Gisela Bührmann

Gisela Bührmann (* 11. Januar 1925 in Hamburg; † 7. April 2011 ebenda) war eine deutsche Malerin und Grafikerin.

Leben

Gisela Bührmann wuchs in kreativem Umfeld auf. Ihr Großvater war Heinrich Umlauff, Völkerkundeschaubetreiber, Kostümbildner und Filmarchitekt. Ihr Urgroßvater J. F. G Umlauff hatte auf der Hamburger Reeperbahn eine Naturalienhandlung gegründet, in der er mit Hilfe seiner Familie bis hin zu den Enkelkindern Naturalien und Kuriositäten von Muschelproduktionen bis zu Tierpräparaten verkaufte. Die Kindheitserinnerungen Gisela Bührmanns an dieses kleine Museum ihrer Familie wurde später in manchen ihrer Werke deutlich, die gerne geheimnisvolle organische und anorganische Strukturen zeigten.

Während des Zweiten Weltkrieges schlug sich Bührmann zeitweise als Hilfszeichnerin in einer Elektrofabrik für Kriegsmaterial durch, ehe sie 1943 die Meisterschule für Mode in Hamburg besuchen konnte. Nach Bombardierung ihrer Wohnung in Stellingen zog sie in den Bayerischen Wald und machte 1945 in Cham ihr Abitur.

1946 begann sie ihr Studium bei dem Maler und Grafiker Willem Grimm an der Landeskunstschule (heute Hochschule für bildende Künste Hamburg). 1952 bestand sie das Kunsterzieher-Examen und begann an Gymnasien zu unterrichten. Nebenher widmete sie sich freiberuflich ihren künstlerischen Fähigkeiten. Ihr früherer Kommilitone, der gleichaltrige Maler und Grafiker Reinhard Drenkhahn wurde ihr Lebensgefährte. Sie gründeten eine Ateliergemeinschaft in der Sierichstraße 52. Zu ihren Freunden zählten Horst Janssen und Paul Wunderlich. Reinhard Drenkhahn wählte im Alter von 33 Jahren 1959 den Freitod.

Schaffen

1959 entstanden Gisela Bührmanns erste Radierungen, 1961 erste Zeichnungen, die sie selbst als gut empfand. Die Motive ihrer gegenständlichen Arbeiten sah sie in Figuren und Szenen, Landschaften und Häusern. 1963 bekam sie ein Jahresstipendium an der Villa Massimo in Rom. Dort schuf sie erste Gemälde. Fortan beschäftigte sie sich bis an ihr Lebensende vor allem mit Stillleben und Selbstbildnissen. Ihre Werke wurden farbiger, bei reduzierter Darstellung. Sie interpretierte vor allem Vergänglichkeit. Sie malte Muscheln, tote Tiere, Menschenschädel, verbrauchte Gegenstände, Gedörrtes, Brot, Pflastersteine, Fragmente einer zerstörten Villa. Von 1969 bis 1990 arbeitete sie als Dozentin an Fachschule für Gestaltung in Hamburg. Zu ihren Studenten gehörten der Maler und Bildhauer Peter Fetthauer und die Malerin, Fotografin und Autorin Agnes Voigt.

Gisela Bührmann starb 2011 im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit in Hamburg. Die Freie Akademie der Künste widmete ihr zum Gedenken 2012 die Ausstellung Gisela Bührmann – nature morte – Gemälde und Zeichnungen aus dem Nachlass.

Gisela Bührmann ist bei ihren Eltern im Familiengrab auf dem Friedhof Nienstedten (Grabstätte Abt. 20 Nr. 95) in Hamburg bestattet.

Nachlass

  • Verwalter des künstlerischen Nachlasses ist Rainer Martens.
  • Das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum Schloss Gottorf besitzt das gesamte druckgraphische Werk sowie eine Reihe von Ölbildern und Zeichnungen Bührmanns.
  • Weitere Werke sind zu finden in der Hamburger Kunsthalle und anderen norddeutschen Museen.

Werke (Auswahl)

  • Sitzende, 1963, Kaltnadelradierung auf Papier, 398 × 315 mm, Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle (Inventarnummer 2003-663)
  • Schädel mit Papiertüten, 1971, Radierung, 330 × 490 mm, rechts unterhalb der Darstellung signiert: G. Bührmann, Bremer Kunsthalle (Inventarnummer 1971/568)
  • Weisse Figur mit verhülltem Kopf, 1972, Öl auf Papier, 47,8 × 35,8 cm, unten Mitte signiert: G. Bührmann, Bremer Kunsthalle (Inventarnummer 1097-1973/1)[1]
  • Wand mit weißen Tüchern und weißem Stilleben, 1976, Öl auf Leinwand, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Galerie der Klassischen Moderne, Schleswig (Inventar-Nr. 1999/103)[2]
  • Schädel mit trockenen Blättern, 1977, Öl auf Leinwand, Bremer Kunsthalle (Inventarnummer 1803-2023/43)
  • Großes Interieur, 1976, Bleistift- und Aquarell-Zeichnung auf Papier, 455 × 480 mm, Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle (Inventarnummer 1977-174)
  • Blumenkohl, 1980, Bleistiftzeichnung auf Papier, 340 × 405 mm, Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle (Inventarnummer 1984–94)
  • Helm und Schädel, 1982, Bleistift- und Eitempera-Zeichnung auf Papier, Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle (Inventarnummer 1984–96)

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1972: Gisela Bührmann: Ölbilder, Handzeichnungen, Druckgraphik, Kunsthalle Bremen
  • 1973: Deutsche Zeichner der Gegenwart, Kunsthalle Bielefeld
  • 1992: Von Menzel bis Beuys, Veste Coburg
  • 1998: Gisela Bührmann : Stilleben aus vier Jahrzehnten, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Kloster Cismar
  • 2000: Fundstücke – Malerei von Gisela Bührmann, Altonaer Museum, Hamburg
  • 2012: Gisela Bührmann – nature morte – Gemälde und Zeichnungen aus dem Nachlass, Freie Akademie der Künste Hamburg
  • 2025: Gisela Bührmann – Lebenswerk 1925–2011, Kreismuseum Prinzeßhof[3]
  • 2025: Gisela Bührmann, 1925–2011, Studien und Zeichnungen, Freie Akademie der Künste Hamburg

Ehrungen

  • 1969: Edwin-Scharff-Preis des Hamburgischen Senats
  • 1970: Aufnahme in die Freie Akademie der Künste

Literatur

  • Maike Bruhns (Redaktion): Der neue Rump, Wachholtz-Verlag Neumünster/Hamburg 2013, Seite 71, ISBN 978-3-529-02792-5
  • Susanne Geese: Bührmann, Gisela. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 15, Saur, München u. a. 1996, ISBN 3-598-22755-8, S. 40.
Commons: Gisela Bührmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Werke von Gisela Bührmann. In: onlinekatalog.kunsthalle-bremen.de. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  2. Wand mit weißen Tüchern und weißem Stilleben. In: kunstbeziehung.de. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  3. Pressemitteilung Gisela Bührmann – Lebenswerk 1925–2011. In: steinburg.de. (PDF; 0,2 MB) Abgerufen am 31. Dezember 2025.