Grüne Huschspinne
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Grüne Huschspinne (Micrommata virescens), Weibchen | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Micrommata virescens | ||||||||||||
| (Clerck, 1757) |
Die Grüne Huschspinne (Micrommata virescens) ist eine Spinne aus der Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae). Sie ist paläarktisch verbreitet, dabei jedoch als xerophile (wärmeliebende) in den südlichen Breiten ihres Vorkommensgebiets häufiger und bewohnt ihrer Xerophilie entsprechend bevorzugt trockenwarme Habitate (Lebensräume). Ferner ist die Grüne Huschspinne die einzige in Mitteleuropa natürlich vorkommende Riesenkrabbenspinne. Die Art ist eine mittelgroße Spinne und erhält ihren Trivialnamen durch die vor allem beim Weibchen ausgeprägte Grünfärbung, während das Männchen vermehrt olivgrüne bis gelbe wie auch rote Farbelemente aufweist.
Bei der Grünen Huschspinne handelt es sich wie bei allen Huschspinnen (Micrommata) und somit im Gegensatz zu den meisten anderen Riesenkrabbenspinnen um eine tagaktive Art, die sich bevorzugt in niedrigem Gebüsch oder höheren Gräsern aufhält, wo sie aufgrund ihrer Färbung gut getarnt ist. Sie ernährt sich wie alle Spinnen räuberisch und erlegt wie für Riesenkrabbenspinnen üblich Beutetiere freilaufend und somit ohne ein Fangnetz. Der Paarung geht eine ausgeprägte Balz voraus und ein begattetes Weibchen fertigt im Sommer einen Brutgespinst an, in dem es seinen Eikokon deponiert. Es betreibt Brutpflege und bewacht sowohl das Eigelege als auch die frisch geschlüpften Nachkommen, ehe diese sich selbstständig verstreuen und selbstständig über mehrere Fresshäute (Häutungsstadien) heranwachsen.
Die Arachnologische Gesellschaft kürte die Grüne Huschspinne zur Spinne des Jahres 2004. Damit sollte u. a. auf die Gefährdung der Art durch den Rückgang ihrer Lebensräume aufmerksam gemacht werden. Eine ernstzunehmende Gefahr für den Menschen geht von der Spinne nicht aus.
Merkmale
Das Weibchen der Grünen Huschspinne erreicht nach Peter Jäger (2023) eine Körperlänge von 9,2 bis zu 17,8 und das Männchen eine von 8,2 bis zu 10 Millimetern.[1] Damit handelt es sich wie bei allen Huschspinnen um einen mittelgroßen Vertreter der Echten Webspinnen (Araneomrphae). Der grundsätzliche Körperbau der Art entspricht dem anderer der Gattung.
| Geschlecht | Länge des Prosomas (Vörderkörpers) in Millimetern | Länge des Opisthosomas (Hinterleibs) in Millimetern | Anzahl an pomarginalen (vorne seitlichen) und retromarginalen (hinten seitlichen) Zähnen an den Cheliceren (Kieferklauen) | Anzahl an Setae (chitinisierten Haaren) an den Cheliceren |
|---|---|---|---|---|
| Männchen | 3,8 bis 4,4 | 3,7 bis 5,6 | 2 bis 4/6 | 6 bis 9 |
| Weibchen | 3,8 bis 5,6 | 5,4 bis 12,2 | 2 bis 4/7 | 6 bis 9 |
Sexualdimorphismus
Die Grüne Huschspinne weist wie viele Spinnen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) auf. Dieser macht sich neben den Dimensionen bei der Farbgebung beider Geschlechter bemerkbar.
Männchen
Das Männchen hat eine blass gelblich-braune Grundfärbung, wobei die Segmente der Beine in distaler (von der Körpermitte entfernt gelegener) Lage dunkler ausfällt. Der Carapax ist im lebendigen Zustand grün gefärbt, wobei die Farbe nach dem Exitus verblasst, und weist ein dunkles medianes (mittleres) Band sowie undeutliche laterale (seitliche) und marginale (randseitige) Bänder auf. Das Opisthosoma besitzt dorsal (oben) ein an das des Carapax anknüpfendes, jedoch undeutliches und dunkles Medianband. Es ist mit Ausnahme des für Huschspinnen (Micrommata) typischen Herzmals mit weißen bis gelblichen und kristallförmigen Flecken bedeckt. Im lebendigen Zustand ist das Opisthosoma des Männchens gelb gefärbt. Außerdem besitzt es ein rotes Medianband und jeweils beidseitig einen breiten roten Lateralstreifen.[2]
Die Beinformel (absteigende Längenformel der Beinpaare) des Männchens lautet 2-4-1-3 anstelle wie bei den meisten Spinnen 4-1-2-3. Die Klauenglieder der Cheliceren weisen je 2 pro- (vorne) und 4 oder 5 retromarginale (hinten seitliche) Zähne auf. Dentikel (zahnartige Gebilde) fehlen gänzlich, dafür besitzen die Glieder jeweils 6 Setae zur Leitung.[2]
| Gemessener Bereich | Wert |
|---|---|
| Körpermaße | |
| Gesamtlänge | 7,1 |
| Länge des Prosomas | 3,9 |
| Breite des Prosomas | 3,1 |
| Anteriore Breite | 1,5 |
| Länge des Opisthosomas | 3,8 |
| Breite des Opisthosomas | 2,1 |
| Durchmesser der Augen | |
| Anterior median | 0,15 |
| Anterior lateral | 0,22 |
| Posterior median | 0,16 |
| Posterior lateral | 0,18 |
| Abstand der Augen | |
| Anterior median zueinander | 0,14 |
| Anterior median-Anterior lateral | 0,03 |
| Posterior median zueinander | 0,28 |
| Posterior median-Posterior lateral | 0,2 |
| Anterior median-Posterior median | 0,38 |
| Anterior lateral-Posterior lateral | 0,17 |
| Abstand der anterioren Augen zu den Cheliceren | |
| Anterior median-Cheliceren | 0,39 |
| Anterior lateral-Cheliceren | 0,4 |
| Beinpaar | Femur | Patella | Tibia (Schiene) |
Metatarsus (Fersenglied) |
Tarsus (Fußglied) |
Gesamt- länge |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Pedipalpen | 1,4 | 0,6 | 1 | 0 (hier nicht vorhanden) | 1 (hier der Bulbus) | 4,4 |
| 1 | 4 | 1,6 | 4 | 3,8 | 1,3 | 14,7 |
| 2 | 4,2 | 1,6 | 4,3 | 4,1 | 1,4 | 15,6 |
| 3 | 3,6 | 1,3 | 3,4 | 3,2 | 1,2 | 12,7 |
| 4 | 4,3 | 1,3 | 4 | 4,5 | 1,4 | 15,5 |
| Beinpaar | Femur | Patella | Tibia | Metatarsus | Tarsus |
| Pedipalpen | 1-3-1 | 1-2-0 | 2-1-0-1 | - | 1-1-1-2 (hier der Bulbus) |
| 1 | 3-2-3 | 1-0-1 | 2-0-2-4 | 1-0-0-4 | - |
| 2 | 3-2-3 | 1-0-1 | 2-0-2-4 | 1-0-0-4 | - |
| 3 | 3-2-3 | 1-0-1 | 2-1-2-4 | 3-0-2-4 | - |
| 4 | 3-(2)-2-1 | 1-0-1 | 2-1-2-4 | 3-0-3-7 | - |
- Ansichten von Männchen
-
Dorsalansicht
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Frontalansicht
-
Lateralansicht
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Rückansicht
Weibchen
Das Weibchen hat eine hellgelblich-braune Grundfarbe, die an den Metatarsen und Tibien der Beine etwas dunkler ausfällt. Der Carapax weist undeutliche, dunkle Streifen aus dunklen Borsten auf. Die Färbung des Opisthosomas fällt ventral vor den Spinnwarzen dunkler aus. Im lebendigen Zustand erscheint das Weibchen leuchtend grün. Junge Weibchen sind hellgelblich bis grünlich gefärbt und besitzen zahlreiche roten bis braune Flecken.[3]
Die Beinformel des Weibchens lautet 4-2-1-3 und weicht somit, ebenso wie jene des Männchens, von der Norm ab. Die Fangfurchen haben hier jeweils 2 anteriore (vordere) und 3 oder 4 retromarginale Zähne. Auch dem Weibchen fehlen wie beim Männchen Dentikel, es hat dafür jeweils 7 oder 8 Leistungssetae an den Fanggliedern.[3]
| Gemessener Bereich | Wert |
|---|---|
| Körpermaße | |
| Gesamtlänge | 12 |
| Länge des Prosomas | 4,5 |
| Breite des Prosomas | 3,7 |
| Anteriore Breite | 2,2 |
| Länge des Opisthosomas | 7,7 |
| Breite des Opisthosomas | 4,2 |
| Durchmesser der Augen | |
| Anterior median | 0,15 |
| Anterior lateral | 0,2 |
| Posterior median | 0,16 |
| Posterior lateral | 0,17 |
| Abstand der Augen | |
| Anterior median zueinander | 0,2 |
| Anterior median-Anterior lateral | 0,05 |
| Posterior median zueinander | 0,41 |
| Posterior median-Posterior lateral | 0,27 |
| Anterior median-Posterior median | 0,46 |
| Anterior lateral-Posterior lateral | 0,25 |
| Abstand der anterioren Augen zu den Cheliceren | |
| Anterior median-Cheliceren | 0,44 |
| Anterior lateral-Cheliceren | 0,4 |
| Beinpaar | Femur | Patella | Tibia | Metatarsus | Tarsus | Gesamtlänge |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Pedipalpen | 1,3 | 0,7 | 1 | 0 (hier nicht vorhanden) | 1,6 | 4,6 |
| 1 | 4,1 | 1,8 | 3,8 | 3,7 | 1,3 | 14,7 |
| 2 | 4,5 | 1,8 | 4,1 | 3,8 | 1,4 | 15,6 |
| 3 | 3,8 | 1,6 | 3,1 | 2,9 | 1,2 | 12,6 |
| 4 | 4,6 | 1,7 | 3,9 | 4,2 | 1,4 | 15,8 |
| Beinpaar | Femur | Patella | Tibia | Metatarsus | Tarsus |
| Pedipalpen | 1-3-0 | 1-2-1 | 2-1-2-1 | - | 1-0-1-3 |
| 1 | 3-2-3 | - | 1-0-2-4 | 1-0-0-4 | - |
| 2 | 2-2-3 | - | 2-0-1-4 | 1-0-0-4 | - |
| 3 | 3-2-3 | - | 2-1-2-3 | 3-0-2-4 | - |
| 4 | 2-(1)-2-1 | - | 2-1-2-3 | 3-0-3-7 | - |
- Ansichten von Weibchen
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Dorsalansicht
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Frontalansicht
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Lateralansicht
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Rückansicht
Genitalmorphologische Merkmale
Das Männchen der Grünen Huschspinne hat an den Tibien der Pedipalpen je eine retrolaterale Apophyse (Fortsatz), die ventral (unterhalb) betrachtet zum Cymbium (erstes und vorderes Sklerit bzw. Hartteil) eines einzelnen Bulbus (männliches Geschlechtsorgans) hin spitz zuläuft. Der basale (an der Basis glegene) Teil des Spermophors (Samenschlauchs) ist mäßig breit und kann entweder breiter oder gleich breit wie die basale Windung des Tegulums (zweites und mittleres Sklerit des Bulbus) sein. Insgesamt erstreckt sich der Spermophor in retrolaterale bis retrolaterodistale (hinten seitliche & von der Körpermitte entfernt liegende) Richtung. Die teguläre Dentikelfläche ist schwach ausgebildet. Der Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus) ist vergleichsweise groß, von sichelförmiger Gestalt und verfügt über einen sägezahnförmigen am prolatero-proximalen (vorne seitliche & zur Körpermitte gelegenen) Rand. Er ist zweigeteilt und besteht entsprechend aus zwei distal (von der Körpermitte entfernt) gelappten Platten und bedeckt ventral betrachtet den distalen Rand des Tegulums.[2]
Die Fläche der Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) und das mediane Septum (Trennwand) sind deutlich breiter als lang. Das Septum hat außerdem 4 bis 6 radiale (strahlenförmig) verlaufende Furchen. Seine anteriore Öffnung ist außerdem mit ausgeprägten Rändern versehen. Die Spermatheken (Samentaschen) sind deutlich voneinander getrennt und die Kopulationsgänge in posteriore Richtung breiter werdend und besitzen posterolateral einen S-förmig verlaufenden Abschnitt. Die Drüsenanhänge sind oval.[1]
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet der Grünen Huschspinne umfasst Europa, die Türkei, Kaukasien, Russland (von Europa bis zum Föderationskreis Ferner Osten), den Iran, Kasachstan, Zentralasien, China, Korea und Japan. Ein einzelner Nachweis erfolgte 2023 in Algerien. Auch in Europa ist die Spinne vertreten; Nachweise innerhalb Kontinentaleuropas fehlen lediglich aus der Oblast Kaliningrad und aus der russischen Doppelinsel Nowaja Semlja, Franz-Josef-Land, der Inselgruppe Spitzbergen, Nordirland, Sizilien und Kreta. In Kaukasien fehlen Nachweise aus Armenien.[4] Die Art ist xerophil (wärmeliebend) und bevorzugt lichte trockene bis frische Wälder und Waldränder als Habitat (Lebensraum). Daneben bewohnt die Art Weinberge, Zwergstrauchheiden, Moore und stark beanspruchte sowie brache Feuchtwiesen und Magerrasen.[5]
Die Grüne Huschspinne ist der einzige flächendeckend in Europa natürlich vorkommende Vertreter der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae), deren Verbreitungsschwerpunkt die Tropen und Subtropen bilden. Darüber hinaus kommen in den milderen Gebieten Europas wie dem Mittelmeerraum noch einige Arten, darunter die mit der Grünen Huschspinne gattungsverwandte Ligurische (M. ligurina) und die Hübsche Huschspinne (M. formosa) vor. Die einzige neben der Grünen Huschspinne auch in anderen Teilen Europas etablierte Riesenkrabbenspinne ist die ursprünglich in Asien heimische und mittlerweile weltweit eingeschleppte Warmhaus-Riesenkrabbenspinne (Heteropoda venatoria), die dort jedoch nur in menschlichen Bauwerken anzutreffen sowie überlebensfähig ist und feste Populationen aufbauen kann.[5][6]
Lebensweise
Die Grüne Huschspinne ist wie alle Huschspinnen (Micrommata) und somit im Gegensatz zu den meisten Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) tagaktiv. Sie hält sich vorzugsweise in bodennaher Vegetation wie niedrigem Gebüsch oder höherwüchsigem Gras auf. Dort ist die Spinne aufgrund ihrer der Tarnung dienenden grünen Färbung, was insbesondere auf das Weibchen zutrifft, schwer zu entdecken. Auch das Männchen der Art ist dort trotz seiner im Vergleich zum Weibchen auffälligen Färbung in der Vegetation gut getarnt. Lediglich sein Opisthosoma ist dort leicht zu sehen, jedoch nicht unbedingt als Teil der Spinne wahrnehmbar.[7] Da die Grüne Huschspinne wie alle Riesenkrabbenspinnen nomadisch lebt, findet Spinnenseide bei ihr kaum Verwendung. Diese dient neben dem Kokonbau nur für das Anlegen temporärer Unterschlüpfe.[5]
Jagdverhalten und Beutespektrum
Die wie alle Spinnen räuberisch lebende Grüne Huschspinne teilt mit anderen Riesenkrabbenspinnen die Eigenschaft, Beutetiere freilaufend zu erleben und demzufolge kein Spinnennetz anzulegen. Dabei wartet sie als Lauerjäger reglos und dank ihrer Tarnfärbung unauffällig auf Beutetiere. Ist ein solches in die Reichweite der Spinne gelangt, wird dieses blitzartig mit den vorderen Extremitäten ergriffen und zu den Cheliceren geführt. Dabei kann die Grüne Huschspinne zu einem kleinen Sprung ansetzen. Versucht ein Beutetier zu fliehen, wird es von der Spinne verfolgt. Ein mittels der Cheliceren verabreichter Giftbiss setzt das Beutetier augenblicklich außer Gefecht.[8] Die Grüne Huschspinne ist ein opportunistischer Jäger und demnach euryphag (nicht auf bestimmte Nahrung angewiesen). In ihr Beutespektrum fallen beliebige Gliederfüßer wie verschiedene Insekten.[5]
Lebenszyklus und Phänologie
Der Lebenszyklus der Grünen Huschsspinne gliedert sich für Spinnen üblich in die Phasen der Fortpflanzung, der Eiablage und des Heranwachsens der Jungtiere. Er ist bei dieser Art gut erforscht. Die Phänologie (Aktivitätszeit) der Art beläuft sich beim Männchen auf den Zeitraum zwischen März und Juli. Die Phänologie des Weibchens beginnt zeitgleich mit der des Männchens, reicht jedoch bis in den Oktober hinein.[4]
Das Fortpflanzungsverhalten der Grünen Huschspinne findet ausschließlich im Mai und innerhalb dieses Monats in den Nachmittagsstunden statt.[9] Hat ein geschlechtsreifes Männchen der Grünen Huschspinne ein Spermanetz angelegt und über dieses Spermatropfen in seine Bulbi eingenommen, beginnt es mit der Suche nach einem Weibchen. Die Suche vollführt das Männchen in einem charakteristischen Zick-Zack-Laufmuster. Gelegentlich stellt es sich bei der Suche die hinteren Beine und dreht sich tänzelnd um die eigene Achse und tastet sein Umeld ab. Hat das Männchen ein Weibchen ausfindig machen können, geht es zur Balz über.[6] Die Grüne Huschspinne zeigt ein ausgeprägtes Balzverhalten, bei dem das Männchen mit den vorderen Beinpaaren das Opisthosoma seine Geschlechtspartnerin klopft.[5] Ist das Weibchen paarungswillig, signalisiert es dem Männchen seine Paarungsbereitschaft, bei der es für einige Sekunden mit seinen vorderen Beinen vibriert und sich zusammen kauert und erlaubt so dem Männchen eine weitere Annäherung.[9]
Nach der erfolgreichen Balz beginnt die eigentliche Paarung, bei der das Männchen zuerst das Weibchen mit seinen Cheliceren entweder an den Beinen und den Cheliceren packt.[5] Die Kopulation findet in der für freijagende Echten Webspinnen (Araneomorphae) üblichen Paarungsstellung des Typs III statt, bei der das Männchen frontal das Weibchen besteigt und sich nun beide Geschlechtspartner übereinander und in entgegengesetzte Blickrichtung befinden. Für die Befruchtung neigt sich das Männchen zur Seite und führt zuerst einen Bulbus in die Epigyne des Weibchens ein und überträgt somit den darin befindlichen Spermatropfen, ehe es zum Wechsel kommt und das Männchen sich zur entgegengesetzten Seite neigt und den anderen Bulbus einführt.[7] Balz und Paarung zusammen nehmen etwa sechs Stunden in Anspruch. Beide Geschlechtspartner trennen sich nach der geglückten Begattung friedlich voneinander, wodurch sexueller Kannibalismus im Falle der Grünen Huschspinne ausgeschlossen werden kann.[9]
Das begattete Weibchen legt einige Zeit nach der Paarung in Bodennähe ein geräumiges Brutgespinst an, indem es mehrere Blätter, bevorzugt jene der Himbeere (Rubus idaeus), lose zusammenspinnt. In diesem Gespinst deponiert es seinen Eikokon, der die wie die Spinne selber grün gefärbten Eier enthält.[5][7] Es betreibt Brutpflege, bewacht und verteidigt sowohl den Kokon als auch die etwa vier Wochen nach der Eiablage schlüpfenden Nachkommen.[5] Nach einiger Zeit entfernt das Muttertier sich und überlässt die Jungtiere sich selbst. Sie überwintern in dem Brutgespinst.[9] Die Jungtiere wachsen im Folgejahr heran. Die Lebenserwartung des Weibchens der Grünen Huschspinne beträgt gut 18 Monate. Das Männchen ist kurzlebiger und stirbt unmittelbar nach einer stattgefundenen Paarung.[5]
Systematik
Die Systematik der Grünen Huschspinne erfuhr vermehrt Änderungen. Der Artname virescens ist ein lateinisches Adjektiv und bedeutet übersetzt „vergrünend“ und deutet auf die allgemein grünlichere Farbgebung der Art. Die Grüne Huschspinne ist die Typusart der Huschspinnen (Micrommata).[10]
Beschreibungsgeschichte
Die Grüne Huschspinne wurde 1757 von Carl Alexander Clerck erstbeschrieben, der die Art damals wie für Spinnen üblich der Gattung Araneus (heute die der Kreuzspinnen) zuordnete und als A. virescens beschrieb. Anschließend erhielt die Art von verschiedenen Autoren unterschiedliche Bezeichnungen. Pierre André Latreille ordnete die Art bereits 1804 der von ihm zeitgleich erstbeschriebenen Gattung der Huschspinnen (Micrommata) zu, damals jedoch noch unter der Bezeichnung M. smaragdina. Die heute gängige Bezeichnung M. virescens fand erstmals 1870 seitens Tamerlan Thorell und ab dort gehäuft Anwendung. Nach einer weiteren Anwendung dieser Bezeichnung von Michael John Roberts 1998 setzte sich diese Bezeichnung für die Art endgültig durch.[10]
Synonymisierte Arten
Vier Arten wurden mit der Grünen Huschspinne synonymisiert und verloren so ihren Artstatus. Eine davon ist die 1757 von Clerck zusammen mit Grünen Huschspinne selber erstbeschriebene Art Micrommata rosea, die 1831 unter Carl Jakob Sundevall mit der Grünen Huschspinne synonymisiert wurde.[11] Eine andere war die 1793 von Johan Christian Fabricius beschriebene und 1837 unter Carl Ludwig Koch mit der Grünen Huschspinne synonymisierte Art Micrommata smaragdula.[12] Daneben synonymisierte Ottó Herman 1870 die 1802 von Charles Athanase Walckenaer beschriebene Unterart M. v. ornata der Grünen Huschspinne mit der Nominatform.[13] Exemplare aller drei nun synonymisierten Arten wurden von den jeweiligen Autoren als Individuen der Grünen Huschspinne identifiziert, jedoch ohne detaillierte Begründung.
Daneben synonymisierte Carmen Urones 2004 die 1913 von Pelegrin Franganillo-Balboa erstbeschriebene Unterart M. v. valvulata der Grünen Huschspinne. Grund dafür waren, dass Franganillo bei seiner Beschreibung auf Merkmale zurückgriff, die entweder die Nonimatform, in der Gattung der Huschspinnen (Micrommata) oder gar in der Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) selber gängig sind. Die Beschreibung der Epigyne trifft laut Urones auch auf die der Nominatform zu, während die Beschaffenheit des Labiums (sklerotisierte bzw. verhärtete Platte zwischen den Maxillae umgewandelte Coxen, bzw. Hüftglieder der Pedipalpen) und vor dem Sternum, bzw. dem Brustschild des Prosomas laut der Autorin auch bei anderen Huschspinnen vor genau wie die im Vergleich kleinere Größe der anterior medianen Augen bei anderen Gattungen der Riesenkrabbenspinnen einschließlich den Huschspinnen selber.[14]
Grüne Huschspinne und Mensch
Die Grüne Huschspinne steht mit dem Menschen in verschiedener Relation zueinander. Eine gewisse Prominenz erhält die Art durch ihre markante grüne Farbgebung und dadurch, dass sie 2004 zur Spinne des Jahres gewählt wurde.
Häufigkeit und Gefährdung
Die Häufigkeit der Grünen Huschspinne variiert je nach geographischer Lage. Durch ihre Xerophilie ist sie vor allem in den wärmeren Arealen ihres Verbreitungsgebiets häufig, darunter in den südlichen Teilen Europas, während die Häufigkeit der Art nach Norden hin stark abnimmt. Allerdings wird vermutet, dass die Spinne aufgrund ihrer Tarnfärbung oft übersehen wird.[5] In Deutschland ist die Grüne Huschspinne vor allem in den mittel- und süddeutschen Gebirgen häufig anzutreffen, dafür im norddeutschen Flachland umso seltener.[7] In Großbritannien ist die Art im südlichen Teil der Insel verstreut anzutreffen, während sie im nördlichen Teil der Insel nur sehr vereinzelt vorkommt.[15]
Die Gefährdungssituation der Grünen Huschspinne wird je nach Land unterschiedlich gewertet. Bedroht werden die Populationen jedoch durch den Rückgang geeigneter Lebensräume, insbesondere der von der Spinne bevorzugten Brachflächen und Randstreifen.[6] In der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands von 2016 wird die Art dennoch als „ungefährdet“ gewertet, da sie dort allgemein (in geeigneten Habitaten) als häufig gewertet wird und ihre Bestände sowohl kurz- als auch langfristig gleichbleibend sind. Auch in der vorherigen Version dieser Roten Liste aus 1996 fiel die Bewertung identisch aus.[16] In der Roten Liste der Spinnen Kärntens (1999) wird die Spinne nach IUCN-Maßstab in der Kategorie NT („Near Threatened“, bzw. potentiell gefährdet) erfasst.[8]
In der Roten Liste Großbritanniens (2017) wird die Grüne Huschspinne nach gleichem Maßstab in der Kategorie LC („Least Concern“, bzw. nicht gefährdet) erfasst.[15] In der Roten Liste der Spinnentiere (Arachnida) Norwegens (2015) wird die Art in der gleichen Kategorie erfasst, in der Roten Liste der Spinnen Tschechiens (2015) in der Kategorie ES („Ecologically Substainable“, bzw. ökologisch anpassbar).[8]
Spinne des Jahres 2004
Die Arachnologische Gesellschaft kürte die Grüne Huschspinne zur Spinne des Jahres 2004. Damit sollte wie bei den anderen ausgewählten Arten vor allem auf die Gefährdung durch den Rückgang ihrer Lebensräume der markant gefärbten Spinne aufmerksam gemacht werden. Erhofft wird außerdem, durch das Erlangen von Aufmerksamkeit für die Art die Kenntnisse über das Vorkommen der Art zu vervollständigen.[6]
Bissunfälle
Bisse der Grünen Huschspinne beim Menschen sind überliefert. Der Biss der Art gilt als schmerzhaft, jedoch nicht als gefährlich.[5]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Peter Jäger: Revision of the huntsman spider genus Micrommata Latreille, 1804 (Sparassidae: Sparassinae). In: Zootaxa. Band 5352, Nr. 1, 7. September 2023, ISSN 1175-5334, S. 37, doi:10.11646/zootaxa.5352.1.1.
- ↑ a b c d e f g h Peter Jäger: Revision of the huntsman spider genus Micrommata Latreille, 1804 (Sparassidae: Sparassinae). In: Zootaxa. Band 5352, Nr. 1, 7. September 2023, ISSN 1175-5334, S. 32, doi:10.11646/zootaxa.5352.1.1.
- ↑ a b c Peter Jäger: Revision of the huntsman spider genus Micrommata Latreille, 1804 (Sparassidae: Sparassinae). In: Zootaxa. Band 5352, Nr. 1, 7. September 2023, ISSN 1175-5334, S. 35, doi:10.11646/zootaxa.5352.1.1.
- ↑ a b Wolfgang Nentwig, Robert Bosmans, Daniel Gloor, Ambros Hänggi, Christian Kropf: Micrommata virescens (Clerck, 1757). In: araneae – Spiders of Europe. Naturhistorisches Museum Bern, abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b c d e f g h i j k Nicolaj Klapkarek: Grüne Huschspinne - Micrommata virescens (CLERCK, 1757). In: Natur in NRW. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b c d Peter Jäger, Martin Kreuels, Christina Peters: SPINNE DES JAHRES 2004. Arachnologische Gesellschaft e. V., abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b c d Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Kosmos, 2016, ISBN 978-3-440-15521-9, S. 254.
- ↑ a b c Micrommata virescens. In: Spinnen Forum Wiki. Arachnologische Gesellschaft, abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ a b c d Sven Almquist: Swedish Araneae, part 2 – families Dictynidae to Salticidae. In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 63, Nr. 1. Interpress, 2006, S. 452.
- ↑ a b Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog – Micrommata virescens. Abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Carl Jakob Sundevall: Svenska Spindlarnes Beskrifning. Fortsättning. Norstedts förlag, Stockholm 1831, S. 40.
- ↑ Carl Ludwig Koch: Übersicht des Arachnidensystems. Nr. 1. Zeh’sche Buchhandlung, Nürnberg 1837, S. 29.
- ↑ Ottó Herman: Magyarország pók-faunája. Band 3. Verlag der Königlichen Ungarischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, 1879, S. 216.
- ↑ Carmen Urones: El género Micrommata (Araneae, Sparassidae) en la Península Ibérica, con la descripción do dos nuevas especies. In: Revista Ibérica de Aracnología. Band 10, Nr. 1, 31. Dezember 2004, ISSN 1576-9518, S. 42.
- ↑ a b Summary for Micrommata virescens (Araneae). (PHP) In: Spider Recording Scheme. British Arachnological Society, abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
- ↑ Detailseite. (HTPPS) Rote-Liste-Zentrum, abgerufen am 24. September 2025.
Literatur
- Sven Almquist: Swedish Araneae, part 2 – families Dictynidae to Salticidae. In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 63, Nr. 1. Interpress, 2006, S. 340–342 (601 S.).
- Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Kosmos, 2016, ISBN 978-3-440-15521-9, S. 254 (432 S.).
- Ottó Herman: Magyarország pók-faunája. Band 3. Verlag der Königlichen Ungarischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, 1879 (394 S.).
- Peter Jäger: Revision of the huntsman spider genus Micrommata Latreille, 1804 (Sparassidae: Sparassinae). In: Zootaxa. Band 5352, Nr. 1, 7. September 2023, ISSN 1175-5334, S. 1–45, doi:10.11646/zootaxa.5352.1.1.
- Carl Ludwig Koch: Übersicht des Arachnidensystems. Nr. 1. Zeh’sche Buchhandlung, Nürnberg 1837 (39 S.).
- Carl Jakob Sundevall: Svenska Spindlarnes Beskrifning. Fortsättning. Norstedts förlag, Stockholm 1831 (41 S.).
- Carmen Urones: El género Micrommata (Araneae, Sparassidae) en la Península Ibérica, con la descripción do dos nuevas especies. In: Revista Ibérica de Aracnología. Band 10, Nr. 1, 31. Dezember 2004, ISSN 1576-9518, S. 41–52.
Weblinks
- Micrommata virescens im World Spider Catalog
- Micrommata virescens bei Global Biodiversity Information Facility
- Micrommata virescens beim Rote-Liste-Zentrum
- Micrommata virescens bei der British Arachnological Society
- Micrommata virescens bei araneae – Spiders of Europe
- Micrommata virescens beim Wiki der Arachnologischen Gesellschaft e. V.
- Micrommata virescens bei Natur in NRW
- „SPINNE DES JAHRES 2004“ von Peter Jäger, Martin Kreuels & Christina Peters