Grünhaus (Finsterwalde)

Grünhaus war eine Kolonie etwa 10 km südlich von Finsterwalde im heutigen Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg. Sie wurde im Jahr 1975 für den Tagebau Kleinleipisch abgebrochen.

Geschichte

Grünhaus wird erstmals urkundlich im Jahr 1594 als Vorwerk erwähnt. Es gehörte zur Herrschaft, später zum landesherrlichen Amt bzw. Rentamt Finsterwalde. Bereits im 15. Jahrhundert gab es dort mehrere Dörfer (Langendorf, Sorge und Wergen), die 1429 als „Wüstungen“ genannt und im Verlauf der Hussitenkriege zerstört worden waren.[1]

Im Jahr 1620 wird eine Pechhütte bei Grünhaus erwähnt. 1663 entstanden die ersten Häuser, die später als Kolonie bezeichnet wurden.

Im Jahr 1740 ließ Kurfürst Friedrich August II. (später als August III. König von Polen) für seine Auerhahnjagden das Jagdschloss „Grünes Palais“ errichten. In diesem Zusammenhang wurden auch Balzplätze angelegt. Der Kurfürst übte die Jagd jedoch nur selten aus. 1744 wurde in seinem Auftrag eine Floßgrabenbrücke erbaut.[2]

Die Försterei wurde im Jahr 1800 zur Oberförsterei erhoben.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Auerhahnjagd im Grünhauser Revier eine Blütezeit durch Angehörige und Gäste des preußischen Königshauses. Als prominentester Gast gilt Napoleon III., der 1865 angeblich inkognito an einer Jagd teilnahm.[3]

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Grünhaus mit der Gastwirtschaft „Waldschlößchen“ (seit 1928 „Zum Auerhahn“) zu einem beliebten Ausflugsziel für die Bevölkerung von Finsterwalde und Umgebung.

Im Jahr 1929 wurde Grünhaus der Stadt Finsterwalde eingemeindet. Kirchlich war der Ort nach Nehesdorf eingepfarrt.

Einwohner

1818 1846 1871 1900 1925 1965 1974
22 Einwohner 25 Einwohner 25 Einwohner 17 Einwohner 19 Einwohner 65 Einwohner 50 Einwohner
4 Feuerstellen 15 Wohnhäuser 20 Familien

Heutige Lage und Gedenkstein

Nach der Inanspruchnahme durch den Tagebau Kleinleipisch wurde die ehemalige Lage von Grünhaus renaturiert. Im Bereich der Tagebaue Kleinleipisch und Klettwitz wurde nach deren Stilllegung im Jahr 1991 das Naturparadies Grünhaus angelegt, dessen Name die untergegangene Kolonie in Erinnerung hält.

An der Stelle der ehemaligen Siedlung wurde zu Beginn der 1990er-Jahren ein Findling aufgestellt. Er trägt die Inschrift: „Hier stand bis 1975 das Dorf Grünhaus“.[4] Der Stein befindet sich nahe der Verbindung zwischen dem Grünhauser See-West und dem Grünhauser See-Ost (51° 32′ 43,5″ N, 13° 43′ 0,7″ O). Die Fläche musste aufgrund ausstehender Nachsanierungsarbeiten als bergbauliches Sperrgebiet ausgewiesen werden, sodass der Findling mit Stand September 2025 noch nicht wieder zugänglich ist.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Archiv verschwundener Orte: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung, Horno 2010, S. 206–207.
  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 105f.
  • Rainer Aurig, Günter Barth, Frank Hauser, Heinz Kuhle, V. Pedro, Hans-Jürgen Petrick, Klaus Richter, Christine Rothe, Manfred Rothe, Torsten Töpfer, Paul Troschke, Christa Unkenstein, Hans-Dieter Unkenstein, Heinz Windisch: Erinnerungsschrift Grünhaus. Finsterwalde 1994.

Einzelnachweise

  1. Grünhaus. In: Archiv verschwundener Orte (Hrsg.): Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 206.
  2. Grünhaus. In: Archiv verschwundener Orte (Hrsg.): Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 207.
  3. Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage. Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 106.
  4. Archiv verschwundener Orte: Erinnerungsorte: Gedenkstein für Grünhaus. Abgerufen am 25. September 2025.
  5. Torsten Richter: Heimat, die bleibt. Ortserinnerungsstätten in der Lausitz. Regia-Verlag, Cottbus 2013, S. 95.