Gottfried Hensel
Gottfried Hensel (* 1687 in Hirschberg; † 1765[1]) war ein deutscher Sprachwissenschaftler, Priester und Kartograf. Er war Rektor in Hirschberg in Niederschlesien.[2] Sein Vater war der Pfarrer Gottfried Hensel (1620–1694)[1].
Im Jahre 1741 verfasste Hensel seine Synopsis Universae Philologiae, ein Werk, das alle Sprachen der Welt mit den jeweiligen Schreibsystemen vorstellen sollte. Es wurde in Nürnberg im Auftrag der Firma Homannsche Erben veröffentlicht. In Anlehnung an die von Platon im Kratylos dargelegte Theorie vertritt Hensel darin die Auffassung, dass jeder Buchstabe eine natürliche und inhärente Bedeutung (Valor naturalis atque internus) hat, durch die es möglich ist, materielle Objekte, aber auch abstrakte Konzepte metaphorisch darzustellen. Die natürlichen Bedeutungen, die Hensel den einzelnen Buchstaben des hebräischen Alphabets zuschreibt, werden von Caspar Neumann aufgegriffen, aber schließlich auf der Grundlage expliziter phonosymbolischer Begründungen systematisch erklärt.[3] Mit diesem Werk war er Vorreiter der vergleichenden Sprachwissenschaft.
Hensel veröffentlichte 1741 den Atlas “Europa Polyglotta” mit den Karten der Kontinente. Er ist die wahrscheinlich älteste Sprachatlas-Karte der Welt. Auf ihr verzeichnete er alle an ihrem jeweiligen Ort gesprochenen Sprachen (nach seinem Kenntnisstand) sowie die erste Zeile des Vaterunser in der jeweiligen Landessprache. Die Karte von Gottfried Hensel ist nur ein Beispiel dafür, wie sich deutsche Gelehrte das Format der Weltkarten zunutze gemacht haben, um ihre eigenen Forschungsgebiete darzustellen und aus einem neuen Blick analysieren zu können.[4]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b https://aleph.nkp.cz/F/?func=find-c&local_base=aut&ccl_term=ica=ntk20231197771
- ↑ Siegismund Justus Ehrhardt, Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens, 1783, Seite 205.
- ↑ Filippo M. Leonardi, La Fonosemantica secondo Gottfried Hensel, 2020.
- ↑ Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften