Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen
| Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) | |
|---|---|
| Rechtsform | eingetragener Verein |
| Gründung | 1990 |
| Sitz | Bad Münstereifel |
| Vorläufer | Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus (1973) |
| Zweck | Schutz und Erforschung der in Europa vorkommenden Eulenarten |
| Vorsitz | Stefan Brücher |
| Mitglieder | 26 aktive Mitglieder; rund 1.300 Fördermitglieder (Stand: Dezember 2024) |
| Website | egeeulen.de |
Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) ist eine gemeinnützige Naturschutzvereinigung mit Sitz in Bad Münstereifel.[1] Sie ging 1990 aus der 1973 gegründeten „Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus“ hervor. Die Abkürzung „EGE“ leitet sich von der zusätzlich geführten englischen Bezeichnung „European Group of Experts on Ecology, Genetics and Conservation“ ab.[2] Nach der erfolgreichen Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland widmet sich die EGE dem Schutz und der Erforschung der in Europa vorkommenden Eulenarten.
Geschichte
Die Wurzeln der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. reichen in die frühen 1960er-Jahre zurück. Unter Leitung von Hubert Weinzierl startete damals der Deutsche Naturschutzring die „Aktion Uhuschutz“, um das Aussterben des Uhus in Deutschland zu verhindern. In verschiedenen Regionen engagierten sich Ornithologen wie Gerhard Haas, Alfons Klett, Rudolf Berndt, Helmut Kramer und Günther Niethammer für den Erhalt der letzten Vorkommen.
1973 gründete Oswald Freiherr von Frankenberg und Ludwigsdorf die „Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus“ (AzWU), nachdem die Aktion Uhuschutz eingestellt worden war. Die AzWU organisierte die Nachzucht von Uhus in Zoos und privaten Haltungen und setzte zwischen 1974 und 1994 fast 3000 Jungvögel in geeigneten Lebensräumen frei. An dem Projekt wirkten über 400 Personen mit, darunter zahlreiche Zoos, Vogelparks und private Züchter. Nach dem Tod von Oswald von Frankenberg im Jahr 1986 übernahm Wilhelm Bergerhausen die Leitung.
1990 ging aus der AzWU die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. hervor. Während sich die Arbeit zunächst auf die Wiederansiedlung des Uhus konzentrierte, widmet sich die EGE seither dem Schutz aller in Europa vorkommenden Eulenarten. Die Gesellschaft führt seitdem Monitoringprogramme, wissenschaftliche Untersuchungen und Schutzprojekte durch und tritt für den Erhalt von Lebensräumen ein.
Nach dem Tod von Wilhelm Bergerhausen im Jahr 2006 übernahm Stefan Brücher den Vorsitz der EGE.[3][4] Brücher engagiert sich seither insbesondere für den Schutz der Uhus in der Eifel und ist als Fachautor und Experte regelmäßig in überregionalen Medien präsent.
Ziele und Aufgaben
Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. verfolgt das Ziel, die in Europa vorkommenden Eulenarten zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten. Zu den Arbeitsschwerpunkten zählen:
- Erstellung von Gutachten und Stellungnahmen in Genehmigungsverfahren mit Bezug zum Artenschutz,
- Durchführung von Monitoringprogrammen, insbesondere zum Uhu,
- wissenschaftliche Begleitforschung und Dokumentation,
- Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung.
Die EGE arbeitet überregional und bringt sich als anerkannter Naturschutzverband in Planungs- und Genehmigungsverfahren ein. Sie kooperiert dabei mit Behörden, wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Naturschutzorganisationen.
Projekte
Die EGE führt verschiedene Schutzprojekte für europäische Eulenarten durch.
- Uhu
Die Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland gilt als ein zentrales Projekt des Vereins. Zwischen 1974 und 1994 wurden fast 3000 in Zoos und Privathaltungen aufgezogene Jungvögel ausgewildert. Heute betreut die EGE ein langfristiges Monitoringprogramm in den nordwestdeutschen Mittelgebirgen, engagiert sich für die Sicherung von Lebensräumen und kooperiert mit Energieversorgern zur Entschärfung gefährlicher Strommasten.
- Steinkauz
Seit 1992 dokumentiert die EGE die Bestandsentwicklung des Steinkauzes in der Kölner Bucht. Das Projekt umfasst die Beobachtung der Population, den Schutz von Lebensräumen vor Bebauung und Braunkohletagebau, die Beratung von Kommunen und Eigentümern sowie die Bereitstellung künstlicher Nisthilfen.
- Schleiereule
Für Schleiereulen setzt sich die EGE insbesondere für die Erhaltung von Brutplätzen in Kirchtürmen, Scheunen und landwirtschaftlichen Gebäuden ein. Sie berät Eigentümer, Kirchengemeinden und Denkmalbehörden und unterstützt bauliche Maßnahmen wie Nisthilfen oder die Wiederöffnung von Zugängen zu geeigneten Gebäuden.
Darüber hinaus organisiert die EGE Fachtagungen, vergibt den Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis und betreibt Uhu-Webcams, die bundesweite mediale Beachtung gefunden haben.
Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis
Seit 2008 vergibt die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. den Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis. Mit der Auszeichnung werden Nachwuchswissenschaftler und ehrenamtlich Aktive geehrt, die sich in besonderer Weise um den Schutz von Eulen verdient gemacht haben.[5][6][7]
Tagungen und Vernetzung
Die EGE nimmt regelmäßig an überregionalen Tagungen der AG Eulen und anderer Fachgremien teil und ist dort mit Vorträgen vertreten.[8][9]
Im Rahmen der 40. Jahrestagung der AG Eulen unter dem Titel „Aus dem Alltag der Eulenforscher“ hielt Stefan Brücher einen Fachvortrag zum Thema „45 Jahre mit den Eifel-Uhus (Bubo bubo): Bestandsentwicklung, Beringung, altbekannte und neue Verlustursachen, Webcam-Beobachtungen, Kuriositäten“.[10]
Rechtliche Stellung
Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. ist als Naturschutzvereinigung nach § 3 Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz anerkannt und damit in Planungs- und Genehmigungsverfahren klagebefugt.[11]
Rezeption in den Medien
Die Arbeit der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. hat wiederholt mediale Aufmerksamkeit gefunden.
Mehrfach berichtete die regionale und überregionale Presse über Projekte des Vereins. Der General-Anzeiger Bonn schrieb 2021 über die hohe Zuschauerresonanz auf die Uhu-Webcams im Kreis Ahrweiler[12] und über Brutereignisse sowie Konflikte mit Waschbären.[13] Der Kölner Stadt-Anzeiger porträtierte 2022 den Vorsitzenden Stefan Brücher als führenden Experten für die Eulen der Eifel[14] und berichtete 2025 über Todesfälle von Uhus durch Strommasten.[15] Überregionale und internationale Resonanz fanden die Aktivitäten der EGE ebenfalls, etwa in der luxemburgischen Tageszeitung L’Essentiel[16] oder beim Nachrichtensender n-tv.[17] Auch das Hamburger Abendblatt griff das Thema Gefahren für den Uhu durch Stromleitungen auf.[18] Ein Porträt im Magazin Eifel hautnah (03/2022) stellte Stefan Brüchers langjährige praktische Arbeit am Uhu und die mediale Resonanz der Uhu-Webcams vor.[19] Die Aachener Nachrichten berichteten 2013 über das Beringen junger Uhus in Steinbrüchen der Region und dokumentierten so die praktische Feldarbeit.[20] Die Dürener Illustrierte schilderte 2022 eine erfolgreiche Uhubrut bei Nörvenich und erwähnte die Rolle von EGE/Brücher.[21] Auch Publikumszeitschriften griffen die Arbeit auf, etwa Bild der Frau (28/2021) mit einem Porträt über Brüchers langjährige Schutzarbeit.[22] Lokale und regionale Medien wie Blick aktuell berichteten zudem regelmäßig über Ereignisse an den Uhu-Webcams und dokumentierten so die öffentliche Resonanz.[23]
Neben der Presse wurde die EGE auch in Rundfunk- und Fernsehsendungen vorgestellt. Der SWR berichtete 2013 in der Reihe Natürlich! über die Uhu-Webcam in der Eifel[24] und 2025 in einer Matinee über das Lebenswerk von Stefan Brücher.[25] Auch der WDR widmete sich den Uhus in der Eifel, etwa 2009 in der bundesweit bekannten Sendung mit der Maus[26] und 2016 in der Naturreihe Alle Augen auf – Wildtiere.[27] Überregionale TV-Formate, wie die VOX-Sendung hundkatzemaus griffen die Arbeit der EGE ebenfalls auf.[28] Auch regionale Fernsehsender berichteten über die Arbeit der Gesellschaft, so etwa Rhein-Main TV 2021 mit einem Porträt von Stefan Brücher.[29]
Mitglieder
Laut Vereinsangaben (Stand: Dezember 2024) zählt die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. 26 aktive Mitglieder und rund 1.300 Fördermitglieder.[30]
Publikationen (Auswahl)
- E. Herrlinger: Die Wiedereinbürgerung des Uhus (Bubo bubo) in der Bundesrepublik Deutschland. Bonner Zoologische Monographien 4 (1973): 1–94.
- O. v. Frankenberg, E. Herrlinger, W. Bergerhausen: Reintroduction of the European eagle owl (Bubo b. bubo) in the Federal Republic of Germany. International Zoo Yearbook 23 (1983): 95–100.
- Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen: Steinkauz in Deutschland immer seltener. in Natur und Landschaft 35 (2003)
- Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE): Ermittlung und Dokumentation von Habitaten des Uhus in den Landkreisen Bad Kreuznach, Donnersbergkreis und Kusel. Mainz 2014.
- W. Breuer, S. Brücher, L. Dalbeck: Der Uhu und Windenergieanlagen – Erkenntnisse, Vermutungen und Schlussfolgerungen in Natur und Landschaft 47 (2015): 165–172. Online
- L. Dalbeck, S. Brücher, K. Kreth: Der Konflikt zwischen Klettersport und Uhuschutz in der Eifel – Haben sich die Bemühungen ausgezahlt? in Natur und Landschaft 53 (2021): 268–275. Online
Weblinks
- Website
- Kanal der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen auf YouTube
- NABU-Kreisverband Düren e. V.: Beschreibung der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.
Einzelnachweise
- ↑ Einem gesunden Uhu geht keiner an die Federn! In: Eifel hautnah – das Magazin. März 2022, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Impressum. In: Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. Abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ Porträt Stefan Brücher. In: AG Eulen. Abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Uhus in Gefahr: Stromschlag und Vogelschutz. In: RiffReporter. Abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ EGE Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis. In: mystipendium.de. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Nachwuchsförderung durch den Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis. In: NABU Hildesheim. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Den Steinkauz im Dorf lassen. In: Eifelon. 14. Dezember 2021, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Einladung zur Tagung der AG Eulen in Rodgau. In: AG Eulen. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Tagungsprogramm Halberstadt 2022. In: Greifvogelmonitoring. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Aus dem Alltag der Eulenforscher – 40. Jahrestagung der AG Eulen. In: AG Eulen. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Liste der anerkannten Umweltverbände. In: Umweltbundesamt. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Hunderte schauen Uhu im Kreis Ahrweiler beim Brüten zu. In: General-Anzeiger Bonn. 19. März 2021, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Uhu Lotte aus dem Kreis Ahrweiler – Waschbär fräst sich ins Gelege. In: General-Anzeiger Bonn. 20. Mai 2021, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Niemand kennt die Eifeler Uhus so wie er. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 19. April 2022, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Nettersheim: Uhu lag tot unter Strommast – Vogelschutz fehlte. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 12. August 2025, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Uhu brütet in der Eifel vor einer Webcam. In: L’essentiel. 19. März 2021, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Toter Uhu am Strommast – Vogelschutz noch lückenhaft. In: n-tv. 2. Juni 2019, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Die größten Feinde sind Stromleitungen. In: Hamburger Abendblatt. 13. August 2007, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Einem gesunden Uhu geht keiner an die Federn! In: Eifel hautnah – das Magazin. März 2022, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Aachener Nachrichten: „Wenn die Uhus in der Region flügge werden“. 15. Juni 2013, S. 1.
- ↑ Dürener Illustrierte: „Kia, Mia, Ria und Lia werden flügge“. Ausgabe 04/2022, S. 16–17. (Auch online als PDF: [1])
- ↑ Bild der Frau: „Der Uhu-Hüter“. Ausgabe 28/2021, S. 8–9.
- ↑ Junguhus plötzlich ohne Mutter. In: Blick aktuell. 6. Juni 2019, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Artenschutz vor der Haustür: die SWR Uhu-Webcam. In: SWR. 26. Februar 2013, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Stefan Brücher: ein Leben für die Eulen. In: SWR. 24. August 2025, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Sommerreise 2009 – Teil 1. In: WDR. 5. Juli 2009, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Frei und ungezähmt – Wildtiere. In: WDR. 23. Mai 2016, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ hundkatzemaus auf großer Wildnis-Deutschland-Expedition. In: VOX. 13. August 2012, abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Unterwegs mit dem Uhu-Schützer. In: 1730live. 25. Mai 2021, abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Mitarbeiter. In: Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. 25. September 2025, abgerufen am 25. September 2025.