Glöckner
Ein Glöckner (veraltet, lat. Campanarius) ist eine Person, deren Aufgabe es ist, die Kirchenglocken einer Kirche zu läuten.
Beschreibung
Ein Glöckner bringt manuell durch Ziehen von Seilen oder Gewichten große schwere Metallglocken zum Schwingen, die dann mittels des Klöppels den beim Guss der Glocke entstandenen Ton erzeugt. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und kann häufig das Gehör des Menschen schädigen. Diese Aufgabe wird heutzutage von den Küstern bzw. Mesnern wahrgenommen. Dies geschieht inzwischen meist nicht mehr durch Ziehen des Glockenseils, sondern mittels einer elektrischen Steuerung, die manuell oder automatisch eingeschaltet wird.
Fast alle Glöckner arbeiten, wie auch in früherer Zeit, ehrenamtlich. Der Höhepunkt einer Glöckner-Karriere ist im Wesentlichen die Ausübung der traditionellen Arbeit während eines offiziellen Gottesdienstes. Glockenklang hatte in der Geschichte aber auch verschiedene Funktionen, wie Ehren-, Schand-, Sturm-, Feuer-, Feierabend-, Bet-, Armesünder- und weiteres Glockenläuten.[1] Dabei war das Glockenläuten auch von öffentlich-rechtlichen Belangen und in Rechtsordnungen geregelt. Missbrauch von Signalen stand unter Strafe. Die einzelnen Läutzeichen konnten dabei regional sehr unterschiedlich sein. Die Pausen, Anzahl und Stärke der Läutzeichen konnten nach Ort variieren. Der Glöckner hatte damit kirchliche wie weltliche Verantwortung zu tragen.
Geschichte
Seitdem Kirchen mit Glocken ausgestattet wurden, und das geht auf frühere Jahrhunderte zurück, mussten die Glockenkörper von Menschen geschlagen werden. Die Glocken wurden drehend aufgehängt und mittels eines seitwärts angebrachten Seiles zum Schwingen gebracht. Es bildete sich die Berufsbezeichnung Glöckner heraus.
Gerade in kleineren Gemeinden wurde der Dienst des Glockenläutens auch von Jungen übernommen, die Läutejungen genannt wurden.[2]
Bekannt wurde der Beruf durch den Roman Der Glöckner von Notre-Dame von Victor Hugo bzw. seine Adaptierung für Film und Musical.
Verbreitung
- In England werden die Personen, die die Kirchenglocken manuell läuten, auch Bell-Ringer genannt. Weil eine typische englische Kirche um sechs Glocken besitzt, finden sich ganze Gruppen von Glöcknern zusammen, die nach einem Taktgeber arbeiten.[3]
- In russischen Kirchen gibt es meist mehrere starr aufgehängte Glocken, die von einem Glockenspieler über Seilzüge bedient werden; dabei werden häufig ganze Melodien gespielt. Die Konstruktion ähnelt eher einem Carillon.
- In japanischen Klöstern werden die Glocken nicht beweglich angeordnet, sondern frei hängend installiert. Dann werden sie von außen mittels eines Stößels zum Klingen gebracht. Diese Tätigkeit hat keine gesonderte Bezeichnung. Das zeigt auch die im Berliner Volkspark Friedrichshain errichtete Weltfriedensglocke (siehe Bild).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Peter Fauser: Über Glocken und Glöckner - Einblicke in ein komplexes kulturelles Phänomen. Hrsg.: Thüringische Vereinigung für Volkskunde e. V. TVV-Mitteilungen, Folge 31. Hohenfelden 2023, S. 28 f.
- ↑ Günther Schubarth: Als "Läutejunge" in Gellershausen 1965 bis 1967. Hrsg.: Thüringische Vereinigung für Volkskunde. TVV-Mitteilungshefte, Folge 31. Hohenfelden 2023.
- ↑ Die Küsten des Königreiches. Westwärts nach Cornwall, TV-Bericht über einen Segeltörn eines Deutschen. Abrufbar in der Mediathek online.