Goofy Gophers
Die Goofy Gophers sind zwei fiktive Figuren im Besitz des Time-Warner-Konzerns. Sie waren die Hauptfiguren von neun Zeichentrickkurzfilmen, die von 1947 bis 1965 als Teil der Looney-Tunes-Reihe von den Cartoonstudios der Warner Bros. Studios produziert und in Kinos veröffentlicht wurden.
Figuren und Veröffentlichungsgeschichte
Die Goofy Gophers sind zwei durchtriebene kleine Erdhörnchen (engl. gophers), deren zentrales Charaktermerkmal ihre ausnehmende und überbordende Höflichkeit im Umgang miteinander sowie in der Interaktion mit Dritten ist. Sie erleben erheiternde kleine Abenteuer in der fiktiven Welt der Warner Brothers-Cartoonfiguren (der Looney Toons), die sich meist darum drehen, dass sie auf der Suche nach Nahrung größere und körperlich stärkere Tiere, die sich ihnen in den Weg zu stellen versuchen und sie daran zu hindern versuchen, diese zu erlangen, überlisten, um sich die von ihnen begehrte Beute anzueignen.
Die Figuren wurden 1947 von dem Cartoonregisseur Bob Clampett für den gleichnamigen Cartoon Goofy Gophers erfunden, während ihr optisches Erscheinungsbild von dem Zeichner Don Williams gestaltet wurde. Clampett verließ die Warner Brothers Studios noch bevor die Produktion des ersten Cartoons über die beiden Figuren abgeschlossen war. Anstelle von Clampett übernahm es daher der Regisseur Arthur Davis, den Cartoon fertigzustellen.
In ihrem Debütcartoons unternehmen die beiden Erdhörnchen mehrere Plünderzüge auf einen Gemüsegarten, der von einem Hund bewacht wird, den die beiden unermüdlich, wenn auch mit hochkorrekten und zuvorkommenden Umgangsformen, piesacken. Beide Erdhörnchen sprechen mit stereotypen englischen Oberschichtsakzenten und Sprachmanierismen, wobei ihre Stimmen, entsprechend ihrer geringen Körpergröße in ihrem Ton sehr piepsig sind. Als Sprecher der beiden Figuren fungierten die Stimmschauspieler Mel Blanc und Stan Freberg.
In dem Cartoon Two Gophers from Texas von 1948 kehrt der Hund aus dem ersten Cartoon zurück. Diesmal stellt er den Erdhörnchen mit der Absicht nach, sie zu fressen. In dem Cartoon A Ham in a Role versucht der Hund ein Shakespeare-Schauspieler zu werden, wobei die beiden Nager ihn unablässig bei der Deklamation von Monologen aus Shakespeare-Werken, die er zu Übungszwecken vorträgt, stören. In dem Cartoon A Bone for a Bone von 1951 legen die Gophers sich erneut mit einem Hund an. In dem Kurzfilm I Gopher You von 1954 wird erstmals auf den Hund als Gegenspieler der Gophers verzichtet. Stattdessen versuchen die beiden in diesem Film, Gemüse aus einer Lebensmittelfabrik zu entwenden. In dem Film Pests for guests von 1955 treten die beiden gegen Bugs Bunnys alten Kontrahenten Elmer Fudd an, indem sie versuchen, eine Kommode mit Schubladen, die sie als geeignet ansehen, um ihre Nussvorräte zu lagern, aus seinem Besitz in den ihren zu überführen, was zu längeren Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien führt. In Lumber Jerks dringen die beiden in dem Bestreben, ihr Zuhause (einen gefällten Baum) wieder in ihren Besitz zu bringen, in ein Sägewerk ein, um dieses zu finden und an einen Platz zurückzubringen. In den Cartoons Gopher broke von 1958 und Tease for Two von 1965 kommt es schließlich jeweils zu Verwicklungen, die die beiden Figuren gegen bekannte Looney-Toons-Figuren als Gegenspieler antreten lassen: Im ersteren gegen den Barnyard Dawg (aus den Foghorn Leghorn Cartoons) und im zweiten gegen Daffy Duck.
Der running gag der meisten Goofy Gophers-Geschichten besteht darin, dass die Dialoge der beiden Erdhörnchen von einer unablässigen Folge von in gestelztem Ton vorgetragenen Höflichkeitsfloskeln durchzogen sind, wie „Oh bitte nach Ihnen, mein Bester!“ (“You first, my dear”), „Ganz unzweifelhaft!“ (“Indubitably!”), „Ich würde nicht im Traum daran denken, vor Ihnen zu gehen!“ (“But, no, no, no. It must be you who goes first!”). In gleicher Weise bedienen die beiden sich auch immer wieder unnötig umständlicher und gehoben wirkender Formulierungen, um relativ einfache Sachverhalte zum Ausdruck zu bringen. So erklären sie in einem Cartoon, nachdem ihr Kontrahent ihnen ihr Diebesgut abgenommen hat: „Wir müssen unabdingbare Schritte unternehmen, um unser uns verlustig gegangenes Eigentum zurückzuerlangen.“ (“We must take vital steps to reclaim our property!”). Häufig flechten die beiden auch Shakespeare-Zitate in ihre Dialoge ein. Bob Clampett zufolge waren die Manierismen der beiden Figuren an entsprechende Darbietungen der Schauspieler Franklin Pangborn und Edward Everett Horton angelehnt.
In den Originalcartoons der Reihe waren die Gophers noch vornamenlos. In der fürs Fernsehen produzierten Sendung The Bugs Bunny Show (die aus Zusammenschnitten alter Cartoons fürs Kino mit neuen Rahmensequenzen bestand) wurden ihnen in den 1960er Jahren nachträglich die Namen Mac und Tosh (eine Anspielung auf den Familiennamen Macintosh) gegeben.
Nach der Schließung der ursprünglichen Warner Brothers-Cartoon-Studios in den 1960er Jahren wurden die Gophers Jahrzehnte lang in keinen Cartoon-Produktionen mehr verwendet. Seit den 1990er sind sie verschiedentlich wieder in Fernseh- und Filmproduktionen des Konzerns zu sehen: So nahmen sie zentrale Rollen in der Episode „I Gopher You“ der Cartoonserie The Sylvester and Tweety Mysteries und den Folgen „K-9 Kaddy“ und „Old McDodgers“ der Serie Duck Dodgers ein. In der Serie The Looney Tunes Show traten die beiden als Inhaber eines Antiquitätengeschäfts auf. Im Original wurden sie dabei von den Stimmschauspielern Rob Paulsen und Jess Harnell gesprochen.
Kurzfilme der Goofy Gophers-Reihe
- The Goofy Gophers, 1947. (Regisseure Bob Clampett und Arthur Davis)
- Two Gophers from Texas, 1948. (Regisseur Arthur Davis)
- A Ham in a Role, 1949. (Regisseure Arthur Davis und Robert McKimson)
- A Bone for a Bone, 1951. (Regisseur Fritz Freleng)
- I Gopher You, 1954. (Regisseur Fritz Freleng)
- Pests for Guests, 1955. (Regisseur Fritz Freleng)
- Lumber Jerks, 1955. (Regisseur Fritz Freleng)
- Gopher Broke, 1958. (Regisseur Robert McKimson)
- Tease for Two, 1965. (Regisseur Robert McKimson)
Literatur
- Richard Burt: Shakespeares After Shakespeare. An Encyclopedia of the Bard in Mass Media and Popular Culture, Bd. 1, Greenwood Press, 2007, S. 343.
- Jeff Lenburg: The Encyclopedia of Animated Cartoons, Checkmark Books, 1999, S. 87.
- ders.: Who’s Who in Animated Cartoons. An International Guide to Film & Television's Award-Winning and Legendary Animators, Applause, 2006, S. 291.