Grace Blakeley

Grace Blakeley (* 26. Juni 1993 in Basingstoke) ist eine britische Ökonomin, Autorin und politische Kommentatorin.

Leben

Blakeley wurde in eine politisch aktive Familie in Basingstoke, England, geboren.[1] Ihre Eltern waren Teil der Solidaritätskampagne für Nicaragua, und ihre Kindheit war von politischen Diskussionen und frühen Einblicken in marxistische Theorien geprägt.[1] Sie besuchte das Lord Wandsworth College und später das Sixth Form College in Farnborough.[2] Anschließend studierte sie Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften am St. Peter’s College der Universität Oxford, gefolgt von einem Masterstudium in Afrikanischen Studien am St. Antony’s College, ebenfalls in Oxford.[1]

Wirken

Blakeleys Arbeit setzt sich kritisch mit dem Kapitalismus auseinander und unterstützt sozialistische Ansätze.[3] Sie gelangte zur Überzeugung, dass der Kapitalismus schwerwiegende soziale und ökologische Probleme verursacht.[3] Sie veröffentlichte mehrere Bücher, darunter Stolen: How to Save the World from Financialisation und Vulture Capitalism: Corporate Crimes, Backdoor Bailouts & the Death of Freedom, die sich mit den Auswirkungen der Finanzialisierung und der Macht multinationaler Unternehmen auseinandersetzen.[3][4] Blakeley ist zudem als Redakteurin beim Tribune Magazine tätig und tritt regelmäßig in politischen Fernsehsendungen auf, wo sie ihre Ansichten teilt und für progressive politische Veränderungen eintritt.[2][4] Ihre Arbeit findet breite Anerkennung und hat Diskussionen sowohl in akademischen Kreisen als auch in der Öffentlichkeit angeregt.[4]

Im Oktober 2024 gehörte Blakeley zu den Unterzeichnern eines Aufrufs zum Boykott israelischer Kulturinstitutionen, „die an der überwältigenden Unterdrückung der Palästinenser mitschuldig sind oder diese stillschweigend beobachtet haben“.[5][6]

Blakeley beschreibt sich selbst als demokratische Sozialistin und sieht sich in der marxistischen Tradition, in deren Mittelpunkt die menschliche Freiheit stehe.[7] Sie kritisiert sowohl die zentralisierte Planwirtschaft sozialistischer Staaten als auch die Planung im Kapitalismus, die durch private Interessen geprägt sei und von mächtigen Eliten dominiert werde.[7] Blakeley argumentiert, dass der Kapitalismus entgegen weitverbreiteter Annahmen keine freien Märkte schaffe, sondern von monopolistischen Unternehmen wie Google und Amazon durch das Setzen ihrer eigener Marktbedingungen bestimmt werde.[7] Aus ihrer Sicht sind politische Entscheidungen häufig auf die Interessen finanzstarker Akteure ausgerichtet und gehen auf Kosten der allgemeinen Bevölkerung.[7] Blakeley ruft zum Aufbau einer gerechteren Gesellschaft von unten dazu auf, sich aktiv politisch zu organisieren, etwa in Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und Kooperativen.[7]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Stolen. How to Save the World from Financialisation. Repeater Books, London 2019, ISBN 978-1-912248-37-7.
    • Stolen. So retten wir die Welt vor dem Finanzkapitalismus. Brumaire, Berlin 2021, ISBN 978-3-948608-20-0.
  • (Hrsg.): Futures of Socialism. The Pandemic and the Post-Corbyn Era. Verso, London 2020, ISBN 978-1-83976-133-1.
  • The Corona Crash. How the Pandemic Will Change Capitalism. Verso, London 2020, ISBN 978-1-83976-205-5.
  • Vulture Capitalism. Corporate Crimes, Backdoor Bailouts and the Death of Freedom. Astria Books, New York 2024, ISBN 978-1-5266-3810-6.
    • Die Geburt der Freiheit aus dem Geist des Sozialismus. Wie das Kapital die Demokratie zerstört. Tropen, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-608-50274-9.

Einzelnachweise

  1. a b c Condé Nast: Grace Blakeley Wants You to Forget Everything You Think You Know About Capitalism. In: vogue.com. 7. April 2024, abgerufen am 2. August 2024 (englisch).
  2. a b Gazette Reporter: Famous people from Basingstoke. In: basingstokegazette.co.uk. 29. Juni 2020, abgerufen am 2. August 2024 (englisch).
  3. a b c Interview von Patricia Friedek: Kapitalismus und millennial socialism: Interview mit der jungen Ökonomin Grace Blakeley - Politik. In: jetzt.de. 12. Dezember 2019, abgerufen am 2. August 2024.
  4. a b c Patrick Kaczmarczyk: Grace Blakeley: „Das Hauptziel von Keir Starmer ist, die Linke zu zerschlagen“ — der Freitag. In: freitag.de. 28. Juli 2024, abgerufen am 2. August 2024.
  5. Alexandra Alter: Authors Call for a Boycott of Israeli Cultural Institutions. In: nytimes.com. The New York Times Company, 31. Oktober 2024, abgerufen am 1. November 2024 (englisch).
  6. Dan Sheehan: Hundreds of Authors Pledge to Boycott Israeli Cultural Institutions. In: Literary Hub. 28. Oktober 2024, abgerufen am 1. November 2024 (amerikanisches Englisch).
  7. a b c d e Rosa Budde, Ulrich Gutmair: Gespräch über Planung im Kapitalismus: „Niemand wird kommen, um uns zu retten“. In: Die Tageszeitung: taz. 18. April 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 19. April 2025]).