Gottlieb Hermann Kopp

Johann Gottlieb Hermann Kopp (* 21. April 1837 in Wiedemar; † 20. November 1891 in Bürgel bei Jena) war ein deutscher Orgelbaumeister, der zahlreiche Orgeln vor allem für Kirchen in Thüringen erbaute.

Leben

Gottlieb Hermann Kopp war Sohn von Rosine Kopp (* 1820 in Wiedemar) und Gottlieb Kopp. Er wurde als dreizehnjähriger Knabe dem Eilenburger Orgelbauer Nicolaus Schrickel als Gehilfe zugeteilt, als dieser 1850 den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel in der Wiedemarer Kirche erhielt. Kopp erwies sich als geschickt und lernbegierig, so dass er bei Schrickel den Beruf des Orgelbauers erlernte und dort bis 1856 Geselle war.

Danach arbeitete er bis 1861 in Valencia in Spanien als Orgelbauer, danach in Ludwigsburg und ab 1862 bei dem Orgelbauer Friedrich Ladegast in Weißenfels, wo er 1869 auch den Meisterbrief erwarb. Im selben Jahr gründete er in Apolda eine Werkstatt und baute in Thüringen zahlreiche Orgeln.

1886 wurde er mit der Änderung der Disposition der ursprünglich durch Justinus Ehrenfried Gerhard 1766 erbauten Orgel in der Stadtkirche St. Johannis von Bürgel beauftragt.[1] Dort lernte er seine spätere Ehefrau, Therese Marie (geborene Schwabe, geschiedene Hobel) kennen. Er verlegte daraufhin seine Orgelwerkstatt von Apolda nach Bürgel.

Bis zu seinem Tode am 20. November 1891 betrieb er in der dortigen Jenaer Straße sein Handwerk. Die Werkstatt wurde danach von dem in Bürgel gebürtigen Hugo Schramm (1867–1937), der bei Gottlieb Hermann Kopp das Orgelbauhandwerk erlernt hatte, weitergeführt.

Orgeln

  • 1877: Dorfkirche Possendorf bei Weimar, 1 Manual, Pedal, 10 Register, 2010 von Klaus Kopetzki (Steinheim a. d. Murr/Württemberg) generalsaniert.[2]
  • 1882: Dorfkirche Pfuhlsborn bei Bad Sulza, 2 Manuale, Pedal, 13 Register.
  • 1883: Dorfkirche Gelmeroda, 2 Manuale, Pedal, 12 Register,[3] 1978 nach Schwammbefall entfernt. (Die Gelmerodaer Kirche ist durch ein Gemälde von Lyonel Feininger weltberühmt geworden („Feininger-Kirche“).[4])
  • 1886: Dorfkirche Großstöbnitz bei Schmölln, 2 Manuale, Pedal, 8 Register. Die Orgel wurde 1960 von Hermann Lehmann erneuert.[5]
  • 1886: Wittchenstein bei Geroda im Saale-Orla-Kreis in Thüringen, 1 Manual, Pedal, 6 Register. Der Orgelbau wurde durch großzügige Spenden der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach und von Johanna Sophie Rothe aus Wittchenstein unterstützt.[6]
  • 1888: Dorfkirche Ballstedt, Landkreis Weimar, 2 Manuale, Pedal, 10 Register.[7]

Literatur

  • M. Franke, Joachim Ohser: Oh, du mein Wiedemar – eine kleine Ortsgeschichte. 8. Auflage. Freja & Hendrik, Zwingenberg 2021.[8]
  • J.-M. Drafehn: Die Gerhardt-Orgel in der Stadtkirche St. Johannis zu Bürgel/Thür (= Zum Burgelin – Beiträge zur Geschichte von Kloster und Stadt Bürgel, Heft 4). 1996.[9]

Einzelnachweise

  1. Justinus-Ehrenfried-Gerhard-Orgel Bürgel. Vogtländischer Orgelbau Thomas Wolf, abgerufen am 5. Januar 2016.
  2. Kirchengemeinde Possendorf, Kirche. Abgerufen am 6. Januar 2026., auf kirchenkreis-weimar.de
  3. Gelmeroda, Deutschland (Thüringen) - Dorfkirche Gelmeroda (Feiningerkirche). orgbase.nl, abgerufen am 10. Januar 2026.
  4. Kirche Gelmeroda - Autobahnkirche ("Feiningerkirche"). kirchenkreis-weimar.de, abgerufen am 6. Januar 2026.
  5. Großstöbnitz, Deutschland (Thüringen) - Dorfkirche. Organ database, abgerufen am 6. Januar 2026.
  6. Geroda (Thüringen)/Wittchenstein, Dorfkirche. Abgerufen am 6. Januar 2026.
  7. Ballstedt, evangelische Kirche. Abgerufen am 6. Januar 2026.
  8. M. Franke, J. Ohser: https://katalog.slub-dresden.de/id/0-1427039186. In: Oh, du mein Wiedemar. SLUB, Sächsische Landesbibliothek, abgerufen am 5. Januar 2026.
  9. Jan-Martin Drafehn, Gerhardt-Orgel Bürgel. Abgerufen am 6. Januar 2026.