Grégoire Courtine
Grégoire Courtine (* 9. Januar 1975 in Dijon) ist ein französischer Mathematiker, Neurowissenschaftler und Professor an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), wo er Co-Direktor des Defitech-Zentrums für interventionelle Neurotherapien (NeuroRestore) ist. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Neurotechnologie mit dem Ziel, die motorischen Funktionen bei Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie beispielsweise Rückenmarksverletzungen, wiederherzustellen.
Karriere
Nach seiner Ausbildung in Physik und Mathematik promovierte Courtine 2003 in experimenteller Medizin an der Universität Pavia und dem INSERM der Universität Burgund. Anschließend forschte er von 2004 bis 2007 als Postdoktorand im Labor von Reggie Edgerton an der UCLA. Dort untersuchte er die neuronalen Grundlagen der Spontanregeneration nach Rückenmarksverletzungen und entwickelte neue Strategien zur Wiederherstellung funktioneller neuronaler Netzwerke nach Rückenmarksresektion bei Ratten. 2008 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Universität Zürich ernannt, wo er eine eigene Arbeitsgruppe gründete, die sich der Wiederherstellung der willkürlichen Kontrolle über die Fortbewegung bei paraplegischen Ratten widmete. 2012 wechselte er als außerordentlicher Professor an die EPFL und wurde 2019 zum ordentlichen Professor ernannt.[1] Im Jahr 2014 war Courtine Mitbegründer des Biotechnologieunternehmens ONWARD Medical mit dem Ziel, neuartige Neurostimulationstherapien zu entwickeln; mit Stand von Ende 2025 fungiert er als Chief Science Officer des Unternehmens.[2] Seit 2019 leitet Courtine zusammen mit Jocelyne Bloch das NeuroRestore-Labor, das gemeinsam von der Defitech Foundation, dem Universitätsspital Lausanne, der Universität Lausanne und der EPFL initiiert wurde.[3]
Forschung
Courtine leitet das G-LAB innerhalb des Brain Mind Institute und des Zentrums für Neuroprothetik an der EPFL. Die Forschung im G-LAB zielt darauf ab, motorische Funktionen nach Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie beispielsweise Rückenmarksverletzungen wiederherzustellen.[1] Mithilfe gezielter Rückenmarkstimulationstechnologien leisteten Courtine und Kollegen einen bedeutenden Beitrag zur Neurorehabilitation. Sie veröffentlichten mehrere Studien, die die Wiederherstellung der willkürlichen Fortbewegung bei Ratten mit partiellen und kompletten Rückenmarksverletzungen, bei Primaten und gelähmten Patienten sowie die Stabilisierung des Blutdrucks bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen durch biomimetische epidurale elektrische Stimulation.
(Neurostimulation des Rückenmarks, die die natürliche Aktivierung des autonomen oder somatischen Nervensystems nachahmt).[4]
Auszeichnungen
Courtine wurde mit mehreren internationalen Forschungs- und Innovationspreisen ausgezeichnet, darunter der Chancellor’s Award für Postdoktorandenforschung (2008), der Schellenberg-Forschungspreis der International Foundation for Research in Paraplegia (2010),[5] der Rolex Award (2019)[6] und der Prix Roger de Spoelberch (2022).[7]
Veröffentlichungen
- "Walking naturally after spinal cord injury using a brain–spine interface." (Nature, 2023)
- "Activity-dependent spinal cord neuromodulation rapidly restores trunk and leg motor functions after complete paralysis." (Nature Medicine, 2022)
- "Spatiotemporal neuromodulation therapies engaging muscle synergies improve motor control after spinal cord injury." (Nature Medicine, 2016)
- "Recovery of supraspinal control of stepping via indirect propriospinal relay connections after spinal cord injury." (Nature Neuroscience, 2009)
- "Spinal cord repair: advances in biology and technology." (Review in Nature Medicine, 2019)
- "Materials and technologies for soft implantable neuroprostheses." (Nature Reviews Materials, 2016)
- Arbeiten über spinale Neuromodulationstechnologien zur Linderung von Gangdefiziten bei der Parkinson-Krankheit (veröffentlicht u. a. in Nature Medicine, 2023).
Web
- Website of the Neurorestore Laboratory
- Website of the G-Lab
- Website of ONWARD Medical
Privat
Courtine ist mit einer US-Bürgerin texanischer Herkunft verheiratet und Vater von drei Kindern.[8]
Nachweise
- ↑ a b Autor ungenannt: Homepage EPFL: Grégoire Courtine, Full Professor. In: people.epfl.ch. École polytechnique fédérale de Lausanne, 2025, abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ About ONWARD. In: ONWARD Medical. Abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Flore Vasseur: Grégoire Courtine, l'ovni de la recherche scientifique / Ils changent leur monde... 2/6. Ce chercheur français installé à Lausanne et au protocole hors normes, veut faire remarcher les personnes atteintes d'une lésion de la moelle épinière. Hrsg.: Le Monde. 19. August 2013 (lemonde.fr [abgerufen am 7. Dezember 2025]).
- ↑ Autor ungenannt: Seine Forschung lässt Paraplegiker hoffen / Der Neurowissenschafter Grégoire Courtine, ProfessoranderEPFL,hilft querschnittsgelähmten Menschen, die Kontrolle über ihren Körper zurück zu gewinnen.Für seinen Unternehmungsgeist wurde er 2019 mit dem Rolex Award ausgezeichnet. In: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag vom 7. Dezember 2025, Seite 2
- ↑ Joanne Walker: Developing neurotechnologies for spinal cord injuries with Grégoire Courtine. In: Video Journal of Biomedicine. 3. Februar 2020, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ Autor ungenannt: Gregoire Courtine - Help paralysed people walk again. In: rolex.org. ROLEX, August 2019, abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Pr. Grégoire COURTINE. Fondation ROGER DE SPOELBERCH, 10. September 2023, abgerufen am 15. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Alain Jeannet: Jocelyne Bloch et Grégoire Courtine, un couple scientifique parfait / Un patient paralysé qui retrouve une marche naturelle grâce à un «pont numérique», c’est l’exploit rendu possible par les recherches de Jocelyne Bloch, professeure en neurochirurgie au CHUV/Unil, et de Grégoire Courtine, professeur en neurosciences à l’EPFL. Mais qui sont-ils? Et quels sont les ressorts de leurs succès? In: pme.ch. PME (Ringier), 11. September 2023, abgerufen am 7. Dezember 2025 (französisch).