Greta Magnusson Grossman
Greta Karin Ingeborg Magnusson Grossman (* 21. Juli 1906 in Helsingborg; † 28. August 1999 in Encinitas, Kalifornien) war eine schwedisch-US-amerikanische Möbeldesignerin, Innenarchitektin und Architektin des Mid-Century Modern, die auf beiden Seiten des Atlantiks tätig war.[1][2] Zu ihren bekanntesten Entwürfen zählen die Leuchten Gräshoppa (‚Grashüpfer‘, 1947) und Cobra, die in den späten 1940er-Jahren entstanden und ikonische Beispiele ihres schlanken, funktionalen Formenvokabulars sind.[3] Ihr Werk geriet ab den späten 1960er-Jahren zunächst in Vergessenheit und wurde seit 2010 durch Ausstellungen und Neuauflagen international wiederentdeckt.[4]
Leben
Grossman wuchs in Helsingborg auf.[2] Sie legte ihr Abitur an einer Privatschule in ihrer Heimatstadt ab und absolvierte danach eine Schreinerlehre.[1] Anschließend machte sie eine Ausbildung als Möbelschreinerin bei Kärnans und studierte an der Högre konstindustriella skolan, der Vorgängereinrichtung von Konstfack in Stockholm, wo sie 1931 graduierte.[1][2] 1939/1940 belegte sie zusätzlich die Fachrichtung Architektur an der Kungliga Tekniska högskolan in Stockholm.[1][2]
Zeitgleich war sie beim Möbelfabrikanten Harald Westerberg angestellt, wo sie ihre frühen Möbelentwürfe entwickelte.[1] 1933 heiratete sie den britischen Jazzmusiker Billy Grossman, eröffnete im selben Jahr ihr Geschäft und Atelier Studio am Stureplan in Stockholm und gewann im Wettbewerb der Hantverksförening erstmals als Frau einen Preis.[1][2] Sie veröffentlichte mehrere Artikel in Zeitschriften, die auf Wohnungs- und Hauseinrichtungen spezialisiert waren.[1]
Die Ungewissheit, ob Deutschland nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Dänemark und Norwegen auch Schweden überfallen würde, ließ das Ehepaar Magnusson Grossman 1940 kriegsbedingt über Russland und Japan in die Vereinigten Staaten ziehen.[1][2] Trotz anfänglicher Schwierigkeiten eröffneten sie 1941 eine neue Studio-Filiale an der North Rodeo Drive in Los Angeles.[1][2]
In den 1950er-Jahren arbeitete sie für große Händler wie Barker Bros. und andere Innenausstatter und lehrte von 1957 bis 1963 Möbeldesign an der UCLA.[1][2] 1964 zog sie sich aus dem Design zurück und widmete sich der Malerei in Encinitas.[2] Trotz internationaler Erfolge blieb sie in Schweden lange bemerkenswert unbekannt.[5] Sie starb 1999 in Encinitas im County San Diego.[2]
Wirken
Die zum Funktionalismus zählenden Möbel, die Grossman in ihrem Studio entwarf, wurden zunächst von zahlungskräftigen Kunden in Schweden, Frankreich, Polen, Finnland und Panama gekauft.[1] Durch ihre Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Barker Bros. setzte sie in den USA verstärkt auf eine mittelständische Kundschaft und richtete für große Händler und Hersteller wie Barker Bros., Ralph O. Smith Lighting und Glenn of California Showrooms ein.[1][2] Auf diese Weise erhielt sie verschiedene Gemeinschaftsaufträge, etwa mit Gregory Ain oder Paul László.[1]
In Los Angeles führte Grossman ein eigenes Architekturbüro und gehörte laut Los Angeles Conservancy über Jahre zu den wenigen Frauen – zeitweise der einzigen – mit eigenständiger Praxis in der Stadt.[6] Etwa 20 in und um Los Angeles errichtete Wohnhäuser wurden von ihr entworfen und mit ihren Möbeln ausgestattet.[1] Zwischen den späten 1940er- und 1950er-Jahren realisierte sie zahlreiche Wohnhäuser auf schwierigen Hanggrundstücken; ihr 1948 errichtetes Haus in Beverly Hills demonstriert die Verbindung aus moderner Raumdramaturgie und wohnlicher Wärme.[7]
Ihr Werk verband skandinavische Nüchternheit mit der kalifornischen Moderne; prägend waren leichte Proportionen, Beweglichkeit und eine spielerische, zugleich präzise Funktionalität.[8] Zu ihren bekanntesten Entwürfen zählen die Leuchten Gräshoppa (‚Grashüpfer‘, 1947) und Cobra, die in den späten 1940er-Jahren entstanden und ikonische Beispiele ihres schlanken, funktionalen Formenvokabulars sind.[3] Die Gräshoppa-Leuchte wurde 1947 eingeführt und gilt als ihr bekanntestes Produkt.[3]
Ab den späten 1960er-Jahren gerieten Grossmans Entwürfe zunächst in Vergessenheit; seit 2010 werden sie durch Ausstellungen und Neuauflagen international wiederentdeckt.[4] 2010 holte das Arkitekturmuseet in Stockholm sie mit der Ausstellung Greta Magnusson Grossman: A Car and Some Shorts wieder ins öffentliche Bewusstsein, 2012 folgte die erste umfassende Retrospektive im Pasadena Museum of California Art.[9][4] Durch Neuauflagen – etwa durch Gubi – und Rekordergebnisse bei Auktionen, darunter 37.500 US-Dollar für eine Stehleuchte, werden Grossmans Designs heute weithin als Designklassiker anerkannt.[4][10]
Auszeichnungen
Magnusson Grossman erhielt unter anderem:[1]
- 1950 wurde die Cobra-Leuchte für die MoMA-Ausstellung Good Design des Museum of Modern Art ausgewählt.[1][2]
- 1952 erhielt ein Stuhl aus Walnussholz mit Polstersitz eine Good Design-Auszeichnung; im selben Jahr entstand die 62 Series mit Formica-Oberflächen in Kombination mit Holz und Metall.[1][2]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q Lisbeth Larsson: Märkvärdiga svenska kvinnor. Albert Bonniers Förlag, 2019, S. 114–116 (schwedisch, Greta Magnusson Grossman).
- ↑ a b c d e f g h i j k l m Greta Magnusson Grossman. In: Svenskt kvinnobiografiskt lexikon. 8. März 2018, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b c Design Icon: Greta Grossman. In: Dwell. 3. April 2014, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b c d Greta Magnusson Grossman retrospective to open in Pasadena. In: Los Angeles Times. 24. Oktober 2012, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Formgivaren Greta Magnusson – framgångsrik men okänd. In: Sveriges Radio. 18. Februar 2010, abgerufen am 9. Dezember 2025 (schwedisch).
- ↑ Greta Grossman. In: Los Angeles Conservancy. Abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Thinking around the box. In: Los Angeles Times. 7. Februar 2009, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ On View: Greta Magnusson Grossman: A Car and Some Shorts. In: The Architect's Newspaper. 7. November 2012, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Greta Magnusson Grossman. på Arkitekturmuseet, Stockholm. In: Dagens Nyheter. 17. Februar 2010, abgerufen am 9. Dezember 2025 (schwedisch).
- ↑ The midcentury architect who liberated women. In: Curbed LA. 30. Januar 2020, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).