Gesetzliche Zeit in der Schweiz
Die gesetzliche Zeit in der Schweiz orientiert sich an der Mitteleuropäischen Zeit.
In der Schweiz gilt im Winter die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) als Standardzeit, was der Koordinierten Weltzeit plus einer Stunde entspricht (UTC+1). Während des Sommers wird die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) verwendet, was UTC+2 entspricht.[1]
Geschichte
Der elektrische Telegraf wurde 1851 in der Schweiz eingeführt, was eine Kommunikation in nahezu Echtzeit ermöglichte, insbesondere zwischen den Postämtern. Bis Juli 1853 verwendeten alle Telegrafen- und Poststellen in der gesamten Schweiz die Berner Zeit, eine lokale mittlere Ortszeit, die am Turm Zytglogge in Bern gemessen wurde (entspricht UTC+00:29:45.5).[2][3][4]
Die Berner Zeit wurde spätestens ab 1873 auch in Eisenbahnfahrplänen verwendet.[5] Am 1. Juni 1894 wurde die Zone UTC+1 offiziell landesweit eingeführt.[6]
Eine Sommerzeit wurde erstmals in den Jahren 1941 und 1942 erprobt, indem die Uhren am ersten Montag im Mai um 01:00 Uhr um eine Stunde vor- und am ersten Montag im Oktober um 02:00 Uhr zurückgestellt wurden. Die Entscheidung zur Einführung der Sommerzeit traf der Bundesrat auf Empfehlung der Bundeskanzlei.[7]
Während die Sommerzeit in weiten Teilen Westeuropas im Frühjahr 1980 eingeführt wurde, setzte die Schweiz diese erst im folgenden Jahr um. Grund war der Widerstand in der Bevölkerung, der sich in einer Volksabstimmung im Jahr 1978 geäussert hatte.[8] Dies führte dazu, dass 1980 für etwa sechs Monate eine Zeitdifferenz von einer Stunde zwischen der Schweiz und fast allen Nachbarländern (mit Ausnahme von Liechtenstein) bestand.
Seit 1981 erfolgt die Zeitumstellung in der Schweiz gemäss der mitteleuropäischen Sommerzeitregelung.
Das deutsche Dorf Büsingen am Hochrhein, eine vollständig von Schweizer Staatsgebiet umgebene Exklave, führte die Sommerzeit 1980 ebenfalls nicht ein und hielt sich an die Schweizer Zeit. Dadurch gab es zeitweise einen Unterschied von einer Stunde zwischen Büsingen und dem restlichen Deutschland. Die Zone „Europe/Busingen“ wurde 2013 in der Zeitzonen-Datenbank erstellt,[9] da Büsingen seit Beginn der Unixzeit 1970 die gleiche Zeit wie Zürich verwendet.[10]
Sonnenzeit
Die Differenz der geographischen Länge zwischen dem westlichsten und dem östlichsten Punkt der Schweiz beträgt 4°32′09″, was einem Unterschied von etwa 18 Minuten Sonnenzeit entspricht.
IANA-Zeitzonen-Datenbank
Die Zeitzonen-Datenbank enthält für die Schweiz die Zone „Europe/Zurich“.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Europe. WorldTimeZone.com.
- ↑ Jakob Messerli: Gleichmässig – pünktlich – schnell: Zeiteinteilung und Zeitgebrauch in der Schweiz im 19. Jahrhundert. Zürich 1995, ISBN 3-905311-68-2, S. 72.
- ↑ Roger H. Stuewer: The Physical Tourist: A Science Guide for the Traveler. Springer London, London 2009, ISBN 978-3-7643-8933-8, S. 128 (google.com).
- ↑ Verordnung des Bundesamtes für Landestopografie über Geoinformation. Fedlex: Die Publikationsplattform des Bundesrechts, 26. Mai 2008, abgerufen am 28. März 2022.
- ↑ Charles Bertram Black: Guide to Switzerland and the Italian Lakes. Sampson Low, Marston & Company, 1873, S. 21, abgerufen am 28. März 2022.
- ↑ Circulaire du conseil fédéral. In: Schweizerisches Bundesarchiv. Schweizerischer Bundesrat, 13. Dezember 1893, abgerufen am 28. März 2022 (französisch).
- ↑ Protokoll Sitzung des schweizerischen Bundesrates. In: Schweizerisches Bundesarchiv. Schweizerischer Bundesrat, 7. November 1941, S. 24, abgerufen am 28. März 2022.
- ↑ Domhnall O'Sullivan: Sommerzeit: Als die Schweiz eine «Zeitinsel» war. In: SWI swissinfo.ch. 28. Oktober 2023, abgerufen am 15. November 2024.
- ↑ Paul Eggert: tzcode2013a and tzdata2013a available. ICANN, 2. März 2013, abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Arthur David Olson: New zone for DE, split from Europe/Berlin. gmane.comp.time.tz, 3. März 2012, abgerufen am 11. Januar 2026.