Goldfund von Boeslunde
Der 2015 gemachte Goldfund von Boeslunde auf der dänischen Insel Seeland besteht aus etwa 2000 Spiralen aus dünnem abgeflachten Golddraht von maximal 3,0 cm Länge, die zwischen 900 und 700 v. Chr. während der Bronzezeit entstanden.
Die Archäologen fanden zunächst nur wenige Spiralen, später wurden es mehr mit einem Gesamtgewicht zwischen 200 und 300 Gramm. Man fand auch zwei vergoldete Nadeln die halfen, die Spiralen zu datierten. Viele Spiralen scheinen in einer gefütterten Holzkiste begraben worden zu sein. Sie wurden als Klumpen gefunden, während Bündel von drei und vier Stücken wenige Meter weiter gefunden wurden. Im Spiralklumpen fanden sich Flocken von Birkenpech, als Beleg dafür, dass ein Futter in einer Holzschachtel mit einem Rindendeckel eingeklebt worden war.
Bei Boeslunde wurden einige der größten Goldfunde der nordischen Bronzezeit gemacht. Vor Jahren entdeckten Amateurarchäologen in der Region vier schwere goldenen Armringe, sogenannte Eidringe. Sechs weitere schwere Eidringe wurden auf dem Gelände gefunden. Bereits im 19. Jahrhundert fanden Landwirte bei zwei Anlässen (1842 und 1874) sechs Goldgefäße aus derselben Periode mit einem Gesamtgewicht von einem Kilogramm am etwa 500 m entfernten Borgbjerg.
- Goldfund von Boeslunde
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Eidringe
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Eidring
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Goldschale
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Goldschalen
Nichts Vergleichbares aus der Bronzezeit ist für die Spiralen bisher nachweisbar. Die Experten sind nicht sicher, wofür sie verwendet wurden, vermuten aber, sie könnten Teil eines zeremoniellen Gewandes oder Kopfschmucks gewesen sein, der das Sonnenlicht reflektierte.
2025 entdeckten Archäologen unmittelbar neben und unterhalb der älteren Goldvorkommen eine Quelle und förderten zwei eiserne Lanzen mit Goldverzierungen und ein Eisenobjekt zutage. Die AMS-Datierung des Birkenpechs an einer Lanzenspitze datiert die Lanzen in die Zeit um 900–830 v. Chr. und macht sie zu den ältesten Eisenfunden Dänemarks (Bronzezeit, Periode V). Röntgenaufnahmen der am besten erhaltenen Lanze zeigen mehrere runde Goldeinlagen entlang der Klinge, deren erhaltene Länge 47 cm beträgt, die Gesamtlänge wird auf etwa 60 cm geschätzt.
Südlich und östlich der Quelle befindet sich Feuerstellenplätze, die auf wiederholte Aktivitäten in der späten Bronzezeit deuten. Mit den Goldfunden legen die Lanzen nahe, dass Boeslunde ein bedeutendes religiöses und wirtschaftliches Zentrum war. Die vergoldeten Lanzen sind nicht nur national bemerkenswert. Eisenwaffen mit ähnlicher Goldverzierung aus dieser Zeit sind in ganz Nordeuropa einzigartig. Der Fund trägt zum Verständnis des luxuriösen Lebensstils der Bronzezeit und der Verbreitung früher Eisentechnologien bei, in der wertvolle Metalle über weite Netzwerke gehandelt wurden. Nachdem sie als Schmuck und Waffen getragen wurden, wurden die Objekte im Rahmen von Ritualen oft zusammen mit Wasser geopfert.
Literatur
- H.G. Broholm: The Midskov find, Acta Arch. (Kopenhagen), 19, 1948, S. 189–204
- F. Horst: Jungbronzezeitliche Kultplätze im nordischen Kulturbereich. in: Schlette/Kaufmann (Hrsg.) 1989, S. 219–224
- Karsten Kjer Michaelsen: Politikens bog om Danmarks oldtid. Kopenhagen 2002, ISBN 87-567-6458-8, S. 184
- Andrea Stapel: Bronzezeitliche Deponierungen im Siedlungsbereich. Dissertation, Waxmann, 1999, ISBN 3-89325-735-7