Giffard Le Quesne Martel
Sir Giffard Le Quesne Martel KCB, KBE, DSO, MC (* 10. Oktober 1889 in Millbrook, Southampton; † 3. September 1958 in Camberley, Surrey) war ein britischer Offizier der British Army, der in beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts diente und den Rang eines Lieutenant General erreichte. Bekannt unter dem Spitznamen „Q“ war er einer der Vordenker der britischen Panzerwaffe.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Martel war der Sohn von Brigadier-General Charles Philip Martel, dem Chief Superintendent of Ordnance Factories. Er trat 1908 in die Royal Military Academy Woolwich ein und wurde im folgenden Jahr den Royal Engineers zugeteilt.
Erster Weltkrieg
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Martel als Mitglied der 9th Field Company, Royal Engineers, nach Frankreich verlegt und kämpfte im „Großen Rückzug“ nach der Schlacht bei Mons, der Ersten Marneschlacht, der Schlacht an der Aisne, der Schlacht von Armentières und 1915 in der Zweiten Flandernschlacht, bevor er im Oktober 1915 Chef seiner Kompanie wurde.[1] 1916, nachdem er den ersten Einsatz britischer Tanks in der Schlacht an der Somme miterlebt hatte, wurde er beauftragt, in Elveden (Norfolk) ein Trainingsgelände für gepanzerte Kriegsführung, komplett mit simulierten Grabensystemen, anzulegen. Hier schrieb er im November 1916 die Denkschrift A Tank Army, die womöglich auch seinen Vorgesetzten, J. F. C. Fuller, beeindruckte. Ab Ende 1916 im Stab von Hugh Elles zurück an der Westfront. Zu seinen Auszeichnungen in diesem Konflikt zählen das Military Cross und der Distinguished Service Order. Außerdem wurde Martel fünf Mal namentlich im Kriegsbericht erwähnt (mentioned in dispatches).
Zwischenkriegszeit
Nach dem Waffenstillstand wurde Martel, im Rang eines Majors stehend, mit der Leitung des Experimental Bridging Establishment der Royal Engineers in Christchurch betraut, wo er unter anderem mit Möglichkeiten zum Einsatz gepanzerter Fahrzeuge zum Brückenlegen und Minenräumen experimentierte. Dazu wurden modifizierte Weltkriegspanzer wie der Mark V verwendet. Unter anderem entwickelte er mit Charles Inglis die sogenannte Inglis-Brücke.
Von 1921 bis 1922 besuchte er das Staff College Camberley und arbeitete anschließend weiter an Verlegebrücken. Seine Martel-Brücke wurde 1925 von der British Army eingeführt und später in abgewandelter Version von vielen Streitkräften übernommen. Aus ihr wurde im Zweiten Weltkrieg die Bailey-Brücke weiterentwickelt. In dieser Zeit arbeitete Martel auch privat an einem einsitzigen Tankettenmodell, das der späteren Carden-Loyd-Tankette ähnelte und von Morris Commercial Cars produziert werden würde. In den Jahren 1927 und 1928 wurden Übungen mit solchen Tanketten in der Salisbury Plain abgehalten. Martel gehörte in dieser Zeit dem Tank and Tracked Transport Advisory Committee an, aus dem 1928 das Mechanical Warfare Board hervorging.
Im folgenden Jahr wurde er zu den Bengal Sappers and Miners abkommandiert und diente von 1930 bis 1934 als Ausbilder am Staff College der Britisch-Indischen Armee in Quetta, worauf er das Imperial Defence College besuchte. Zwischen 1936 und 1939 diente Martel im War Office, zunächst als Assistant Director of Mechanisation, ab 1938 als Deputy Director im temporaären Rang eines Brigadiers. In dieser Zeit nahm er mit Archibald Wavell als Beobachter an großangelegten Panzermanövern der Roten Armee im Weißrussischen Militärbezirk teil und war besonders von den schnellen Panzern der BT-Serie beeindruckt. Nach seiner Rückkehr überzeugte er den britischen Generalstab von der Idee, einen ähnlichen Typ für die britischen Panzerbrigaden auszuschreiben, den späteren Cruiser Tank Mk III. Im Februar 1939 wurde er zum Kommandeur der 50th (Northumbrian) Division ernannt, die kurz zuvor als eine der ersten britischen Infanteriedivisionen mit Lastwagen motorisiert worden war.
Zweiter Weltkrieg und danach
Mit der 50th Division wurde Martel im September 1939 als Teil der British Expeditionary Force nach Frankreich verschifft. Während des deutschen Westfeldzugs 1940 nahm er unter anderem an der Schlacht von Arras teil. Nach der Evakuierung aus Dünkirchen wurde ihm die Leitung des Royal Armoured Corps übertragen.
Im März 1943 wurde er zum Leiter der britischen Militärmission in der Sowjetunion ernannt und besuchte im Mai desselben Jahres einen Frontabschnitt im Bereich Kursk–Orjol. Mit der Ankunft des stark antikommunistischen RAF-Missionsleiters John Babington wurde es schwierig, die bis dahin gute Arbeitsbeziehung zu den Sowjets aufrechtzuerhalten, und Martel wurde im Februar 1944 abberufen. Im selben Monat verlor er bei einem deutschen Luftangriff auf London sein rechtes Auge. 1945 trat er im Rang eines Lieutenant-General aus der Armee aus und versuchte sich erfolglos in der Politik. Bei der Unterhauswahl 1945 trat er als Konservativer im Wahlkreis Barnard Castle an und unterlag dem Labour-Kandidaten. Im Ruhestand schrieb er über militärische Themen und veröffentlichte seine Memoiren.
Literatur
- Nick Smart: Biographical Dictionary of British Generals of the Second World War. Pen and Sword, Barnsley 2005.
- Spencer Tucker: Who’s Who in Twentieth Century Warfare, Psychology Press, 2001.
Einzelnachweise
- ↑ The Baldwins: A Family of Royal Engineers auf reubique.com, abgerufen am 23. Dezember 2025.