Girolamo Pollini
Girolamo Pollini (* wahrscheinlich 1544 in Florenz; † 1. März 1611 in Incisa in Val d’Arno) war ein italienischer Dominikaner und Historiker, der vor allem für seine aus katholischer Sicht verfasste Geschichte der englischen Reformation bekannt wurde.
Leben
Pollini, der aus einer adeligen Familie stammte, trat in das Florentiner Dominikanerkloster Santa Maria Novella ein. Sein 1591 veröffentlichtes Buch über die Reformation in England sorgte für diplomatische Verwicklungen und dürfte der Grund gewesen sein, dass Pollini 1596 an einen abgelegeneren Ort ‚hinwegbefördert‘ wurde. Ab diesem Jahr war er für einige Zeit Prior des Klosters Ss. Annunziata in San Gimignano. Wie lange er dort tätig war, ist nicht bekannt, allerdings sind 1600 zwei Nachfolger nachweisbar. Ebenfalls zu einem nicht sicher feststellbaren Zeitpunkt ist Pollini als Lektor für „Gewissensfragen“ („casi di coscienza“), also für Ethik, im Dominikanerkonvent der umbrischen Stadt Città di Castello bezeugt. Zuletzt war er Vikar in Incisa in Val d’Arno, wo er 1611 starb.
Storia ecclesiastica della rivoluzione d’Inghilterra
Laut Ginevra Crosignani ist „Pollinis Ruhm hauptsächlich auf die Ausarbeitung eines Textes in der Volkssprache zurückzuführen, der die Lage der englischen Katholiken in den ersten zwanzig Jahren der Herrschaft Elisabeths I. schildert, also nachdem diese sich offen auf die protestantische Seite gestellt hatte.“[1] Das in fünf Bücher gegliederte Werk mit dem Titel Historia Ecclesiastica della Rivoluzione d’Inghilterra (etwa: „Kirchengeschichte des Umsturzes von England“) erschien erstmalig 1591 in Bologna.
Über den „Abfall“ Englands vom Katholizismus entstanden damals diverse Publikationen; Pollini gilt jedoch als der bedeutendste italienische Autor, der in der Volkssprache über diese Entwicklungen zeitgenössisch berichtete. Er stützte sich dabei vor allem auf ein Werk von Nicholas Sanders, das 1558 abbrach und fortgeschrieben bis 1584 unter dem Titel De Origine ac Progressu Schismatis Anglicani, angeblich in Colonia Agrippina, in Wirklichkeit in Reims 1585 veröffentlicht wurde. Er stellte sich dabei klar auf die Seite des Papsttums, sprach Frauen und damit auch Elisabeth I. die Fähigkeit zur Herrschaft ab und verurteilte die Hinrichtung der katholischen schottischen Königin Maria Stuart. In England wurde das Werk daher wenig überraschend als parteiisch und voreingenommen empfunden und als Beleidigung der englischen Nation und der Tudor-Dynastie verurteilt. Ein Bildnis des Autors wurde auf Wunsch der Königin in London öffentlich verbrannt. Wohl auch durch den Einfluss Elisabeths, die zweimal an den Großherzog schrieb, wurden die meisten Exemplare der Erstauflage vernichtet, vorwiegend allerdings auf Betreiben von Leitern des Ordens, weniger durch die staatlichen Zensoren. Noch im selben Jahr erschien eine weitere Auflage; 1594 folgte wiederum eine Neuauflage.
Schriften
- Storia ecclesiastica della rivoluzione d’Inghilterra, divisa in cinque libri. Ne’ quali si tratta di quello che è accorso in quell’isola […] Raccolta da diversi e graviss. scrittori […] dal r.p. fra Girolamo Pollini Fiorentino […] Divisa in capitoli per commodità di chi legge, co’ sommari di ciascun capitolo, e con una tavola delle cose più notabili. Giunti di Fiorenza, Bologna 1591 (Digitalisat).
- Vita della b. Margherita suora del terz’habito di san Domenico. Composta dal molto reverendo padre fra Girolamo Pollini lettor de’ Casi di Coscienza, nel convento di san Domenico di Castello del medesimo ordine. E raccolta dall’antiche scritture originali di quel convento. Vincentio Colombara, Perugia 1601.
Literatur
- Ginevra Crosignani: Pollini, Girolamo. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 84: Pio VI–Ponzo. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2015.
Weblinks
- Nachweis von Exemplaren der Schriften im EDIT16
Einzelnachweise
- ↑ Ginevra Crosignani: Pollini, Girolamo. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 84: Pio VI–Ponzo. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2015.