Grand Canyon des Stikine River
| Grand Canyon des Stikine River
Grand Canyon of the Stikine
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Der Grand Canyon des Stikine River nahe Telegraph Creek | |
| Lage | British Columbia, Kanada |
| Teil des | Tahltan Highland |
| Koordinaten | 58° 5′ N, 130° 44′ W |
| Typ | Canyon |
| Besonderheiten | entstanden durch den Stikine River |
Der Grand Canyon des Stikine River ist ein 72 km langer Abschnitt des Stikine River im Norden der kanadischen Provinz British Columbia.[1] Er wurde mit dem Grand Canyon des Colorado verglichen. Der Canyon ist die Heimat einer großen Population von Schneeziegen und anderen Wildtieren. Offiziell wird der Canyon als durch kein Wasserfahrzeug schiffbar beschrieben; es wurden jedoch seit dem ersten Versuch 1981 zahlreiche erfolgreiche Fahrten durch Wildwasser-Experten dokumentiert.[2][3] Seitdem gilt der Grand Canyon des Stikine unter diesen Wildwasserexperten als der 'Mt. Everest' des Wildwasser-Fahrens, an dem alle anderen befahrbaren Fließgewässer gemessen werden.
Beschreibung
Der Canyon beginnt in der Nähe des 130. westlichen Längengrades, südlich des Tsenaglode Lake. Die erste Straßenbrücke über den Stikine wurde in den 1970er Jahren als Teil des Stewart–Cassiar Highway gebaut. Die Brücke befindet sich genau oberhalb des Canyons. Im Gebiet von Telegraph Creek war schon früher eine Pfahlbrücke durch die Tahltan aus Kabeln und anderem Material errichtet worden, das durch die Bautrupps des Russisch-Amerikanischen Telegraphenprojektes in den 1860er Jahren zurückgelassen worden war. Der Canyon-Abschnitt endet an der Gemeinde Telegraph Creek.
Der Canyon ist steilwandig und wurde durch den Stikine River geschaffen, indem dieser sich durch viele Schichten von Sediment- und vulkanischen Gesteinen fräste. An einigen Stellen ist er 300 m tief. Die Breite des Stikine River variiert zwischen 200 und 2 m, letzteres nahe dem Punkt, an dem der Tanzilla River mündet;[2] unter den Kanuten ist dieser Punkt als „Tanzilla Slot“ bekannt. Er entstand 1836 durch einen heftigen Sturm. Gelegentlich wird der Ort auch aufgrund seiner Farbe und Größe als „The big red“ (dt. „das große Rote“) bezeichnet.
Planungen zur Wasserkraftnutzung
Die BC Hydro begann 1980, die Machbarkeit eines Projektes zu untersuchen, bei dem fünf Staudämme im Grand Canyon errichtet werden sollten, aber den Planungen widersetzten sich Naturschützer und indigene Gruppen vehement; es entspann sich ein langanhaltender Kampf um das Schicksal des Flusses.[4] Der Stikine River Provincial Park (früher Stikine River Provincial Recreation Area) wurde 2001 zum Schutz dieses Flussabschnitts gegründet; er hat eine Größe von 257.177 ha.[5]
Bootsfahrten
Der Grand Canyon des Stikine River wurde vom Kanuten Doug Ammons als „eine der herausforderndsten [Kajak-]Strecken, die auf diesem Planeten zu finden sind“ beschrieben.[3] Sein Wildwasser umfasst zahlreiche Stromschnellen, die nach der Internationalen Schwierigkeitsskala für Wildwasser mit V+ eingestuft werden. Der Canyon wird traditionell in fast jedem Herbst von den weltbesten Kajak-Abenteurern aufgesucht, um eine Fahrt auf dem Fluss zu versuchen. Man geht davon aus, dass eine komplette Tour normalerweise drei Tage in Anspruch nimmt, obwohl es einige wenige Kajakfahrer gibt, die es an einem Tag geschafft haben. Die ersten von diesen waren 2005 Daniel DeLaVergne, John Grace, Tommy Hilleke und Tobin MacDermott.[6]
Die meisten Anläufe zu den Abfahrten im Canyon werden im Frühherbst unternommen, wenn der Wasserstand niedrig ist. Zu dieser Zeit beträgt der Abfluss zwischen 113,27 und 368,12 m³ (4.000 ‒13.000 cft), wobei der Wasserspiegel an einem Tag um bis zu drei Meter (10 ft) schwanken kann. Auf einem Großteil der Strecke durch den Canyon machen es senkrechte Klippen schwierig bis unmöglich, herauszuklettern, wenn ein Ausstieg erforderlich sein sollte.[3] Wenn eine Klettertour aus dem Canyon heraus erfolgreich sein sollte, wird der Paddler vor die Aufgabe einer langen und schwierigen Wanderung durch die kanadische Wildnis gestellt, welche viele Stunden oder Tage dauern kann, bevor er eine Straße erreicht. Der Canyon wurde 1977 von dem US-amerikanischen Kajakfahrer Rob Lesser auf einer Reise nach Alaska besichtigt. Er flog mit einem Flugzeug darüber hinweg und erkannte viele Stromschnellen vom Schwierigkeitsgrad V. Lesser machte 1981, begleitet von John Wasson, Lars Holbek, Don Banducci und Rick Fernald seinen ersten Abfahrtsversuch, der von einem Helikopter und einem Filmteam von American Sportsman der ABC begleitet wurde. Das Team absolvierte 60 % der Canyon-Strecke, bevor das Filmteam, zufrieden mit seinen Aufnahmen, die Reise hinter Site Zed abbrach und den schwierigen unteren Abschnitt unbefahren ließ. Eines der Teammitglieder, John Wasson, fand in einer Stromschnelle, die heute Wasson's Hole heißt, beinahe den Tod.[3]
Lesser und Holbek unternahmen 1985 gemeinsam mit dem Kanuten Bob McDougall einen zweiten Versuch, den gesamten Canyon mit einem Kajak zu befahren. Das Kajak-Team wurde von einem Rafting-Team begleitet, dem sieben Weltklasse-Paddler (Joe Willie Jones, Mark Kosina, Beth Rypins, Peter Fox, Steve Ellsberg, Peggy Lindsay und Dan Bolster) angehörten. Diese Expedition wurde von einem britisch-kanadischen Filmteam gesponsort, das auch einen Helikopter für die Filmaufnahmen, die Beförderung und die Sicherung bereitstellte. Verzögerungen aufgrund wild steigender und fallender Wasserspiegel und die sorgfältige Erkundung zur Einschätzung der Stromschnellen kosteten die Beteiligten mehrere Tage mehr als geplant. Dies führte schließlich dazu, dass das Filmteam aufgrund der Kosten den Helikopter in den Lower Narrows abzogen. Das Rafting-Team ‒ mit der fehlenden Unterstützung durch den Helikopter konfrontiert ‒ wählte einen Landweg um den Abschnitt des Canyons heraum, der die berüchtigten Stromschnellen enthält und heutzutage als „V-Drive“ bekannt ist, bevor sie den Fluss am Tanzilla Slot wieder befuhren, der das Ende des Canyons markiert. Bis Januar 2016 hatte kein anderes konventionelles Rafting-Team so einen langen Abschnitt des Canyons befahren. Die Kajakfahrer Lesser, Holbek und McDougall setzten den Weg durch den V-Drive fort und bezwangen den letzten Abschnitt und damit erstmals den kompletten Canyon mit Ausnahme der Stromschnellen an Site Zed. Der Film über die Fahrt trägt den Titel „Hölle und Hochwasser“ (engl. „Hell and High Water“).[7][8]
Der komplette Flusslauf wurde erstmals 1990 ohne Unterstützung durch einen Helikopter befahren. Rob Lesser kehrte zurück, um eine Gruppe für die erste eigenständige Tour zu leiten. Vier Tage danach beendeten Phil DeReimer, Hayden Glatte und Bryan Tooley die zweite Tour dieser Art. Ihre Fahrt stellte die erste ohne Lesser und sein umfassendes Wissen dar und außerdem den Test, dass es möglich sein kann, ohne vorherige Inspektion per Helikopter den Fluss vollständig zu befahren.
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Grand Canyon of the Stikine. In: BC Geographical Names (englisch).
- ↑ a b Stikine River Provincial Park. British Columbia Ministry of Environment, abgerufen am 16. Oktober 2009 (englisch).
- ↑ a b c d Doug Ammons: A Short History of the Grand Canyon of the Stikine. Archiviert vom am 28. März 2009; abgerufen am 15. Oktober 2009 (englisch).
- ↑ Stikine River Provincial Park. BC Spaces for Nature, abgerufen am 14. Januar 2009 (englisch).
- ↑ Stikine River Park. In: BC Geographical Names (englisch).
- ↑ Adventurers of the Year 2005. In: National Geographic Adventurer. National Geographic, 25. April 2016, abgerufen am 29. September 2020 (englisch).
- ↑ 30 Years: Grand Canyon of the Stikine - Canoe & Kayak. Archiviert vom am 6. Oktober 2014; abgerufen am 30. September 2014 (englisch).
- ↑ Grand Canyon of the Stikine River 1985 ( vom 29. November 2016 im Internet Archive)