Grafschaft Rieneck


Territorium im Heiligen Römischen Reich
Grafschaft Rieneck
Wappen
Herrschaftsform Grafschaft
Herrscher/
Regierung
Graf
Heutige Region/en DE-BY
Reichskreis Fränkisch
Hauptstädte/
Residenzen
Burg Rieneck, dann Burg Rothenfels, dann das Lohrer Schloss
Dynastien Grafen von Rieneck
Konfession/
Religionen
katholisch
Sprache/n Deutsch
Aufgegangen in seit 1559 Kurmainzer Lehen, 1815 an Bayern

Die Grafschaft Rieneck war im Mittelalter ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches im heutigen Unterfranken und Hessen, das sich im Besitz der Grafen von Rieneck befand. Es sollte nicht mit der Burggrafschaft Rheineck verwechselt werden.

Geschichte

Die Zeit zwischen 1156/57 und der Reformation

Vor 1156/57 wählte Graf Ludwig I. von Loon den Ort Rieneck zum Mittelpunkt seiner Herrschaft, die schon bald als Grafschaft Rieneck bezeichnet wurde. Die Burg Rieneck war eine wichtige Befestigungsanlage in Kurmainz. Ab wann der Sitz der Grafschaft Rieneck von Rieneck nach Lohr am Main wechselte, wusste man bisher nicht. Vieles spricht jedoch dafür, dass der Sitz erst von Rieneck nach Rothenfels wechselte, und dann erst nach Lohr.

1243 wurde das mittelalterliche Karlburg bei der Rienecker-Fehde von den Grafen verwüstet, archäologisch bestätigt. Die Schäden von 100 Mark Silber mussten die Rienecker an den Bischof von Würzburg zahlen. Ob das Kloster Karlburg bei der Rienecker Fehde zerstört wurde, kann bezweifelt werden, wenn es auch, naturgemäß, nicht absolut ausgeschlossen werden kann. Spätere urkundliche Erwähnungen des Klosters sind nicht bekannt.

Auch im Jahr 1243 wurde die Burg Rothenfels von den Grafen von Rieneck durch Einheirat dazugewonnen. Die Burg Rothenfels wurde 1150 von den Edelfreien von Grumbach gebaut. Als Albert II. von Grumbach 1243 als letzter Mann der Edelfreien von Grumbach starb, kam die Burg Rothenfels am Main über seine Tochter Udelhilt, an deren Ehemann Graf Ludwig III. von Rieneck. Eine Macht- und Gebietserweiterung durch geschickte Einheirat der Grafen von Rieneck.[1] Lehensgeber für die Burg Rothenfels war jetzt nicht mehr das Kloster Neustadt am Main. Das Bistum Würzburg ignorierte die Rechte vom Kloster Neustadt am Main und wurde Lehensgeber. Als Klostervögte für Neustadt, agierten jetzt die Grafen von Rieneck-Rothenfels.

Daraufhin wurde um 1250 in Rothenfels der Ostturm als Wohnturm (Donjon) gebaut.[2] Die Grafen von Rieneck-Rothenfels, in Person Ludwig III., leiteten ihre Herkunft vom Schwanenritter Lohengrin ab, und manifestierten dies ab 1257/58 mit der Aufnahme eines stehenden Schwans als Helmzier. Erst nach dem Aussterben der Rothenfelser Linie am 3. Juli 1333, ging der Schwan auf das Gesamtgeschlecht über.

Am 29. Juli 1333, erhielten dann die Grafen von Rieneck für ihre „Stat zu obern Lore“, vom Wittelsbacher Kaiser Ludwig IV. dem Bayern, das Gelnhäuser Stadtrecht.[3] Eigentlich ein Trostpflaster, weil der Kaiser den Grafen in ihrem Erbstreit nicht helfen konnte. Der Hauptsitz der Grafen von Rieneck wechselte von Rothenfels nach Lohr. Nach 1333, wurde dann erst der Wohnturm in Lohr, an der Stelle des späteren Lohrer Schlosses, um 1340 von Graf Gerhard V. gebaut.[4] Auch die Lohrer Stadtbefestigung wurde, laut dem BLfD, im 14. und 15. Jahrhundert mit Bruchsteinmauerwerk angelegt.

Am Ende des 13. Jahrhunderts gehörten zur Grafschaft ein Großteil des Spessarts, Teile des Maindreiecks, die „fränkische Platte“ östlich des Mainvierecks, der Raum um Grünsfeld sowie Streubesitz von der Nahe bis zum Steigerwald. Bis 1271 gehörte Steinau an der Straße zur Grafschaft. Die Auseinandersetzung zwischen den Mainzer Erzbischöfen und den Grafen von Rieneck um die Macht im westlichen Spessart endete in besagtem Jahr 1271 mit einem Sieg des Mainzer Erzbischofs Werner von Eppstein. Die Grafen von Rieneck mussten klein beigeben und 1200 Mark Silber Buße an Mainz zahlen. Teil des Friedensschlusses war, dass Gräfin Elisabeth von Rieneck mit reicher Aussteuer, wozu die Stadt Steinau an der Straße gehörte, Ulrich I. von Hanau, einem Verbündeten des Mainzer Erzbischofs, verheiratet wurde.[5] Die Grafschaft Rieneck wurde 1366 Mainzer Lehen. Zu den Gefolgsleuten oder Vasallen der Rienecker Grafen gehörten unter anderem verschiedene Voyt von Rieneck[6] im 15. und 16. Jahrhundert.

Zeit der Reformation und Aussterben des Grafengeschlechts

Martin Luther und Philipp Melanchthon empfahlen Johann Konrad Ulmer dem Grafen Philipp von Rieneck zur Einführung der Reformation in seinem Gebiet. Dazu wurde er am 28. November 1543 von Johannes Bugenhagen in Wittenberg ordiniert. Als Hofprediger des Grafen in Lohr hatte er eine weitreichende Wirksamkeit. Unter seiner Predigttätigkeit ging die Stadt und danach die ganze Grafschaft 1544 gewaltlos zur Reformation über.

Graf Philipp III. von Rieneck arbeitete in der Frage der Reformation und auch wohl sonst eng mit Graf Philipp III. von Hanau-Münzenberg (1526–1561) zusammen. Als absehbar war, dass der Rienecker Graf ohne männliche Erben sterben würde, bat er Kaiser Karl V. um die Eventualübertragung der Lehen an Hanau, was der Kaiser auch gewährte. Dieser dankte jedoch noch im gleichen Jahr ab und sein Nachfolger König Ferdinand I. konnte die Bestätigung nicht vornehmen, da eine entsprechende Urkunde fehlte. Graf Philipp III. von Rieneck starb als letztes männliches Mitglied seiner Familie am 3. September 1559. Graf Philipp III. von Hanau-Münzenberg konnte seine Erbansprüche nicht durchsetzen, so dass die Lehen an Kurmainz und das Hochstift Würzburg zurückfielen.[7] Lohr war von da an Verwaltungssitz der mainzischen Herrschaft Rieneck. Jedoch übernahm Philipp III. von Hanau-Münzenberg das Wappen der Rienecker[8] und deren Namen in seine Titulatur.

Um das Erbe wurde jedoch weiter gestritten, so dass schließlich ein Kondominat gebildet wurde, das zu ¾ Kurmainz und zu ¼ Hanau-Münzenberg zustand. Der Mainzer Anteil wurde 1673 von Johann Hartwig Graf von Nostitz gekauft. Dieser Anteil wurde 1803 an die böhmischen Grafen von Colloredo und Mansfeld veräußert, die so den Aufstieg in die Reichsunmittelbarkeit erreichten.

1815 kam Rieneck komplett an Bayern.

Siehe auch

Literatur

  • Theodor Ruf: Rieneck, Grafschaft, in: Historisches Lexikon Bayerns, 2017
  • Otto Schecher: Die Grafen von Rieneck. Studien zur Geschichte eines mittelalterlichen Hochadelsgeschlechtes in Franken. Dissertation Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg, Schreibsatz und Offsettdruck Gugel, Lohr am Main 1963.

Einzelnachweise

  1. Wie schon vorher in Grünsfeld im Jahr 1213 (zwischen Bütthard und Tauberbischofsheim gelegen) durch Graf Gerhard IV. mit Adelheid von Hohenlohe-Brauneck.
  2. siehe https://www.burg-rothenfels.de/auf-der-burg/geschichte/
  3. Auch Wertheim und Freudenberg erhielten 1333 das Stadtrecht vom Kaiser.
  4. Ob die Grafen von Rieneck in Lohr einen älteren Wohnturm oder eine Burg bauten, wie Gerrit Himmelsbach bei seinem Vortrag im April 2023 in Lohr in den Raum warf, darf stark angezweifelt werden. Archäologisch und urkundlich gibt es keine Zeugnisse für einen früheren Wohnturm in Lohr. Und auch nicht für eine Burg in Lohr. Laut T. Ruf steht in einer Urkunde von 1281: Graf Ludwig von Rieneck ließ die geraubten Gegenstände aus dem Kloster Neustadt in die Burgen Rothenfels und Rieneck bringen.
  5. Theodor Ruf: Hanau und Rieneck. Über das wechselhafte Verhältnis zweier benachbarter Adelsgeschlechter im Mittelalter. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte, 8. Bd., Nr. 6, S. 300–311 (304).
  6. Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Selbstverlag Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 76 und 118 (Die Voyte von Rieneck).
  7. Theodor Ruf: Hanau und Rieneck. Über das wechselhafte Verhältnis zweier benachbarter Adelsgeschlechter im Mittelalter. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte. Bd. 8, Nr. 6, 1986, ZDB-ID 535233-2, S. 300–311, hier S. 308.
  8. Jedoch schon 1272 erscheint der Schwan bei den einheiratenden Herren von Hanau.