Grigori Andrejewitsch Retschkalow

Grigori Andrejewitsch Retschkalow (russisch Григорий Андреевич Речкалов; wiss. Transliteration Grigorij Andrejevič Rečkalov; * 9. Februar 1920 in Chudjakowo, Oblast Swerdlowsk; † 20. Dezember 1990 in Moskau) war ein sowjetischer Pilot, Generalmajor und zweifacher Held der Sowjetunion.

Leben vor der Kampfkarriere

Grigori Andrejewitsch Retschkalow wurde am 9. Februar 1920 im kleinen Dorf Chudjakowo, das sich heute auf dem Gebiet der Oblast Swerdlowsk befindet, als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Nach seiner Schulzeit trat Retschkalow 1938 in die Rote Armee ein und absolvierte 1939 in Perm die Militärfliegerpilotschule. Aufgrund einer angeborenen Rot-Grün-Sehschwäche wurde er zunächst nicht für den Flugeinsatz zugelassen, dies änderte sich 1941 mit dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges. Retschkalow wurde darauf dem 55. Jagdfliegerregiment zugeteilt, das im Militärbezirk von Odessa stationiert war.[1][2]

Kampfkarriere (1941–1945)

Am ersten Tag des Unternehmens Barbarossas (22. Juni 1941) hatte Retschkalow seinen ersten Einsatz als Kampfpilot mit einer I-153 über Moldawien. Im Laufe des Monats absolvierte er mit diesem Flugzeug 30 Einsätze und nahm an insgesamt 10 Gefechten teil. Am 27. Juni schoss Retschkalow südöstlich von Sculeni eine Henschel Hs 126 ab, womit er seinen ersten Abschuss erzielte. Am 11. Juli meldete er den Abschuss einer Junkers Ju 88 in der Nähe von Kotowsk. Am 26. Juli 1941 wurde er nahe Dubăsari durch Flakfeuer am rechten Bein verwundet. Er kehrte sicher zum Flugplatz zurück und wurde nach der Landung ins Lazarett gebracht. Wegen der schweren Verletzung musste er nach drei Operationen mehrere Monate in einer Reserveflieger-Einheit bleiben. Im Frühjahr 1942 kehrte er zu seinem ursprünglichen Regiment zurück.[3]

Bis Ende 1942 verzeichnete Retschkalow vier allein erzielte und zwei geteilte Luftsiege. Zu jener Zeit war das 16. Regiment mit neuen P-39 Airacobras ausgerüstet und vorübergehend zur Reserve versetzt worden, um dort ausgebildet zu werden. Im Frühjahr 1943 wurde es an der Nordkaukasusfront und am Kuban stationiert. Am 24. Mai 1943 wurde Retschkalow für 12 Einzel- und zwei gemeinsame Abschüsse bei 194 Einsätzen zum Held der Sowjetunion ausgezeichnet.[3]

Im Mai 1944 übernahm Retschkalow das Kommando über das 16. Jagdfliegerregiment. Am 31. Mai 1944 gingen jedoch bei der Führung einer Formation über Iași fünf P-39 verloren, nachdem er beschlossen hatte, eine Gruppe Bf 109-Jägern allein zu verfolgen. Laut offiziellen Angaben wurde Retschkalow dafür gerügt, dass er den Feind eigenständig verfolgt hatte, statt seiner weniger erfahrenen Staffel die Führung zu überlassen. Auf Empfehlung seines Kommandeurs Alexander Pokryschkin wurde Retschkalow durch Dmitri Glinka vom 100. Jagdfliegerregiment als neuer Kommandeur des 16. Jagdfliegerregiments ersetzt. Während des gesamten Krieges geriet Pokryschkin wiederholt mit Retschkalow wegen mangelnder Disziplin aneinander.

Am 15. Juli 1944 wurde Glinka schwer verwundet, als er aus einer stark beschädigten P-39 ausstieg und mit dem Leitwerk zusammenstieß. Retschkalow übernahm erneut das Regiment, gab das Amt jedoch im Februar 1945 wieder ab und wurde Inspektor für Flugausbildung der 9. Jagdfliegerdivision. Bis Kriegsende flog er 452 Einsätze und absolvierte 122 Luftkämpfe; Einsatzdokumente führen 56 Einzel- und 6 geteilte Siege auf, Zertifizierungsdokumente dagegen 61 Einzel- und 4 geteilte Siege. Er flog unter anderem die I-153, I-16, MiG-3, Jak-1 und P-39, wobei der Großteil seiner Bilanz auf die P-39 entfiel.[4] In seiner Nominierung für den Preis wurden seine drei Siege aus dem Jahr 1941 nicht erwähnt, obwohl es Vorwürfe gab, dass Pokryschkin versucht habe, einige von Retschkalows Abschüssen zu verschleiern.

Nachkriegszeit

1951 schloss er sein Studium an der Luftwaffenakademie in Monino ab. Danach befehligte er verschiedene Luftdivisionen. 1957 war er stellvertretender Kommandeur der Jagdflugzeuge der Fernöstlichen Luftverteidigungsarmee. 1957 wurde Retschkalow Generalmajor der sowjetischen Luftwaffe. 1959 verließ Retschkalow die Armee. Er schrieb zwei Bücher über seine Kriegserlebnisse: Дымное небо войны (deutsch: Der rauchende Himmel des Krieges) und В Небе Молдавии (deutsch: Im Himmel Moldawiens). Retschkalow starb im Alter von 70 Jahren am 20. Dezember 1990 in Moskau.[5]

Auszeichnungen

Während seiner Zeit als Kampfpilot erhielt Retschkalow folgende Auszeichnungen[6]:

Siehe auch

Literatur

  • Waldemar Trojca: Sowjetische Fliegerasse 1941–1945 (= Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges). VDM, Zweibrücken 2019, ISBN 978-3-86619-152-5, S. 191–196.
Commons: Grigori Andrejewitsch Retschkalow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Simonow & Bodrichin 2017, S. 271.
  2. Schukow 1979, p. 48–49.
  3. a b Simonow & Bodrichin 2017, p. 272.
  4. Simonow & Bodrichin 2017, S. 274.
  5. Simonow & Bodrichin 2017, p. 274–276.
  6. Simonow & Bodrichin 2017, p. 276.