Glatter Bartfaden
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Glatter Bartfaden (Penstemon glaber) | ||||||||||
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Der Glatte Bartfaden (Penstemon glaber) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Bartfaden (Penstemon) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).[1] Er ist in den Rocky Mountains und den Prärien der Great Plains beheimatet und wird als Zierpflanze verwendet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Glatte Bartfaden ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 50 bis 65 (10 bis 80) Zentimetern erreicht.[1] Die aufsteigenden Stängel sind kahl oder kurz und weich behaart.[1]
Die Laubblätter sind grundständig und gegenständig am Stängel verteilt angeordnet.[1] Die Blattflächen sind kahl oder flaumig behaart.[1] Die grundständigen Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert; können manchmal reduziert sein oder sie fehlen ganz.[1] Es sind meist drei bis sechs (zwei bis acht) Paare sitzender Stängelblätter vorhanden.[1] Die Grundblätter und unteren Stängelblätter sind bei einer Länge von 2 bis 8, selten bis zu 15,5 Zentimetern sowie einer Breite von 0,5 bis 2, selten bis zu 4,5 Zentimetern verkehrt-eiförmig bis verkehrt-lanzettlich oder lanzettlich mit sich verschmälernder Basis, stumpfem bis spitzem oberen Ende und der Blattrand ist ganzrandig sowie meist gewellt.[1] Bei den mittleren bis oberen Stängelblättern sind die Blattspreiten bei einer Länge von 2,7 bis 12, selten bis zu 15 Zentimetern sowie einer Breite von meist 2,2 bis 3,5 (0,6 bis 4,3 Zentimetern) lanzettlich mit gestutzter bis herzförmiger Basis und stumpfen bis spitzem oberen Ende.[1]
Generative Merkmale
Die Blütezeit liegt im Sommer.[1] Der endständige, meist 6 bis zu 26 (3 bis 30) Zentimeter lange, nicht unterbrochene, kompakte, thyrsoide Blütenstand besitzt eine kahle oder kurz flaumig behaarte Blütenstandsachse.[1] Der Blütenstand setzt sich aus drei bis meist fünf bis zwölf quirligen Teilblütenständen zusammen, bei denen sich je Knoten die zymösen Teilblütenstände jeweils zwei bis vier gestielte Blüten.[1] Die bis zu 7,1 Zentimeter langen Blütenstandsachsen und die 4 bis 14 Millimeter langen Blütenstiele sind kahl oder flaumig behaart.[1] Die untersten Tragblätter sind bei einer Länge von 1,4 bis 10 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 36 Millimetern eiförmig bis lanzettlich.[1]
Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind an ihrer Basis verwachsen. Die fünf kahlen oder kurz behaarten Kelchlappen sind bei einer Länge von 2 bis 11 Millimetern sowie einer Breite von 1,3 bis 5,5 Millimetern ei- bis kreisförmig.[1] Die fünf Kronblätter sind zu einer zweilippigen Blütenkrone verwachsen. Die blaue bis violette Blütenkrone weist rötlich-purpurfarbene Saftmale auf. Die 2,4 bis 4,8 Zentimeter lange Blütenkrone ist kahl oder innen spärlich bis moderat weiß-wollig behaart.[1] Die 5 bis 12 Millimeter lange Kronröhre ist allmählich aufgebläht und an der Schlundöffnung leicht eingeschnürt mit einem Durchmesser von 8 bis 13, bis selten 18 Millimetern.[1] Die vier Staubblätter überragen die Blütenkrone nicht oder das längere Paar reicht mit den meist weiß oder hell behaarten Pollensäcken bis zur Schlundöffnung.[1] Die Pollensäcke öffnen sich unvollständig.[1] Das kahle oder blassgelb-wollig behaarte Staminodium ist 15 bis, meist 15 bis zu 22 Millimeter lang und kann in der Blütenkrone eingeschlossen sein oder etwas hervorstehen. Der kahle Griffel ist 18 bis 20 Millimeter lang.[1]
Die 10 bis 17 Millimeter lange und 5 bis 8 Millimeter breite, kahle Kapselfrucht[1] enthält viele Samen.
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl ist x = 8; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 16.[1]
Vorkommen
Der Glatte Bartfaden ist in den Rocky Mountains und den Prärien der Great Plains, von Montana und North Dakota im Norden bis New Mexico und Nordostmexiko im Süden, verbreitet. Er besiedelt dort sandige und kiesige Ufer und Hänge der trockenen Kurzgrasprärien sowie lichte Kiefernwälder der Hügel- und Bergregionen in montanen und subalpinen Höhenlagen von 1100 bis 2900 Metern.[1]
Systematik
Die Erstbeschreibung von Penstemon glaber erfolgte im Jahr 1813 durch Frederick Traugott Pursh in Flora Americae Septentrionalis, Band 2, Seite 738.[2] Das Artepitheton glaber bedeutet „glatt“, „unbehaart“, „kahl“ und bezieht sich hier auf die glänzenden Laubblätter dieser Art. Der Glatte Bartfaden gehört zur Sektion Glabri der Untergattung Penstemon innerhalb der Gattung Penstemon.[1]
Populationen des Glatten Bartfadens wurden mit mehreren Arten, Unterarten und Varietäten beschrieben.[3] Später stellte sich jedoch heraus, dass die meisten der beschriebenen, unterscheidenden Merkmale nur umweltbedingte Variationen einer Art sind.[1] Anerkannt wurden bei Flora of North Amerika 2006 die drei folgenden Varietäten:[1]
- Penstemon glaber var. alpinus (Torr.) A.Gray: Sie ist in Wyoming, Nebraska, Colorado und New Mexico verbreitet. Sie gedeiht auf kiesigen Granithängen und an Straßenböschungen in Höhenlagen von 1500 bis 2900 Metern.[1] Ihre Stängel sind kahl oder im unteren Bereich kurz behaart. Die eiförmigen Kelchblätter sind kürzer als ein Zentimeter und haben eine lang zugespitzte Spitze. Die bis zu 35 Millimeter lange Blütenkrone ist innen spärlich bis mäßig weiß behaart. Die Staminodiumspitze ist abgerundet oder gegabelt.
- Penstemon glaber var. brandegeei (Porter) C.C.Freeman: Sie ist in Colorado und New Mexico auf sandigen, kiesigen Berghängen und Hügeln verbreitet. Ihre Stängel sind unten kurz behaart. Die bis zu 11 Millimeter langen Kelchblätter sind eiförmig bis rund mit einer langen zugespitzten Spitze. Die bis zu 48 Millimeter lange Blütenkrone ist innen kahl oder spärlich weiß-wollig behaart. Die Staminodiumspitze ist meist gegabelt.
- Penstemon glaber Pursh var. glaber: Sie ist in Montana, North- und South Dakota, Wyoming und Nebraska verbreitet. Sie gedeiht auf sandigen oder kiesigen Kurzgrasprärien und in Kiefernwäldern in Höhenlagen von 1100 bis 2200 Metern.[1] Südlich entlang der Front Range wird sie durch die beiden anderen Varietäten abgelöst. Sie besitzt kahle Stängel. Ihre bis zu 5 Millimeter langen Kelchblätter sind eiförmig bis rund und haben eine abgerundete oder abrupt und kurz zugespitzte Spitze. Die bis zu 33 Millimeter lange Blütenkrone ist kahl oder innen spärlich bis mäßig weiß-wollig behaart.
Verwendung
Der Glatte Bartfaden wird selten als Zierpflanze verwendet.[4] Seit spätestens 1784 ist er in Kultur[5] und eignet sich besonders für Freiflächen mit Wildstaudencharakter, prärieartige Anlagen und Staudenrabatten. Er bevorzugt sonnige Standorte auf mäßig trockenen, durchlässigen, sandig-kiesigen Böden.[6] Der Glatte Bartfaden ist bis −40 °C (Zone 3) winterhart,[7] gilt aber als relativ kurzlebig und benötigt Schutz gegen andauernde Winternässe.[8]
Literatur
- Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 697–701, Kapitel Penstemon.
Weblinks
- Datenblatt Penstemon glaber var. glaber bei Wolfe Lab, The Ohio State University.
- Datenblatt western smooth beardtongue mit Verbreitungskarte bei WildflowerSearch.
- Wildflowers of the Southern Rocky Mountains bei Marilyn Phillips.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab Craig C. Freeman: Penstemon. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Band 17. Oxford University Press, New York u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, Penstemon glaber Pursh auf S. 167 (textgleiche Online-Version).
- ↑ Frederick Traugott Pursh: Flora Americae Septentrionalis. Band 2. London 1813, S. 738 (Digitalisat).
- ↑ Datenblatt Penstemon glaber Pursh bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
- ↑ Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, Abschnitt P. glaber Pursh auf S. 699.
- ↑ Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 466.
- ↑ Penstemon glaber bei Lady Bird Johnson Wildflower Center.
- ↑ The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie. Dorling Kindersley, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, Abschnitt P. glaber auf S. 361.
- ↑ Stephen L. Love: The Genus Penstemon: Taxonomy as related to performance in landscape applications. In: Report of the Intermountain Native Plants Cooperative. Band 5, 2013, S. 21 (Online [PDF]).