentagebuch Suis-je encore vivante?.
Wieder in der Schweiz lebte Grisélidis Réal in Genf und arbeitete als Prostituierte. Zudem schrieb sie den Roman Erinnerungen einer Negerhure und Gedichte. Ihre gemalten Werke die an Art brut erinnernden, konnte sie in Galerien ausstellen. Grisélidis Réal pflegte regen Briefkontakt, insbesondere mit Maurice Cappaz, Bertil Galland, Suzi Pilet und Jean-Luc Hennig.
Gegen Mitte der 1970er-Jahre kam Réal mit der Prostituiertenbewegung in Frankreich in Kontakt und wurde zu einer ihrer wichtigsten Aktivistinnen. So hielt sie Vorträge über das Thema Prostitution in Europa und Amerika. Ihr Tagebuch wurde nach ihrem Tod entdeckt und veröffentlicht.
Réal sammelte während 30 Jahren Material zum Thema Sexarbeit, das 2008 im «Centre Grisélidis Réal», untergebracht wurde. Am 4. Dezember 2024 wurde durch die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) bekannt, dass die Stadt Genf einen öffentlichen Platz nach Réal benannt hat. Dieser befindet sich im Quartier «Les Pâquis» an der Kreuzung von der Rue Philippe-Plantamour mit der Rue du Léman.[2]
Werke
- Le Noir est une couleur. Balland, Paris 1974
- deutsche Ausgabe: Erinnerungen einer Negerhure. Autobiografischer Roman. Piper, München 2008, ISBN 978-3-492-04955-9
- La Passe imaginaire. L’Aire, Vevey 1992
- Mémoires de l'Inachevé 1954 - 1993
- À feu et à sang. Le Chariot, Genève 2003g
- Carnet de Bal d'une Courtisane – 2005
- Suis-je encore vivante?: Journal de Prison – erschienen 2008
- Les Sphinx. Verticales, Paris 200
- Jean-Luc Hennig: Grisélidis, courtisane. Albin Michel, Paris 1981
Weblinks
- Publikationen von und über Grisélidis Réal im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Nachlass Grisélidis Réal in der Datenbank HelveticArchives bzw. als Online-Inventar (EAD) des Schweizerischen Literaturarchivs
- Sabine Lorenz-Schmidt: Grisélidis Réal. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Grisélidis Réal bei IMDb
- Grisélidis Réal entzweit Genf – nach ihrem Tod Link zum Filmbeitrag der Nachrichtensendung 10vor10 vom 10. März 2009
- Vergissmeinnicht - Grisélidis Real, Hure Filmbeitrag bei arte vom 3. Dezember 2020
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Gisèle Réal, «Galerie Cittadella», abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Une place porte désormais le nom de Grisélidis Real. Abgerufen am 4. Dezember 2024 (französisch).