Gli ossequi della notte
| Operndaten | |
|---|---|
| Titel: | Gli ossequi della notte |
|
Titelblatt des Librettos, Wien 1709 | |
| Form: | Serenata in einem Akt |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Johann Joseph Fux |
| Libretto: | Donato Cupeda |
| Uraufführung: | 15. Juli 1709 |
| Ort der Uraufführung: | Garten der Favorita, Wien |
| Personen | |
Gli ossequi della notte (deutsche Übersetzungen: ‚Die Schuldigkeit der Nacht‘ und ‚Die Huldigungen der Nacht‘, FuxWV II.2.9, K 305) ist eine Serenata (Huldigungsoper) in einem Akt von Johann Joseph Fux (Musik) mit einem Libretto von Donato Cupeda. Sie wurde am 15. Juli 1709 zum Namenstag der Kaiserin Wilhelmine Amalie im Garten der Favorita in Wien uraufgeführt.
Handlung
Die Serenata hat keine Handlung im herkömmlichen Sinn. Stattdessen unterhalten sich allegorische Figuren sowie eine Muse und eine Grazie über die Frage, ob eine Huldigungsfeier auch in der Nacht stattfinden darf. Widerspruch dazu kommt naturgemäß vom Schlaf und von der Stille. Als die beiden aber von den Tugenden der vom Himmel auf die Erde gesandten Herrscherin erfahren, stimmen sie ebenfalls in die Lobpreisungen ein.
Ein kunstvoll gebautes, mit eleganten Pyramiden verziertes und prunkvoll beleuchtetes Amphitheater über dem Fischteich im kaiserlichen Garten der Favorita
La Notte (die Allegorie der Nacht), die Muse Urania, die Grazie Pasitea und l’Architettura (die Allegorie der Architektur) treten auf. La Notte erklärt, dass es nach Sonnenuntergang ihre Aufgabe sei, die Kaiserin zu preisen (Arie Notte und Ensemble: „Di Donna reale“). L’Architettura stellt ihr zu diesem Zweck auf dem Wasser ein prächtiges und hell strahlendes Gebäude zur Verfügung (Arie Architettura: „Che vuol dir, che più sereno“). La Notte vergleicht dieses Licht mit dem Ruhm der Herrscherin (Arie Notte: „Belle fiamme, che al Cielo sorgete“).
Urania und Pasitea steigen aus ihren Sphären herab, um in den Lobpreis einzustimmen. La Notte bittet die beiden, dafür zu sorgen, dass il Sonno (der Schlaf, Pasiteas Geliebter) und il Silenzio (die Stille, Uranias Untergebener) den Huldigungen nicht in die Quere kommen. Urania ruft die beiden herbei (Arie Urania/Sonno/Silenzio: „Sù, sù, pensieri“). Il Silenzio weigert sich, seine Bestimmung aufzugeben, wird aber von den anderen überstimmt (Arie Silenzio: „Suoi spazi immensi“ – Ensemble: „Non è tempo di tacer“). Ähnlich reagiert il Sonno (Arie Sonno: „Su ’l mortal, che stanco giace“ – Ensemble: „È ben tempo di posar“). Da il Silenzio weiterhin auf Ruhe besteht (Arie Silenzio: „Belle dive, ma severe“), erklären ihm la Notte, l’Architettura, Urania und Pasitea, dass dafür nur dann Zeit sei, wenn Hass, Betrug, Tyrannei oder Hinterlist drohen. Il Sonno versucht, seine geliebte Pasitea zu sich zu locken (Arie Sonno: „Caro mio ben“). Grazien dürfen jedoch niemals ruhen. Sie müssen stets bereit sein, einen Verdienst zu preisen (Arie Pasitea: „Per correr veloci“).
Auf Bitten von la Notte fahren Urania und Pasitea nun mit dem Lobpreis auf die Schönheit und die Tugenden der Widmungsträgerin fort, deren Seele von Jupiter persönlich geformt wurde (Arie Urania: „Qual, se appare la nuova Fenice“ – Arie Pasitea: „De la gloria il dolce inganno“). Urania ergänzt, dass Jupiter sie anschließend auf die Erde sandte, um für das Gemeinwohl ganz Europas zu wirken (Arie Urania: „Con lei di lieta sorte“). Neugierig geworden, möchten il Silenzio und il Sonne wissen, um wen es sich bei dieser großartigen Person handelt. Erst jetzt nennt la Notte ihren Namen: „Amalia“. Il Sonno und il Silenzio sehen ein, dass nun wirklich nicht die richtige Zeit ist, um zu schweigen oder zu schlafen.
Alle jubeln der Kaiserin zu (Arie Notte: „Gli spazi del mondo facciam rimbombar“ – Chor: „Gli spazi del mondo facciam rimbombar“). L’Architettura lobt ihre Verachtung äußerlichen Ruhms (Arie Architettura: „Van desire di gloria non ha“), il Silenzio ihre Weisheit in der Redekunst (Arie Silenzio: „Sì saggia è la favella“), Urania ihre Tugend (Arie Urania: „La virtù sbandita tornò“), il Sonno ihre Güte (Arie Sonno: „Io tra l’ombre de’ riposi“) und Pasitea ihre Wohltätigkeit (Arie Pasitea: „Qual alma si vide più grande“). Schließlich beendet la Notte die Vorstellung mit der Bemerkung, dass die Bescheidenheit der Kaiserin keinen weiteren Beifall mehr zulasse (Arie Notte: „Di sue glorie al suon, che spiace“). Dem pflichten alle bei: „Diese große Seele freut sich ihrer Verdienste, aber nicht ihres Lobs“ (Chor „Quella grand’alma“).
Gestaltung
Orchester
Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:[1.1]
- Tromba (Clarino) I und II (Coro primo)
- Tromba III und IV (Coro secondo)
- Chalumeau
- Oboe I und II
- Fagott
- Violine I und II (Coro primo, Coro secondo, Coro piccolo)
- Viola d’amore
- Viola
- Viola da gamba
- Violoncello
- Violone
- Cembalo
Musiknummern
Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:[1.2]
- Nr. 1. Sinfonia
- Rezitativ (Notte): „Ne’ mauritani flutti“
- Nr. 2. Arie (Notte, Chor): „Di Donna reale“
- Rezitativ (Architettura): „O gran madre del mondo“
- Nr. 3. Arie (Architettura): „Che vuol dir, che più sereno“
- Ritornello
- Rezitativ (Notte): „Qual su quest’onde algenti“
- Nr. 4. Arie (Notte): „Belle fiamme, che al Cielo sorgete“
- Ritornello da capo
- Rezitativ (Urania, Pasitea, Notte): „Qua da i cerchi stellanti“
- Nr. 5. Arie (Urania, Sonno, Silenzio): „Sù, sù, pensieri“
- Rezitativ (Silenzio): „La stagione è pur questa“
- Nr. 6. Arie (Silenzio): „Suoi spazi immensi“
- à 5 (Notte, Urania, Pasitea, Architettura, Silenzio): „Non è tempo di tacer“
- Ritornello
- Rezitativ (Sonno): „Senz’alterno riposo“
- Sonatina
- Nr. 7. Arie (Sonno): „Su ’l mortal, che stanco giace“
- à 5 (Notte, Urania, Pasitea, Architettura, Sonno): „È ben tempo di posar“
- Ritornello
- à 6 (Notte, Urania, Pasitea, Architettura, Sonno, Silenzio): „Loquacità noiosa“
- Nr. 8. Arie (Silenzio): „Belle dive, ma severe“
- Rezitativ (Notte, Architettura, Urania, Pasitea, Sonno): „Allor che l’interesse“
- Nr. 9. Arie (Sonno): „Caro mio ben“
- Rezitativ (Pasitea): „No: le Grazie dormir“
- Nr. 10. Arie (Pasitea): „Per correr veloci“
- Rezitativ (Notte, Urania): „Hor l’interrotte lodi“
- Nr. 11. Arie (Urania): „Qual, se appare la nuova Fenice“
- Ritornello
- Rezitativ (Pasitea): „Ben mi sovviene, amica“
- Nr. 12. Arie (Pasitea): „De la gloria il dolce inganno“
- Ritornello da capo
- Rezitativ (Urania): „Ma insiem le nostre gare“
- Nr. 13. Arie (Urania): „Con lei di lieta sorte“
- Rezitativ (Silenzio, Sonno, Notte, Urania, Pasitea, Architettura): „Ma dite almeno, o Dive“
- Nr. 14. Arie (Notte): „Gli spazi del mondo facciam rimbombar“
- Chor: „Gli spazi del mondo facciam rimbombar“
- Rezitativ (Architettura): „D’immortalar ne’ marmi“
- Nr. 15. Arie (Architettura): „Van desire di gloria non ha“
- Ritornello
- Rezitativ (Silenzio): „Ne le saggie sue labbra“
- Nr. 16. Arie (Silenzio): „Sì saggia è la favella“
- Rezitativ (Urania): „E gloria il confessar“
- Nr. 17. Arie (Urania): „La virtù sbandita tornò“
- Rezitativ (Sonno): „Se mai del merto afflitto“
- Nr. 18. Arie (Sonno): „Io tra l’ombre de’ riposi“
- Ritornello
- Rezitativ (Pasitea): „Le Grazie fide ancelle“
- Nr. 19. Arie (Pasitea): „Qual alma si vide più grande“
- Rezitativ (Notte): „Ma non più, no“
- Nr. 20. Arie (Notte): „Di sue glorie al suon, che spiace“
- Rezitativ (Notte): „Quella grand’alma“
- Nr. 21. Chor: „Quella grand’alma“
Libretto
Der Text enthält viele Anspielungen und Vergleiche an die dem damaligen Publikum bekannte Mythologie und Symbolik. Der Text ist vollständig in gebundener Sprache gehalten. Die Arien haben Strophenform und differenzierte Reimschemata, während die Rezitative bis auf die beiden Schlussverse nicht gereimt werden. Ungewöhnlicherweise münden mehrere Arien in einen Chor der Widersacher des jeweiligen Sängers.[1.3]
Musik
Das Stück besitzt keine echten Ensemblesätze, aber an einigen Stellen gibt es Einschübe, die von mehreren Personen gesungen werden.[1.4]
Die Orchesterbesetzung ist ungewöhnlich groß und die Instrumentierung abwechslungsreich. Die Sinfonia und weitere bedeutende Textabschnitte vertonte Fux mehrchörig. Die Trompeten, die der Musik den festlichen Charakter geben, sind explizit in einen „Coro primo“ und einen „Coro secondo“ aufgeteilt.[1.5] Auch die Violinen sind entsprechend verteilt. Für sie gibt es zusätzlich eine kleinere Zusammenstellung („Coro piccolo“), die durchgehend mitspielt. Die unterschiedliche Bezeichnung der Trompeten als „Tromba“ bzw. „Clarino“ hat keine musikalische Bedeutung. Das Clarinregister der Trompeten wird in beiden Chören eingesetzt.[1.6]
In Sonnos Arie Nr. 7 („Su ’l mortal, che stanco giace“) stellen vier Gamben lautmalerisch das „Entfalten der Flügel des Schlafes“ dar. Die Begleitung dieser Arie ist ansonsten reduziert auf die Violinen des „Coro piccolo“ und das Chalumeau. In der Liebesarie Nr. 9 („Caro mio ben“) werden die Gamben mit einer Viola d’amore kombiniert.[1.7]
Werkgeschichte
Johann Joseph Fux komponierte diese Serenata 1709 zum Namenstag der österreichischen Kaiserin Wilhelmine Amalie. Als Libretto verwendete er einen älteren Text des damaligen Wiener Hofdichters Donato Cupeda, der bereits am 25. Juli 1701 in einer Vertonung von Marc’Antonio Ziani am selben Ort gezeigt worden war.[1.8] Cupeda (um 1660–1704) stammt mutmaßlich aus dem Königreich Neapel und wirkte seit 1689 in Wien. 1694 wurde er dort Nachfolger des Hofdichters Nicolò Minato.[1.9]
Einer von Cupedas Nachfolgern, Pietro Antonio Bernardoni oder Silvio Stampiglia, passte den Text an die neuen Umstände an und ersetzte an zwei Stellen den Namen der gepriesenen Kaiserin (damals Eleonore Magdalene Therese) durch den der neuen Kaiserin Wilhelmine Amalie.[1.8]
Die Aufführung fand am Abend des 15. Juli 1709 vor dem Teich im Garten der Favorita in Wien in einer Ausstattung von Antonio Beduzzi statt.[1.8] Die Namen der Sänger sind in einer zeitgenössischen Abschrift der Partitur aufgeführt. Es handelte sich um die Sopranistin Kunigunda Sutter von Rosenfeldt (la Notte), den Sopran-Kastraten Domenico Tollini (Urania), die Alt-Kastraten Gaetano Orsini (Pasitea) und Salvatore Mellini (l’Architettura), den Tenor Tommaso Bigelli (il Sonno) und den Bass Giovanni Battista Cattivelli (il Silenzio).[1.10]
Ein Partiturmanuskript und die Stimmen sind in der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert (Mus.Hs. 17998 und Mus.Hs. 17999). Klaus Winkler gab 1994 eine erste Neuausgabe der Partitur im Rahmen der Fux-Werkausgabe der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt Graz heraus.[2] Eine Wiederentdeckung gab es 2020 beim Festival Styriarte – aufgrund der Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie zwar nur in einer reduzierten einstündigen Fassung zusammen mit einigen weiteren Werken,[3] dafür aber an zwei Tagen jeweils dreimal nacheinander.[4] Parallel dazu erschien eine neue historisch-kritische Ausgabe der Partitur von Alexander Rausch.[5]
Aufnahmen
- 1. Juli 2020 – Alfredo Bernardini (Dirigent), Styriarte Festspiel-Orchester.
Maria Ladurner (la Notte), Valerio Contaldo (il Sonno).
Ouvertüre und Arien aus der Oper; Eröffnungskonzert der Styriarte 2020 „Die Geschenke der Nacht“; live aus der Grazer Helmut-List-Halle.
Videostream auf YouTube.[6]
Literatur
- Alexander Rausch: Gli ossequi della Notte FuxWV II.2.9 (K 305). Historisch-kritische Ausgabe der Partitur (= Johann Joseph Fux Werke. B/I/3). Hollitzer, Wien 2022, ISBN 978-3-99012-886-2.
Digitalisate
- Gli ossequi della notte, K.305: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Libretto (italienisch), Wien 1709. Digitalisat der Wolfenbüttler Digitalen Bibliothek
Weblinks
- Gli ossequi della notte (Johann Joseph Fux) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna
- Programmheft „Die Geschenke der Nacht“. Styriarte 2020 ( vom 5. August 2024 im Internet Archive).
Einzelnachweise
- ↑ Partiturausgabe von Alexander Rausch. Hollitzer, Wien 2022, ISBN 978-3-99012-886-2.
- ↑ Gli ossequi della notte. Partitur, 1994. Datensatz bei WorldCat, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ „Die Geschenke der Nacht“ bei der Styriarte. Österreichische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Hermann Becke: Graz: „Geschenke der Nacht“, Johann Joseph Fux. In: Der Opernfreund. 2. Juli 2020, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Alexander Rausch: Informationen zur neuen Partiturausgabe auf der Website des Verlags Hollitzer, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Eröffnungskonzert der Styriarte 2020 „Die Geschenke der Nacht“ auf YouTube.