Giovanni Cavicchioli

Giovanni Cavicchioli (* 2. Januar 1894 in Mirandola; † 13. Januar 1964 ebenda) war ein italienischer Schriftsteller und Journalist.

Seine Werke, darunter Theaterstücke, Gedichte, Märchen und Erzählungen, spiegeln „eine Welt der Empfindungen und Erinnerungen zwischen Naivität und Raffinesse, zwischen Fabelhaftem und Humorvollem“ wider und wurden von den Protagonisten der kulturellen Erneuerung Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wertgeschätzt.[1][2]

Leben

Er war der Sohn des Arztes Alfredo Cavicchioli aus Mirandola und Rosa Severi, die starb, als er drei Jahre alt war.[3] Zunächst besuchte er das klassische Gymnasium in Mirandola, dann setzte er seine Studien als Autodidakt fort. Er war außerdem Schüler des Bologneser Musikers Ottorino Respighi und begeisterte sich auch für die Malerei.[1]

Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte er auf eigene Kosten seinen ersten Gedichtband Palazzi incantati (Verzauberte Paläste) aus dem Jahr 1913. In den folgenden Jahren lernte er den österreichischen Theosophen Rudolf Steiner kennen und besuchte mehrmals das Goetheanum in Dornach in der Schweiz, den Sitz der Anthroposophischen Gesellschaft. Dort nahm er an Schauspielkursen teil.[4]

Im Jahr 1919 präsentierte er im Teatro dei Piccoli in Rom die „Legende für Kinder“ Guerino detto il Meschino, mit musikalischen Einlagen von Antonella Lualdi unter der Leitung von Vittorio Podrecca.

Um 1920 schrieb er zwei Tragödien, die in der Römerzeit spielen: Romolo: tragedia latina (illustriert von Giorgio de Chirico) wurde 1932 von der Theatergruppe von Carlo Tamberlani in der Maxentiusbasilika in Rom inszeniert. Lucrezia wurde 1925 von der Theatergruppe von Gualtiero Tumiati und Maria Letizia Celli aufgeführt. Diese Stücke machten ihn in der Theaterwelt jener Zeit bekannt und beliebt.[5]

1924 lernte er dank seines Freundes Orio Vergani Luigi Pirandello kennen. Mit ihm gründete er das Teatro dei dodici (Theater der Zwölf), das seinen Namen den zwölf Freunden verdankt, die es gründeten: Luigi und Stefano Pirandello, Orio Vergani, Massimo Bontempelli, Giovanni Cavicchioli, Giuseppe Prezzolini, Antonio Beltramelli, Leo Ferrero, Lamberto Picasso, Guido Salvini, Maria Letizia Celli und Claudio Argentieri.[6] Aus diesem Projekt ging am 6. Oktober 1924 das Teatro d’Arte di Roma hervor, das von Luigi Pirandello selbst geleitet wurde.[7][8]

Er schrieb das Theaterstück Intellettuali im Jahr 1925, das 1933 von der Theatergruppe um Esperia Sperani, Carlo Tamberlani und Bettinelli im Teatro Nuovo in Mirandola aufgeführt wurde. Die faschistische Zensur verbot hingegen 1931 die Aufführung des Stücks Rosa in fiore.

1935 veröffentlichte er Avventure del pagliaccio (Die Abenteuer des Clowns), eine Erzählung, die vom abenteuerlichen Leben des Clowns Giacomo Cireni am Hofe des Zaren von Russland inspiriert war.

In den folgenden Jahren zog er nach Sanremo, arbeitete dort als Publizist und Theaterkritiker, blieb aber weiterhin in engem Kontakt mit dem kulturellen Geschehen in Rom. Er pflegte auch weiterhin seine Liebe zur Malerei, ließ sich von seinem Freund Giorgio Morandi inspirieren und widmete seinem Freund Filippo De Pisis einen Artikel sowie eine Monografie. 1948 hatte er eine eigene Ausstellung mit Gemälden in Modena.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er endgültig in seine Heimatstadt zurück, widmete sich dem Journalismus und arbeitete mit Nuova Antologia, La Fiera Letteraria, Il Popolo d’Italia, L’Illustrazione italiana, Il Resto del Carlino, L’Avvenire d’Italia und La Gazzetta di Modena zusammen. 1957 verlieh ihm der Presseverband von Modena den Preis „La Secchia“ als „Modenese des Jahres für Literatur“ in Anerkennung seiner langjährigen literarischen Tätigkeit.

Von 1923 bis 1927 und von 1945 bis 1950 war er Direktor der Biblioteca Eugenio Garin in Mirandola. Für diese erwarb er die Reihe Teatro des Mailänder Verlags Rosa e Ballo.[9] Er war mit Antonio Delfini und dem Verleger Ugo Guandalini befreundet, der einige seiner Werke veröffentlichte. Für ihn gab er in den 1950er Jahren die Reihe Biblioteca di cultura musicale”heraus.

Anlässlich des 500. Geburtstags von Giovanni Pico della Mirandola begann er vor seinem Tod im Alter von 68 Jahren einen Essay über diesen zu schreiben, das jedoch unvollendet blieb.

Gedenken

In Mirandola ist eine Straße Giovanni Cavicchioli gewidmet.

Werke

Theater
  • Notturno tragico, 1914
  • Romolo, 1920
  • Lucrezia, 1921
  • Intellettuali, 1925
  • Rosa in fiore, 1925
  • Teatro dei semplici, 1958 (centhält: Bertoldo a corte, L'angelo del soldato, Guerino detto il Meschino)
Erzählungen
  • La morte nel pollaio, 1926
  • Le nozze di Figaro, 1932 (Illustriert von Filippo de Pisis);
  • Avventure del pagliaccio, 1935
  • Favole, 1951
  • Nuove favole (1952-1959), 1960 (Illustriert von Filippo De Pisis)
  • Il vecchio maestro, 1964 (posthum herausgegeben von Leone Minassian)
Prosa
  • Palazzi incantati, 1913
  • Parole fuggitive, 1940
  • Cantata: per soli e coro, 1952
  • Foglie di Sibilla, 1963
  • Passero solitario, 1964 (posthum)
Essays
  • La bottega dei Gozzi 1902-1952, 1952
  • Venceslao Ivanov 1866-1949, 1952
  • Disegni di Leone Minassian, 1958
  • Eleonora: la donna dei romantici, 1958
  • Sandrone e il suo papà, 1962
  • La culla della Fenice : 1463-1963, 1963
Verschiedenes
  • Giornalismo d'autore, Sammlung von Artikeln und Schriften über Theater, Musik und Traditionen, 2005 (posthum)

Einzelnachweise

  1. a b Treccani
  2. Claudio Sgarbanti: 1964-2014: la scomparsa di Giovanni Cavicchioli rivissuta a cinquant’anni di distanza. Al Barnardon, 14. März 2015, archiviert vom Original am 26. März 2021; abgerufen am 11. Oktober 2025 (italienisch).
  3. Giovanni Cavicchioli: Bambino senza madre. Roma 1943 (italienisch).
  4. Personaggi mirandolesei: Giovanni Cavicchioli. Al Barnardon, 15. März 2015, archiviert vom Original am 26. März 2021; abgerufen am 11. Oktober 2025 (italienisch).
  5. Barbieri, S. 75
  6. Luigi Pirandello: Tutte le novelle (1905-1909). Hrsg.: Lucio Lugnani. Band 3. BUR Rizzoli, 2013, 1884-1936: novelle per mezzo secolo, S. 70 (italienisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Susan Bassnett, Jennifer Lorch: Luigi Pirandello in the Theatre. Routledge, 2014, S. 92 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Piero Gigli alias Jamar 14: Scritti e testimonianze (1916-1975). Hrsg.: Renzo Rabboni. Libreria Universitaria Edizioni, Padua 2017, S. 154 (italienisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Elisabetta Cremaschi: A un anno dal sisma la biblioteca di Pico, con salvatore Settis, al Salone internazionale del libro d Torino. In: Gavroche. 17. Mai 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 26. März 2021; abgerufen am 11. Oktober 2025 (italienisch).

Literatur

  • Alberto Barbieri: A regola d'arte: pittori, scultori, architetti, fotografi, scenografi, ceramisti, galleristi, critici e storici d'arte nel modenese dell'Ottocento e del Novecento. Mucchi Editore, 2008, ISBN 978-88-7000-487-8, Giovanni Cavicchioli, S. 75–76 (italienisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Umberto Casari: Giovanni Cavicchioli. 1964 (italienisch).
  • Silvio D'Amico: Il teatro italiano. Mailand-Rom 1932, S. 270–271 (italienisch).
  • Raffaele Morabito: Giovanni Cavicchioli. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 23: Cavallucci–Cerretesi. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1979.
  • C. Pellizzi: Le lettere italiane del nostro secolo. Mailand 1929, S. 406–407 (italienisch).
  • Giovanni Cavicchioli. In: G. Petronio (Hrsg.): Dizionario enciclopedico della letteratura italiana. Band VI. Laterza, Bari-Rom 1970, S. 10 (italienisch).
  • A. Valenti: Il teatro di Giovanni Cavicchioli. In: Scenario. Nr. 8, 1934, S. 393–398 (italienisch).
Commons: Giovanni Cavicchioli – Sammlung von Bildern