Grand Hotel Toblach

Das Grand Hotel Toblach ist ein 1877 erbautes ehemaliges Luxushotel in Toblach (Südtirol). Es wurde 1999 umfassend renoviert und wird seitdem als Kulturzentrum und Jugendherberge genutzt.

Geschichte als Hotel

1871 eröffnete die österreichische Südbahngesellschaft die Pustertalbahn durch das Pustertal. Am 9. Mai 1873 begann die Gründerkrise; die Wirtschaft stagnierte nach einer Phase von Aufschwung und Euphorie. Die Pustertalbahn war während dieser Krise nicht so ausgelastet wie erhofft. 1877 und 1878 wurde das „Hotel Toblach“ südlich vom Bahnhof Toblach als Eisenbahnhotel errichtet. Architekt war der Hausarchitekt der Südbahngesellschaft Wilhelm von Flattich. Seine endgültige Gestalt als Luxushotel, in dem auch gekrönte Häupter wie die Könige Albert von Sachsen und Milan von Serbien abstiegen, gewann das Haus nach mehreren Ausbauten, Erweiterungen und Modernisierungen im Jahr 1903.[1] Architektonisch verknüpfte der Bau mit seinen neoklassizistischen Fassaden aus Sichtbackstein mit holzverzierten Giebeln Elemente der damaligen Industriearchitektur mit jenen des sogenannten Schweizer Holzstils.[1]

Ein weiterer prominenter Gast war der Komponist und Operndirektor Gustav Mahler, der ab 1908 drei Sommer lang im Grand Hotel Toblach weilte. Er komponierte in Toblach das Lied von der Erde und seine Sinfonie Nr. 9.

Ähnlich anderen Hotels der Bahngesellschaft wie dem Südbahnhotel am Semmering und dem Hotel Kvarner in Abbazia erlebte auch das Grand Hotel Toblach im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine wechselvolle Geschichte und Nutzung und ging dabei einem langsamen Niedergang entgegen. Nachdem Italien 1915 die Seiten gewechselt hatte, tobte südlich von Toblach bis November 1918 ein blutiger Gebirgskrieg. Das Hotel diente als Lazarett.
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 griff 1930 und 1931 auch auf den deutschsprachigen Raum über. Das Hotel Toblach wurde insolvent und es kam zu zahlreichen Eigentümerwechseln. Das Hotel beherbergte zeitweise den Dachverband der faschistischen Parteiorganisationen, später den kartographischen und geographischen Dienst des italienischen Heeres und das Päpstliche Hilfswerk. Für einen längeren Zeitraum war es Erholungsheim für Kinder aus bedürftigen Familien.

Kulturzentrum

Seit einer umfassenden Renovierung dient der Komplex seit 1999 als örtliches und regionales Kulturzentrum. Das Kulturzentrum Grand Hotel Toblach beherbergt die örtliche Musikschule und das „Naturparkhaus Drei Zinnen“[2] als frei zugängliche Dauerausstellung zum Naturpark Drei Zinnen.

Jährliche Veranstaltungen sind u. a. die Gustav-Mahler-Musikwochen, das Festival Dolomites und die Toblacher Gespräche.

Jugendherberge

In den Räumlichkeiten des historischen Grand Hotel Toblach befindet sich seit einigen Jahren auch eine Jugendherberge[3] mit insgesamt 69 Betten (34 Ein-, Zwei- und Mehrbettzimmer).[4]

Literatur

  • Hans Heiss: Grandhotel Toblach. Pionier des Tourismus in den Alpen = Grand Hotel Dobbiaco. All'avanguardia del turismo nelle Alpi. Folio-Verlag, Wien-Bozen 1999, ISBN 3-85256-130-2.
  • Desiree Vasko-Juhasz: Die Südbahn. Ihre Kurorte und Hotels (= Semmering Architektur 1). Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 3-205-77404-3.
  • Claus Conrad: Historismus für den Fremdenverkehr und altdeutsche Gemütlichkeit. In: Hannes Obermair, Stephanie Risse, Carlo Romeo (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung. Festschrift für Hans Heiss (= Cittadini innanzi tutto). Folio Verlag, Wien-Bozen 2012, ISBN 978-3-85256-618-4, S. 118–137.
Commons: Grand Hotel Toblach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Claus Conrad: Historismus für den Fremdenverkehr und altdeutsche Gemütlichkeit. In: Hannes Obermair, Stephanie Risse, Carlo Romeo (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung. Festschrift für Hans Heiss (= Cittadini innanzi tutto). Folio Verlag, Wien-Bozen 2012, ISBN 978-3-85256-618-4, S. 121–122.
  2. Naturparkhaus Drei Zinnen auf www.pustertal.org
  3. www.jugendherberge.bz
  4. Zimmer

Koordinaten: 46° 43′ 23,2″ N, 12° 13′ 32,4″ O