Girardet Verlag

Die Girardet Verlag KG (ehemals W. Girardet) ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Düsseldorf, dem der Verlag der Westdeutschen Zeitung (WZ) gehört. Außerdem ist es an weiteren Medien in Nordrhein-Westfalen beteiligt und Gesellschafter der Rheinische Post Mediengruppe.

Das 1865 von Wilhelm Girardet in Essen gegründete Verlagshaus gehört zu den traditionsreichen Verlagen im deutschen Sprachraum. In der NS-Zeit wurde der Konzern zerschlagen, die Nachfolgeunternehmen in Westdeutschland blieben auch nach dem Krieg selbstständig. In den 1970er Jahren bildeten die Erben daraus die heutige Girardet Verlag KG, das Essener Druck- und Verlagsunternehmen wurde hingegen 1988 liquidiert.

Geschichte

Bis 1945

Das Unternehmen entstand aus der 1865 von Wilhelm Girardet in Essen gegründeten Buchbinderei und Druckerei. Im Laufe der Zeit baute Girardet ein weit verzweigtes Zeitungsnetz mit Titeln unter anderem in Leipzig, Wuppertal, Hamburg, Chemnitz, Zürich und Düsseldorf auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlegte W. Girardet auch Bücher, erst Belletristik, ab Anfang der 1923 eher Fach- und Lehrbücher. 1935 umfasste das Unternehmen mit Hauptsitz in Essen neben der großen Druckerei und dem Buchverlag die Essener Allgemeine Zeitung, die Düsseldorfer Nachrichten und den General-Anzeiger der Stadt Wuppertal. Außerdem war es am Hamburger Verlag Girardet & Co. beteiligt, der die Neue Hamburger Zeitung verlegte.[1]

1936 musste der Konzern in Folge der „Amann-Anordnungen“ zerschlagen werden. Die Essener Allgemeine Zeitung ging an die VERA-Verlagsgesellschaft, eine Tochter der nationalsozialistischen Franz-Eher-Verlags, die Beteiligung in Hamburg direkt an die NSDAP.[1] Paul Girardet übernahm die Düsseldorfer Nachrichten, Hellmut und Kurt Giradet den Wuppertaler General-Anzeiger. Das Unternehmen in Essen, das in dieser Zeit von Wilhelm Giradet dem Dritten geleitet wurde, war vor allem als Druckerei tätig.[2]

W. Girardet in Essen

Nach dem Krieg und der Aufhebung des Lizenzpflicht 1949 brachte der Essener Verlag wieder den Industrie-Anzeiger sowie die Essener Allgemeine Zeitung heraus, die jedoch schon 1954 von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung übernommen wurde.[1][2] Der Fachbuchverlag startete ebenfalls 1949 wieder, zusammen mit dem Verlag Hans Teismann.[1] Die Druckerei (Graphische Betriebe W. Girardet) spezialisierte sich auf den Tiefdruck und wurde zu einer der größten Lohndruckereien in Westdeutschland. Sie produzierte zahlreiche Zeitschriften, Magazine und Kataloge.[2]

Anfang der 1980er Jahre kam das Unternehmen in Schwierigkeiten, als die Verlage immer öfter eigene Druckereien aufbauten und Girardet damit Aufträge verlor. Das Unternehmen verkaufte den Fachzeitschriftenverlag mit dem Industrieanzeiger zunächst an Heinrich Bauer,[2] den Fachbuchverlag an Cornelsen (Cornelsen Verlag Schwann Girardet GmbH & Co. KG).[1]

Im Juni 1988 meldete die W. Girardet Druck und Verlag GmbH die eigene Insolvenz an. Zuvor hatte es zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens einen fremden Manager gehabt, der jedoch schnell wieder durch den Vorgänger Wilhelm Girardet den Vierten ersetzt wurde.[3] Im September wurden alle Betriebsanlagen versteigert.[4]

W. Girardet in Düsseldorf und Wuppertal

Nach dem Tod Paul Girardets, des Eigentümers der Düsseldorfer Nachrichten, übernahm der Wuppertaler Verlag W. Girardet den in Düsseldorf. Die Mantelredaktionen des General-Anzeigers wurde in der Folge mit der der Düsseldorfer Nachrichten in Düsseldorf zusammengelegt.[5] Langjähriger Geschäftsführer war Michael Girardet.

Unternehmensstruktur und Beteiligungen

Die Familienholding Girardet Verlag KG beschäftigt über 300 Menschen.[6] Das Unternehmen ist an zahlreichen Lokalradios, Anzeigenblättern und anderen Medienunternehmen beteiligt.

Seit den 1970er Jahren arbeitet die Girardet Verlag KG mit der Rheinischen Post zusammen. Gemeinsam wurden Gesellschaften in Bereichen wie Druck, Vertrieb, IT und Verwaltung gegründet.[7] Die Verlagshäuser halten heute gegenseitig Beteiligungen.[8]

Eigentümer der Gesellschaft sind vor allem Klaus Girardet, Rainer Girardet, die Rheinische Post Verlagsgesellschaft, Isabelle Girardet und Nikolaus Girardet (Stand 2025).[8]

Einzelnachweise

  1. a b c d e E. Henze: Girardet, W(ilhelm). In: Lexikon des gesamten Buchwesens Online. 2017, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b c d Wilhelm Girardet (III) im Munzinger-Archiv, abgerufen am 12. Oktober 2025 (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Schlecht vorbereitet. In: Der Spiegel. 26. Juni 1988, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2025]).
  4. Brutal beendet. In: Der Spiegel. 25. September 1988, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2025]).
  5. Martin Stadtler: Bergische Presse nach 1945. In: Bergischer Journalistenverein (Hrsg.): Die Bergischen Medien: Historische Entwicklungen und aktuelle Strukturen. DJV-Verlags- und Service GmbH, Wuppertal / Bonn 2018, ISBN 978-3-935819-52-7, S. 80 f.
  6. Girardet Verlag | Zeitungsverlage & Zeitschriftenverlage Düsseldorf. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
  7. Historie. In: rheinischepostmediengruppe.de. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
  8. a b Girardet Verlag KG. In: Mediendatenbank. Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, abgerufen am 12. Oktober 2025.