Geschnäbelter Kugelpilz

Geschnäbelter Kugelpilz

Anthostoma decipiens auf Hainbuche südlich von Prag

Systematik
Klasse: Sordariomycetes
Unterklasse: Xylariomycetidae
Ordnung: Holzkeulenartige (Xylariales)
Familie: Eckenscheibchenverwandte (Diatrypaceae)
Gattung: Anthostoma
Art: Geschnäbelter Kugelpilz
Wissenschaftlicher Name
Anthostoma decipiens
(DC.) Nitschke

Der Geschnäbelte Kugelpilz (Anthostoma decipiens) ist eine Pilzart aus der Familie der Eckenscheibchenverwandten (Diatrypaceae). Die holzharten, warzen- bis pustelartigen Fruchtkörper erscheinen ganzjährig an Hainbuchen.

Merkmale

Anthostoma decipiens bildet auf der Rinde befallener Bäume krebsartige Wucherungen. Auf den ältesten Teilen des Krebses erscheint auf den bereits sehr geschwächten Wirten eine samtige, dunkle, fast schwarze Schicht mit kleinen, eiförmigen Perithecien als Fruchtkörpern, die 0,5 bis 0,8 Millimeter im Durchmesser groß werden. Sie haben einen langen, flaschenförmigen Hals, der 1,5 Millimeter groß und 0,3 Millimeter breit werden kann, fünf bis acht Rillen besitzt und innen hohl ist.[1] Auf der Fruchtschicht der Perithecien befinden sich Paraphysen und keulenförmige Schläuche (Asci). Erstere sind 150 bis 200 Mikrometer lang, letztere sind keulenförmig 35 bis 60 Mikrometer lang und 4 bis 5 Mikrometer breit mit 30 bis 50 Mikrometer langen Stielen. In den Asci befinden sich hellbraune bis olivgrüne Sporen, die 4 bis 7 Mikrometer lang und 1,8 bis 3,5 Mikrometer breit werden.[1]

Ökologie und Verbreitung

Anthostoma decipiens befällt vorzugsweise die Gemeine Hainbuche, wurde aber auch auf Schwarz-Erle, Haselnuss, Rotbuche und Hopfenbuche, mit verminderten Symptomen auch auf Hänge-Birke und Stiel-Eiche beobachtet.[2] Er ist ein Wundparasit und bringt die Bäumen mit der Zeit zum Absterben.[3] Anthostoma decipiens ist in Europa von Nordspanien bis Polen und Ungarn und Großbritannien nachgewiesen.[4] Es gibt auch Nachweise vom östlichen Nordamerika und vereinzelt auch aus Mexiko und Australien.[5]

Systematik und Taxonomie

Anthostoma decipiens wurde bereits 1805 als Sphaeria decipiens von Augustin Pyrame de Candolle erstbeschrieben. 1867 wurde der Pilz von Theodor Nitschke unter dem heute gültigen Namen beschrieben,[6] was wörtlich übersetzt Täuschender Schnabelkugelpilz bedeutet.[3]

Commons: Geschnäbelter Kugelpilz (Anthostoma decipiens) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Einzelnachweise

  1. a b F. Rocchi, S. Quaroni, P. Sardi and M. Saracchi: Studies on Anthostoma decipiens involved in Carpinus betulus decline. In: Journal of Plant Pathology. Band 92, Nr. 3, 2010, S. 637–644, doi:10.4454/JPP.V92I3.308 (englisch, cloudfront.net [PDF]).
  2. M. Saracchi, P. Sardi, A. Kunova, P. Cortesi: Potential host range of Anthostoma decipiens and Endothiella sp., agents of hornbeam blight. In: Journal of Plant Pathology. Band 97, 2015, S. 93–97, doi:10.4454/JPP.V97I1.013, JSTOR:24579135.
  3. a b Thomas L. Cech: Rindenläsionen am Stamm von Hainbuchen, assoziiert mit Anthostoma decipiens. In: Forstschutz Aktuell. Band 65, Nr. 7, 2019, S. 45–50 (193.170.148.82 [PDF]).
  4. Viktor Papp, Balázs Palla, Dávid Papp, Csaba Németh: First report of Cryphonectria carpinicola in Hungary and Slovakia (Central Europe). In: Forest Pathology. Band 54, Nr. 1, 2024, S. 1–4, doi:10.1111/efp.12845.
  5. Anthostoma decipiens bei Global Biodiversity Information Facility (GBIF)
  6. Anthostoma decipiens. In: MycoBank. Abgerufen am 28. Dezember 2025 (englisch).