Grüneismühle
Koordinaten: 51° 3′ 48″ N, 9° 31′ 4″ O
Die Grüneismühle ist eine Gehöftgruppe, bestehend aus einer ehemaligen Wassermühle („Grüneismühle“) und einem landwirtschaftlichen Hof („Grüneishof“), in der Gemarkung von Beiseförth, einem Ortsteil der Gemeinde Malsfeld im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Sie liegt etwa 2,5 km südsüdwestlich von Beiseförth am Südende der Gemarkung auf 211 m Höhe beiderseits der Beise. Die Kreisstraße K 29 von Beiseförth nach Niederbeisheim führt westlich vorbei.
Die Mühle
Verwaltungszugehörigkeit
Die Grüneismühle, auf dem linken, westlichen Ufer der Beise, gehört zu den ältesten Mühlen im Beisetal; sie geht vermutlich auf eine mittelalterliche Waldschmiede zurück. Ihre schriftliche Ersterwähnung erfolgte 1432.[1] Zu dieser Zeit gehörte sie zum landgräflich-hessischen Hintergericht und dem Amt Homberg. Ihre geographische Lage im Dreiämtereck Homberg/Melsungen/Spangenberg bewirkte danach einen mehrfachen Wechsel ihrer Gerichts- und Amtszugehörigkeit. 1473 war sie Teil des Amts Melsungen, 1513 des Amts Spangenberg. Im Jahre 1614 wurde sie noch einmal als dem Amt Homberg zugehörig bezeichnet, was aber wohl nur ein kurzes Zwischenspiel war, denn abgesehen davon – und dem kurzen Zeitabschnitt des napoleonischen Königreichs Westphalen, als sie zum Kanton Neumorschen im Distrikt Hersfeld gehörte – verblieb sie bis zur kurhessischen Verwaltungsreform im Jahre 1821 beim Amt Spangenberg.[2] Dann kam sie zum Kreis Melsungen. Dieser ging im Zuge der hessischen Kreisreform am 1. Januar 1974 im neuen Schwalm-Eder-Kreis auf.
Mühlengeschichte
Der erste namentlich bekannte Müller war der 1540 erwähnte Clauß Reyneck, der die Mühle als hessisches Lehen innehatte und dafür acht Gulden Weinkauf (also Hofübernahmegebühr) zu zahlen hatte. Seine jährlich zu entrichtenden Verpflichtungen bestanden aus 10 Vierteln[3] Korn, einem Viertel Weizen und einem fett zu machenden Schwein, alles auf Schloss Spangenberg zu liefern.[4] Da drei der zur Mühle gehörenden herrschaftlichen Äcker in der Gemarkung von Niederbeisheim und somit im Bereich des Amts Homberg lagen, musste er jährlich auch 22 Albus nach Homberg zahlen. Auf Clauß Reyneck folgte Heintze Reinecke, wohl sein Sohn, der 1574 als Inhaber der Mühle bezeugt ist. In der Folgezeit kaufte sich die Mühle offenbar frei und ging in Privatbesitz über: Jacob Bachmann zahlte 1200 Taler für die Mühle, und als er sie 1594 seinem Schwiegersohn Jacob Ackermann übergab, wurde kein Weinkauf mehr hinterlegt. Ackermann, der noch 1609 als Besitzer genannt ist, musste nur noch 10 Viertel Korn, ½ Viertel Weizen und 100 Eier jedes Jahr als Mühlzins an die Renterei in Spangenberg liefern, dazu nach Homberg 1 Taler und zwei Hähne für Lehnsland und ein fett zu machendes Schwein.[5] Fünf Dörfer der Umgebung waren an die Mühle gebannt. Hans Holto wird 1623 als Eigentümer genannt; er zinste u. a. einen Gulden und 19 Albus für Äcker in der Gemarkung Dagobertshausen an die Renterei in Melsungen. Auf ihn folgte eine Familie Seibert: Johannes Seibert wird 1634 erwähnt, 1660 und 1676 der „Müllersohn“ Jacob Seibert, 1690 ein Johann Seibert, und 1693 die vier Brüder Heinrich, Jacob, Johann und Paul Seibert.
1703 ist Jacob Strickert als „Molitor“ (= Müller) in der Grüneismühle bekundet. 1756 erweiterte Johann Henrich Apel den Betrieb um eine Schneidmühle. Ein Jahr darauf ließ er das heutige Wohnhaus erbauen, 1766 das große Wirtschaftsgebäude. Eine Beschreibung der Mühle aus dem Jahr 1769 erwähnt ein Haus und eine Hofreite oberhalb der eigentlichen Mühle, die zwei Mahlgänge, einen Schlaggang und einen Schneidegang hatte. Eine spätere Beschreibung wohl noch aus dem gleichen Jahrhundert nennt neben der Mühle mit zwei Mahlgängen, einem Ölgang, einem Graupengang und einem Schneidegang das Wohnhaus mit Anbau, eine Scheune, ein Stallgebäude, einen Schweinestall, einen Holzstall, ein Backhaus und ein Waschhaus.[6] Georg Heinrich Apel übernahm den Betrieb im Jahre 1798 von seinem Vater. Er erbaute 1805 das Kellerhäuschen zwischen dem Wirtschaftsgebäude und der Straße.
1828 heiratete Justus Koch, Sohn des Müllers auf der Roten Mühle (Untere Largesmühle) in Niederbeisheim, in die Grüneismühle ein. Nach seinem Tod 1837 führte seine Witwe Susanne den Betrieb kurzzeitig selbst weiter, bis sie 1838 Wilhelm Zilch heiratete. Dieser kaufte 1842 einige Gebäude und Ländereien von der bachabwärts gelegenen Papiermühle. Sein Sohn Johann Georg Zilch wird im Juli 1860 als Besitzer der Mühle beurkundet. Er war ambitioniert und wurde 1871 Geschäftspartner von Ernst Friedrich Kaufmann, dem Besitzer der Beiseförther Rocken- und Weizenmühle, mit dem er die „E. F. Kaufmann und Co., Mühlenwerke Beiseförth“ gründete. Noch 1876 ließ er das 4,50 m hohe oberschlächtige Wasserrad erneuern, aber bereits 1877 verkaufte er die Mühle an Reinhard Siebert, den Besitzer des gegenüber gelegenen und 1747 erstmals als separater Komplex genannten Grüneishofs.[7] Im März 1878 trat er auch aus den Mühlenwerken Beiseförth wieder aus. Reinhard Siebert starb 1898 und vererbte die Mühle seinem Sohn Heinrich, den Hof seiner Tochter Renate. Heinrich Siebert ließ 1903 einen Walzenstuhl in die Mühle einbauen, starb aber bereits 1906 bei einem Unfall mit seinem Jagdgewehr. Seine Witwe heiratete Simon Wiederrecht, der eine Anzahl technischer Neuerungen einführte, insbesondere 1915 eine 14-PS-Turbine und 1918 einen Dynamo, womit Elektrizität auf dem Anwesen eingeführt werden konnte. Die Mühle besaß nun einen Walzenstuhl, einen Mahlgang, einen Schrotgang, eine Kreissäge und eine Futtermaschine und verarbeitete durchschnittlich 1,5 – 2 Tonnen pro Tag.
Wiederrechts Schwiegersohn Emil Spengler übernahm die weiterhin gut ausgelastete Mühle 1930. In den 1950er Jahren nahm die Rentabilität jedoch zunächst langsam, dann immer schneller ab, und schon 1958 war die Mühle nur noch knapp zur Hälfte ausgelastet. Da weitere Reparaturen und Investitionen sich nicht mehr lohnten, legte Spengler die Mühle schließlich 1964 still.[8]
Der Grüneishof
Der auf dem rechten, östlichen Ufer der Beise gelegene landwirtschaftliche Hof wurde 1747 erstmals als separater Komplex genannt. Reinhard Siebert, sein Besitzer, kaufte 1877 die benachbarte Mühle. Der Hof kam nach seinem Tod 1898 an seine Tochter Renate und deren Ehemann. Dort befindet sich heute der „Pferdebetrieb Grüneishof“.
Fußnoten
- ↑ Historisch belegte Namensformen waren: „Grüneis“ (1432), „molen in dem Groyneise“ (1438/39), „Grunyse“ (1481–1822), „Grunysmühle“ (1513, 1540), „Gruningsmühle“ (1614), „Grüningen Mühl“ (1708/10), und „Grüneis-Mühle“ (um 1900).
- ↑ Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V.: Die Beiseförther Mühlen, Beiseförth, November 1980, S. 87
- ↑ In Niederhessen war ein Viertel wohl einem Malter vergleichbar.
- ↑ Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V.: Die Beiseförther Mühlen, Beiseförth, November 1980, S. 88
- ↑ Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V.: Die Beiseförther Mühlen, Beiseförth, November 1980, S. 88
- ↑ Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V.: Die Beiseförther Mühlen, Beiseförth, November 1980, S. 90
- ↑ Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V.: Die Beiseförther Mühlen, Beiseförth, November 1980, S. 91
- ↑ Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V.: Die Beiseförther Mühlen, Beiseförth, November 1980, S. 92
Weblinks
- Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V.: Die Beiseförther Mühlen, Beiseförth, November 1980, S. 87–92
- Frank Wenderoth: Die vier Mühlen in Beiseförth, Malsfelder Verein für Dokumentation und Archivierung e.V., Beiseförth, 1998, S. 94–97
- Die Mühlen im Beisetal, bei archiv-malsfeld.de
- Grüneismühle, Schwalm-Eder-Kreis, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS)
Literatur
- Walter Dippel (Bearb.): Beiseförth. Geschichte eines Dorfes ; Chronik zur 650-Jahr-Feier 1998, Hrsg. Heimat- und Verkehrsverein Beiseförth, Beiseförth, 1998, S. 97
- Hans-Dieter Scholz: Wasser- und Windmühlen im Schwalm-Eder-Kreis, eine Bestandsaufnahme, Regierungspräsidium Kassel, 1996, S. 110
- Dieter Wolf: Melsungen. Eine Kleinstadt im Spätmittelalter, Band 2, Afra-Verlag, Butzbach, 2003, ISBN 3-932079-744, S. 579–580