Grüner Hundskopfschlinger
| Grüner Hundskopfschlinger | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Grüner Hundskopfschlinger (Corallus caninus) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Corallus caninus | ||||||||||||
| (Linnaeus, 1758) |
Die Grüne Hundskopfboa (Corallus caninus), auch Hundskopfschlinger oder Grüner Hundskopfschlinger, ist eine baumbewohnende Schlange mit Verbreitungsgebiet in Südamerika aus der Familie der Boas (Boidae). Carl von Linné beschrieb die Art unter dem Namen Boa canina, der Artzusatz caninus kommt aus dem lateinischen, bedeutet „hundeartig“ und bezieht sich vermutlich auf das hundeähnliche Aussehen des Kopfes mit den langen vorderen Oberkieferzähnen.[1]
Beschreibung
Diese Art hat einen seitlich abgeflachten Körper und einen sehr großen Kopf der an einem relativ schlanken[2] Hals sitzt. Die Schlange ist von kräftiger grüner Grundfärbung mit weißen unregelmäßigen Flecken und Binden am Rücken, gelegentlich auch einheitlich grün ohne Zeichnung[3]. Am Bauch variiert die Farbe von beige bis schmutzig gelb bei Jungtieren und cremefarben, gebrochen weiß oder verschiedenen Gelbtönen (von schmutzig gelb bis leuchtend gelb) bei adulten Tieren. In der Regel ist die Bauchseite einfarbig, bei adulten Tieren gelegentlich mit grünen Flecken.[1] Auch ihre Augen haben eine grünliche Färbung. Neugeborene Jungtiere sind rot-orange, selten grün und zeigen ebenfalls helle Markierungen.[3] Eine Umfärbung bedarf mehrerer Häutungen, dabei entstehen zunächst grüne Flecken, die nach und nach die Jugendfarbe verdrängen.
Die Länge wird mit 200–300 cm angegeben. Der Holotypus hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 129 cm, 66 Rückenschuppenreihen in der Körpermitte und 203 Bauchschuppen.[4] Henderson nennt eine Länge von mindestens 153 cm, 60 bis 84 Rückenschuppenreihen, 186 bis 218 Bauchschuppen und 62 bis 84 Subcaudalia. Die Nasenschilde berühren sich gewöhnlich.[1] Alle Corallus-Arten besitzen auffällige große Sinnesgruben an Ober- und Unterlippe (Labialgruben), mit denen bei Dunkelheit Warmblüter lokalisiert werden können. Die Grüne Hundskopfboa hat lange, nach hinten gebogene Zähne am vorderen Teil von Ober- und Unterkiefer, die dem Halten der Beute dienen und verhindern, dass diese zu Boden fällt.[2] Der kräftige, zum Greifen geeignete[1] Schwanz hilft ihr bei der fast lautlosen Bewegung durch das Kronendach der Bäume.
Nach Henderson (1993) gibt es keinen zählbaren (meristischen) Sexualdimorphismus, nach Pizzatto und Marquea (2007) werden die Weibchen signifikant größer. Die relative Schwanzlänge ist bei den baumbewohnenden Corallus-Arten bei beiden Geschlechtern gleich.[5] Der Hemipenis der Männchen ist leicht gegabelt und reicht bis zur neunten Subcaudale, die Gabelung beginnt bei der siebten, der Sulcus spermaticus teilt sich bei der sechsten Subcaudale. Das erste, basale Drittel ist ohne Stacheln, mit ausgeprägten Sulcusfalten die bis zu den Spitzen der kurzen Äste reichen.[1]
Verbreitung und Lebensraum
Zusammen mit der weitgehend sympatrisch vorkommenden Hundskopfboa (Corallus hortulanus) ist die Grüne Hundskopfboa von allen Arten der Gattung am weitesten verbreitet. Sie kommt im ganzen Gebiet der Guyanas, in weiten Teilen des Amazonasbeckens und in Gebieten westlich der Anden, im Nordwesten Kolumbiens vor. Bewohnt wird weitgehend Tiefland-Regenwald, aber auch die bewaldeten Cerrado und Galeriewälder in zugehörigen saisonal überfluteten Graslandschaften. Sie lebt in Höhen vom Meeresspiegel bis in Höhen von 1000 Metern in Peru.[4]
Lebensweise
Die nachtaktive Grüne Hundskopfboa ist sehr eng an das Leben in Bäumen angepasst[4], so werden als Ruheplätze dicht von Laub umgebene Astgabeln bevorzugt. Dabei wird der Körper typischerweise in Schlingen über den Ast gelegt und der Kopf ruht auf dem Körper. Damit ist die Schlange fast unsichtbar. Wenn Gefahr droht, wird sie sehr aggressiv und beißt zu. Ihr Biss ist nicht giftig.
Beobachtungen im Freiland deuten stark darauf hin, dass die Grüne Hundskopfboa ein Lauerjäger ist. In Bodennähe warte sie mit nach unten geneigtem Kopf auf vorbeikommende Beute. Die Hauptnahrung besteht hauptsächlich aus Nagetieren wie zum Beispiel Reisratten (Oecomys), aber auch aus Opossums und Eidechsen. Trotz zahlreicher Hinweise auf Vögel als Nahrung konnten Untersuchungen des Mageninhaltes diese Annahme nicht stützen.[2] Sie erlegt ihre Beute mit ihrem kräftigen Biss und verschlingt sie anschließend im Ganzen.
Fortpflanzung
Das Weibchen bringt pro Wurf 3 bis 15[5] lebende Junge zur Welt. Diese sind sofort nach der Geburt selbständig. Nach Beobachtungen in Freiland- und Laborkäfigen waren die Jungen mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 360 bis 390 mm orange, rötlich oder gelb gefärbt, das längste mit dieser Färbung war 525 mm lang. Danach werden die Jungen grün.[5] Zum Schutz vor Fressfeinden verstecken sie sich im Blattwerk der Bäume.
Gefährdung und Schutzmaßnahmen
Obwohl diese Tiere illegal für den internationalen Tierhandel gefangen werden, ist diese Art noch recht weit verbreitet und wird von der IUCN in der Kategorie (Least Concern) nicht gefährdet gelistet – der Eintrag bedarf allerdings einer Aktualisierung. In Guyana und Venezuela gelten Fang- und Handelsbeschränkungen zum Schutz dieser Art. Sie ist im CITES Anhang II gelistet und kommt im Nationalpark Canaima und möglicherweise in weiteren Schutzgebieten in Venezuela vor.[6]
Literatur
- Jiří Felix (Hrsg.), Alena Čepická: Tierwelt Amerikas in Farbe. Aus dem Tschechischen von Jaroslav Konšal. Karl Müller Verlag, Erlangen 1989, Buch-Nr. 1/12/05/52-03, S. 81.
- David Burnie (Hrsg.), Mariele Radmacher-Martens: Tiere: Die große Bild-Enzyklopädie mit über 2.000 Arten. Aus dem Englischen von Gabriele Lehari. Dorling Kindersley, München 2012, ISBN 978-3-8310-2232-8, S. 390.
- Wilhelm Eigener (Hrsg.), Erna Mohr: Enzyklopädie der Tiere. Band 1, Weltbild, Augsburg 1991, ISBN 978-3-89350-360-5, S. 263.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e R. W. Henderson (1993): Corallus caninus In: Catalogue of American Amphibians and Reptiles. S. 574.1–574.4. (Online)
- ↑ a b c Robert W. Henderson (2005): The Emerald Puzzle: Geographic Variation in Corallus caninus. In: Iguana, Vol. 12. Nr. 1, S. 2–7. (Online)
- ↑ a b Corallus caninus In: The Reptile Database
- ↑ a b c Robert W. Henderson, Paulo Passos, Darlan Feitosa (2009): Geographic Variation in the Emerald Treeboa, Corallus caninus (Squamata: Boidae). In: Copeia, Nr. 3, S- 572–582. (Online)
- ↑ a b c Ligia Pizzatto, Otavio A. V. Marquea (2007): Reproductive ecology of Boinae snakes with emphasis on Brazilian species and a comparison to Pythons. In: South American Journal of Herpetology 2(2), S. 107–122. (Online)
- ↑ Corallus caninus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: Oubotar, P., Schargel, W. & Rivas, G., 2014. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
Weblinks
- Corallus caninus In: The Reptile Database
- Corallus caninus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: Oubotar, P., Schargel, W. & Rivas, G., 2014. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
- Bilder und Vergleich zu Corallus batesi auf www.corallus.de