Geschwister-Scholl-Straße 4 (Weimar)

Das Wohnhaus mit Nebengebäuden und Vorgarten Geschwister-Scholl-Straße 4 in Weimar ist denkmalgeschützt und befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Bauhaus-Universität Weimar.

Geschichte

Zur Bauzeit hieß die Geschwister-Scholl-Straße Am Heumagazin.[1] Die mehrteilige Hofanlage befindet sich nahe der einstigen großherzoglichen Kunstschule und entstand in mehreren Bauphasen im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts. Da es bereits auf dem Plan des Carl Ferdinand Weiland[2] 1841 eingezeichnet ist, dürfte es kurz vorher entstanden sein. Im Jahre 1845 war der Besitzer der Hofgärtner Fischer. Nähere Einzelheiten zu seiner Person sind nicht bekannt. An der Fassade befindet sich eine Gedenktafel aus dem Jahre 1900 für den Weimarer Maler Friedrich Mardersteig (1818–1899), der auch zu den Hauseigentümern zählte. In dieser Eigenschaft erscheint dieser erstmals[3] 1856, der in diesem Jahr auch den Bau eines Ateliers an der südlichen Grundstücksgrenze beantragte. Im Jahr 1865 bekam das Wohnhaus einen zweiachsigen Dacherker. Ein Jahr später wurde das westliche Seitengebäude aufgestockt. Bis 1875 wurde der Hofraum vollständig umbaut. Bruno Röhr lieferte die Pläne für den 1905/06 entstandenen separaten Treppenaufgang an der Ostseite ein Monogramm das Jahr „1906“ zeigt. Am Hauseingang befindet sich das Monogram „GM“. Die Hofanlage dokumentiert beispielhaft die Bebauung des Stadtrandes, bevor im ausgehenden 19. Jahrhundert die planmäßige Stadterweiterung begann. Ein Indiz für den frühen Zeitpunkt seiner Entstehung ist die beton von den Baufluchten der angrenzenden Straßen abgesetzte Lage. Die Gebäude sind auf einer langgestreckten Parzelle um einen schmalen, teilweise mit Kalkstein gepflasterten Innenhof angeordnet. Auf Röhrs Umbau gehen u. a. die neobarocke Gestaltung des Hauseingangs, das Treppenhaus mit bleiverglasten Fenstern und die Podesttreppe zurück. Vom Erstbau stammen Raumstruktur und konstruktives Gefüge der Dachkonstruktion. Von den Hofgebäuden blieben der Westflügel, ein zum Hof hin im Erdgeschoss ausgestatteter zweigeschossiger Fachwerkbau, das ehemalige Ateliergebäude im Süden, das Henry van de Velde 1902 bis 1906 für sein „Kunstgewerbliches Seminar“ nutzte. Der vierte, östliche Flügel wurde 2003 abgerissen. Der Vorgarten an der Bauhausstraße weist ein Brunnenbassin auf. In diesem Hause gründete Harry Graf Kessler 1913 die sog. Cranach-Presse, die hier bis 1928 arbeitete. Die Druckwerkstatt schloss 1931 aus finanziellen Gründen.[4] Diese hatte von 1928 bis 1931 ihren Sitz in der Ernst-Kohl-Straße 2.[5]

Einzelnachweise

  1. Gitta Günther, Rainer Wagner: Weimar. Straßennamen. RhinoVerlag, Ilmenau 2012, S. 67. ISBN 978-3-939399-49-0
  2. Weilandscher Plan von 1841
  3. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar. Band 4.1.: Altstadt. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 369.
  4. Rolf Haage: Weimar: ein Führer durch die Klassiker-Stadt, Sutton Verlag, Erfurt 2011, S. 71.
  5. Art. Cranach-Presse, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 81.

Koordinaten: 50° 58′ 27″ N, 11° 19′ 43,3″ O