Goldenbaum (Mecklenburg)
Goldenbaum Gemeinde Carpin
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| Koordinaten: | 53° 19′ N, 13° 15′ O | |
| Postleitzahl: | 17237 | |
| Vorwahl: | 039821 | |
Lage von Goldenbaum in Mecklenburg-Vorpommern
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Goldenbaum
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Goldenbaum (Plattdeutsch: Goldenboom) ist ein Ortsteil in der Gemeinde Carpin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Das Dorf liegt im Müritz-Nationalpark und hat rund 90 Einwohner.
Geographie
Goldenbaum liegt etwa 17 km südöstlich von Neustrelitz und 17 km westlich von Feldberg (Mecklenburg) inmitten des östlichen Teils des Müritz Nationalparks (bekannt als Serrahn) und im Übergang zum Naturpark Feldberger Seenlandschaft. Die höchste Erhebung bildet der nahe dem Ort gelegene Galgenberg mit einer Höhe von 101 m ü. NHN.
Geschichte
Vorgeschichte und Herkunft des Ortsnamens
Südlich von Goldenbaum, entlang eines Endmoränenzugs, gibt es im Wald mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit. Sie deuten darauf hin, dass die Umgebung des Ortes schon 1500 v. Chr. besiedelt war. Die ersten umherziehenden Menschen trafen schon kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 8000 Jahren in der Region ein.[1]
Der Ortsname Goldenbaum hat seinen Ursprung in der Zeit, als westslawische Stämme das Gebiet zwischen Elbe und Ostsee besiedelten. Er soll sich vom slawischen Wort Golabov (golab = Taube) ableiten und wurde, nachdem im 12./13. Jahrhundert deutsche Ostsiedler in die Gegend kamen, in abgewandelter Form als „Goldenbowe“ von diesen übernommen.[2]
Gründung und Mittelalter
Wann es zur Gründung von Goldenbaum kam, ist nicht bekannt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es als Goldenbowe im Jahr 1393. Die ansässigen Bauern dürften sich bereits zuvor niedergelassen haben. 1474 ist die Bezeichnung dann Goldenbow, ab 1568 Goldenbaum.[3]
Neuzeit
Das Land rund um Carpin und damit auch Goldenbaum gehörte den Stargarder Herzögen. Vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit hinein wechselte Goldenbaum wiederholt den Besitzer. Mehrfach verpfändete der Herzog das Lehengut Goldenbow mit der Folge, dass die Goldenbaumer Bauern mit hohen Abgaben belastet werden, da die jeweiligen Gutsherren Gewinne erwirtschaften wollen. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) ging auch für Goldenbaum mit Verlusten einher. Schwedische und kaiserliche Truppen zogen durch das Land und plünderten. Knappes Saatgut, mangelnde Arbeitskräfte und fehlende Zugtiere zur Bestellung der Felder führten zur Hungersnot. Während des Krieges (1637–1638) und danach (1650) trat zudem die Pest auf und der sogenannte schwarze Tod raffte Teile der Bevölkerung dahin. Dennoch blieben im Dorf mehrere Bauernstellen besetzt und 1657 lebten mehr als 30 Einwohner im Ort. Im Jahr 1668 mussten alle Bauern ihr Pachtland abgeben und wurden in andere Dörfer angesiedelt. Dadurch sollte die Produktivität in der Landwirtschaft erhöht werden. Goldenbaum war von nun an als Meierei Goldenbaum (der Name bringt den Schwerpunkt der Milchverarbeitung zum Ausdruck) ein einziger Pachthof mit wechselnden Pächtern. Die Bevölkerung wuchs und um 1800 lebten rund 180 Menschen im Dorf.[4]
Das 19. Jahrhundert begann mit der sogenannten „Franzosenzeit“, als napoleonische Truppen auf dem Weg nach Osten durch das Land zogen. Auch danach blieb die wirtschaftliche Lage der einfachen Landbevölkerung trotz mancher Reformen schwierig. Wollten Menschen aus ihrer Armut flüchten, so drohten ihnen drakonische Strafen. Als Leibeigene wurde ihre Arbeitskraft ausgebeutet.[5] Verschärft wurde die Situation durch zwei Feuer in den Jahren 1875 und 1880, die Teile des Dorfes zerstörten. Zwischen 1848 und 1893 wanderten 35 Bewohner von Goldenbaum ohne Erlaubnis der Obrigkeit nach Amerika aus.[6]
Seit 1900
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ort zu einem domanialen Dorf (vergleichbar einer Domäne bzw. Kammergut) umgewandelt und an 12 Büdner verpachtet. Da ihre Erträge aufgrund der wenig fruchtbaren Böden nicht ausreichten, übernahmen sie vor allem im Winter zusätzlich Spanndienste in der Forstwirtschaft.
Von den Verlusten an Bewohnern während des Ersten und Zweiten Weltkriegs zeugen die (aufgrund des angebrachten Stahlhelms kriegerisch anmutenden) hölzernen Gedenktafeln in der Goldenbaumer Kirche. Ende April 1945 wurde Goldenbaum von der Roten Armee besetzt. Es kam zu schweren Übergriffen gegen die Bevölkerung, insbesondere Frauen.[7]
1960 schlossen sich im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR erste Bauern zu einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft zusammen. Weitere Bauern folgten. Während das Vieh auf den einzelnen Hofstellen verblieb, wurden die Felder gemeinsam bewirtschaftet. 1990/91 wurde die LPG im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung aufgelöst und das Land sowie das Inventar an die Bauern zurückgegeben. Zu dieser Zeit arbeiteten die meisten Goldenbaumerinnen und Goldenbaumer in der Forstwirtschaft oder dazugehörigen Einrichtungen.[8]
2026 befindet sich in Goldenbaum noch ein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb. Auf einigen Hofstellen wird noch Landwirtschaft im Nebenerwerb mit Vieh- und Geflügelhaltung betrieben. Die Goldenbaumer Erwerbsbevölkerung ist in vielen Berufen aktiv und pendelt dabei auch über größere Entfernungen (u. a. Berlin, Neubrandenburg).
Das Dorf heute
Bauliche Struktur und Sehenswürdigkeiten
Siehe auch:
Goldenbaum ist ein Straßendorf mit ca. 40 jüngeren und älteren Wohngebäuden. Das Ortsbild ist geprägt durch die land- und forstwirtschaftliche Geschichte des Dorfes. Typisch sind, wie auch sonst in Norddeutschland, Backsteinhäuser; bei landwirtschaftlichen Gebäuden finden sich auch Holz und Feldsteine als Baumaterial. Viele Gebäude haben seit den 1990er Jahren Grundsanierungen und Umbauten mit Veränderungen in der Fassade erfahren. Einige Gebäude sind neu hinzugekommen.
Von Carpin kommend zeigt sich rechter Hand am Ortsanfang ein 3-Seiten-Hof mit großer Feldsteinscheune und Schlafraum für Feriengäste. Linker Hand befindet sich das Gebäude des ehemaligen Dorfkrugs. In der Mitte des Dorfes gab es links vom Friedhof eine Schule sowie gegenüber einen ehemaligen Konsum. Beide Gebäude sind erhalten und befinden sich in Privatbesitz. Ebenfalls in der Ortsmitte und rechts vom Friedhof befinden sich die öffentlichen Hinweistafeln der Gemeinde und des Müritz-Nationalparks sowie ein Besucherparkplatz.
Am Ortsende liegt das Gebäude des ehemaligen Gutshauses[9] und späteren (ab ca. 1900) Forstgebäudes. Zu diesem gehörten früher große Feldsteinscheunen, von denen lediglich Mauerreste und alte Fotos zeugen. Haus und Hof wurden im Laufe der Jahre aufgeteilt und haben heute unterschiedliche Eigentümer. In einem ehemaligen Stall rechts vom alten Forsthaus steht heute ein Ferienhaus mit zwei Wohnungen. Gegenüber wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Doppelhäuser für durch Flucht und Vertreibung hinzugekommene Neubürger errichtet. Die schlichte Gutshofanlage ist auch landschaftsarchitektonisch durch die sie teilweise umgebenden und verwilderten Haselnusssträucher noch erkennbar.
Mittelpunkt des Ortes ist die in den Jahren von 1908 bis 1912 unter dem Großherzog Adolf-Friedrich V. errichtete Backsteinkirche (in der Nachfolge eines älteren Gotteshauses). Aufgrund ihrer zentralen Lage, des knapp 23 m hohen Kirchturms und ihrer Grundfläche von 227 m²[10] dominiert die Kirche aus jeder Himmelsrichtung kommend den Ort. Charakteristische Merkmale des Baus sind die neugotischen Spitzbogenfenster sowie ein markantes Oberlicht an der Westseite. Der quadratische Kirchturm wurde abgesetzt an das Kirchenschiff angefügt. Der Kirchhof ist zur Straße hin von einer Feldsteinmauer eingefasst. Die Kirche wurde 1993 einfach renoviert, die Bausubstanz ist durch Feuchtigkeit angegriffen. Für 2026 ist die Sanierung des Daches vorgesehen.
Kulturelle Aktivitäten
Nachdem Gottesdienste in der Kirche seltener wurden, hat das Gebäude lange Jahre wenig Aufmerksamkeit erfahren. Seit 2022 bemühen sich engagierte Einwohner im Einverständnis mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Wanzka darum, das Gebäude und den umgebenden Kirchhof mit neuem Leben zu füllen und die Kirche auch zum sozialen Mittelpunkt des Ortes werden zu lassen.[11] Seither werden jedes Jahr für die Öffentlichkeit verschiedene kulturelle Veranstaltungen angeboten. Musiker aller Altersgruppen aus Goldenbaum und umliegenden Orten kommen dabei zusammen. Auch überregionale Künstler wurden eingeladen. Besonders Chöre treten aufgrund der guten Akustik im Kirchenraum auf.[12]
Umgebung und Müritz Nationalpark
Landschaft
Die hügelige Endmoränenlandschaft rund um Goldenbaum prägen große zusammenhängende Buchen- und Mischwälder, zahlreiche Seen, Moore und Feuchtwiesen, die Lebensraum zahlloser Arten sind.[13]
Müritz Nationalpark
Am 12. September 1990 beschloss der Ministerrat der DDR auf seiner letzten Sitzung die Gründung von mehreren Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks. Am 1. Oktober 1990 traten diese Verordnungen in Kraft, sodass dieser Tag als Gründungsdatum des Müritz-Nationalparks gilt.
2023 gab es erstmals auf Initiative der Goldenbaumer Bevölkerung einen Austausch mit dem Leiter des Nationalparkamts.[14] -->
Tourismus
Durch seine Lage im Nationalpark ist Goldenbaum ein Erholungsort für Naturinteressierte, insbesondere durch die ausgedehnten Wälder des Nationalparks. Im Dorf beginnt unter anderem ein rund 5 km langer Rundweg zum Schweingartensee[15] Touristeninfrastruktur findet sich im Ort kaum. Es gibt einige Unterkunftsmöglichkeiten und ein Café für Fahrradfahrer und Wanderer, das selten geöffnet hat.[16]
Persönlichkeiten
- Holm Heinke (* 1944 in Chemnitz), Bildender Künstler und Saxophonist, wohnt und arbeitet in Goldenbaum.[17]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Jochen Rehmer: Gemeinde Carpin. 700 Jahre Orts- und Heimatgeschichte. 2013, S. 5
- ↑ Jochen Rehmer: Gemeinde Carpin. 700 Jahre Orts- und Heimatgeschichte. 2013, S. 79
- ↑ Jochen Rehmer: Gemeinde Carpin. 700 Jahre Orts- und Heimatgeschichte. 2013, S. 78–79
- ↑ Jochen Rehmer: Gemeinde Carpin. 700 Jahre Orts- und Heimatgeschichte. 2013, S. 81–83.
- ↑ Jochen Reimer: Carpin. Ein Bauerndorf in Mecklenburg-Strelitz erzählt. 2001, S. 13–26
- ↑ Jochen Rehmer: Gemeinde Carpin. 700 Jahre Orts- und Heimatgeschichte. 2013, S. 86.
- ↑ Sieben e.V.: Claus Weber, Hildegard Matthies (2025): 90 Jahre Leben in Goldenbaum - Ein Porträt von Adelheid Fabian. Carpiner Rundblick, Nr. 50, S. 16–18.
- ↑ Jochen Rehmer: Gemeinde Carpin. 700 Jahre Orts- und Heimatgeschichte. 2013, S. 95
- ↑ Gut Goldenbaum
- ↑ Lorna Manjana Langner und Kristina Marie Lilie: Die Umnutzung von Kirchen im ländlichen Raum am Beispiel der Gemeinde Wanzka in Mecklenburg-Vorpommern. 2021 [Diploma Thesis, Technische Universität Wien], S. 117. reposiTUm. https://doi.org/10.34726/hss.2021.79721
- ↑ Sieben e.V.: Hildegard Matthies (2022): Kirche in Goldenbaum: Viele Ideen zur gemeinschaftlichen Nutzung. Carpiner Rundblick, Nr. 50, S. 18f.
- ↑ Sieben e.V.: Hildegard Matthies (2025): Die Goldenbaumer Kirche. Carpiner Rundblick, Nr. 45, S. 3f.
- ↑ Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommern und Nationalparkamt Müritz: Müritz Nationalpark-Nationalparkplan. Bestandsanalyse. o.J.
- ↑ Sieben e.V.: Hildegard Matthies (2024): Neuer Leiter des Müritz-Nationalparks stellte sich in Goldenbaum vor. Carpiner Rundblick, Nr. 48, S. 11.
- ↑ Von Goldenbaum zum Schweingartensee bei komoot.com
- ↑ Café Kudu in Goldenbaum
- ↑ Website kunst-mse.de. Abgerufen am 1. Januar 2026.