Grenzgänge
Unter dem Label Grenzgänge firmierte eine Veranstaltungsreihe in der Black Box des Münchner Kulturzentrums Gasteig, in der die städtische Betreibergesellschaft (Gasteig Betriebs-GmbH) zwischen 1989 und 1996 insgesamt 45 Projekte im Zwischenbereich von Tanz, Theater und Performance, klassischem Konzert und Bildender Kunst zur Aufführung brachte. Von der Presse als „wohltuende Nische für kreative Kunstmacher"[1] begrüßt, sollten die Grenzgänge einer offenen und neugierigen Zielgruppe die Möglichkeit bieten, Unbekanntes und Neues zu entdecken[2].
Neben wenigen Übernahmen bereits existierender Produktionen präsentierte die von Hartmut Dedert konzipierte und kuratierte Reihe vor allem Uraufführungs- und Eigenproduktionen, die in einigen Fällen ihren Weg auch zu anderen Spielorten fanden. Ihre Realisierung wurde allein durch das finanzielle Engagement des Sponsors Philip Morris ermöglicht, der neben den anfallenden Produktionskosten auch den jährlich verliehenen Philip Morris Kunstpreis auslobte. Unter den von einer hochkarätig besetzten Jury ermittelten Preisträgern fanden sich neben international bekannten Namen wie dem Theatermacher Chaim Levano oder dem Multimedia-Künstler Arnold Dreyblatt auch junge Nachwuchstalente.
Rezeption
Von der lokalen Presse im Einzelfall durchaus kontrovers diskutiert, fand die Experimental-Reihe in den sieben Jahren ihres Bestehens immer wieder auch grundsätzliche Zustimmung und Würdigung. So befand Roland Schmidt in der Deutschen Bühne: „Mit den Grenzgängen existiert zumindest in München ein kleines Labor. Ein experimentelles Podium, auf dem nach neuen Formen der Reflexion von Wirklichkeit gesucht werden darf."[3]
In der Süddeutschen Zeitung beklagt Reinhard J. Brembeck anlässlich des letzten Grenzgangs das durch den Ausstieg des Sponsors verursachte „Ende einer fast zur Institution gewordenen Münchner Experimental-Theater-Reihe", die „in Insiderkreisen fast weltweit bekannt"[4] sei. Und ähnlich urteilt auch die Tanz-Wissenschaftlerin und Leibniz-Preisträgerin Gabriele Brandstetter, wenn sie der Reihe in ihren theoretischen Erörterungen Grenzgänge und andere Passagen einen „auch international beachteten wichtigen Platz in der Performance-Szene“ bescheinigt.
Literatur
- Balme, Christopher. "Theatre in München." Western European Stages 7.1 (1995): S. 73
- Brandstetter, Gabriele: Grenzgänge und andere Passagen. In: Horizonte der Emanzipation. Texte zu Theater und Theatralität. Berlin 1999, S. 11–32
- Brembeck, Reinhard J.: Die Wirklichkeit gerät ins Schwimmen. Kein Sponsor mehr: das Ende der Grenzgänge“ in der Black Box. Süddeutsche Zeitung Mittwoch, 18. Dezember 1996, S. 16
- Dedert, Hartmut, Jantke Meier: Grenzgänge im Gasteig. Versuch einer Ortsbestimmung. In: Grenzgänge 1989–1996 Hrsg. v. Philip Morris Kunstförderung München 1997, S. 4–24
- Dedert, Hartmut: Bewusst in künstlerischen Randzonen. Grenzgänge im Gasteig. In: München Mosaik, Mai / Juni 1992 Heft 3, 18. Jahrgang, S. 16f.
- Grenzgänge 1989–1996. Hrsg. v. Philip Morris Kunstförderung München 1997
- Heintz, Eckard: Dont’t burn it. Aus dem Tagebuch eines Kulturmanagers. München 2012, S. 39f
- Schmidt, Roland: Risikoprämie vom Sponsor. In: Deutsche Bühne 1994, Heft 3, S. 34–35
Einzelnachweise
- ↑ Schmidt, Roland: Insel im Ellbogen-Betrieb der Kunst. AZ-Gespräch mit Hartmut Dedert, dem Initiator der experimentierfreudigen Reihe „Grenzgänge“. In: Abendzeitung 21.07.1994, S. 22
- ↑ Dedert, Hartmut: Bewusst in künstlerischen Randzonen. Grenzgänge im Gasteig. In: München Mosaik Mai / Juni 1992 Heft 3, 18. Jahrgang, S. 16 f.
- ↑ Schmidt, Roland: Risikoprämie vom Sponsor. In: Deutsche Bühne 1994, Heft 3, S. 34–35
- ↑ Brembeck, Reinhard J.: Die Wirklichkeit gerät ins Schwimmen. Kein Sponsor mehr: das Ende der „Grenzgänge“ in der Black Box. Süddeutsche Zeitung Mittwoch, 18.12.1996, S. 16