Gertrude Harding

Alice Gertrude Menzies Harding, auch kurz Gert Harding (* 18. August 1889 in Welsford, Queens County, New Brunswick; † 7. Februar 1977 in Rothesay, Kings County, New Brunswick),[1] war eine kanadisch-britische Suffragette. Geboren auf einer Farm im ländlichen Kanada kam sie 1912 mit der Familie nach London. Dort schloss sie sich schnell der militanten Suffragettenbewegung der Women’s Social and Political Union an und war damit eine der wenigen kanadischen Frauen, die diesen Schritt gingen.[2]

Leben

Harding wurde 1889 als jüngstes von sieben Kindern von William Stening Harding (1840–1928) und Jane Paschal (1853–1907) auf einer Farm in Welsford, New Brunswick, Kanada, geboren. Sie selber schildert sich als „wildes Kind“. Im Alter von 18 Jahren wurde ein Herzgeräusch festgestellt. Harding lebte ab 1900 eine Zeit als Begleiterin ihrer älteren Schwester Helen, verheiratete Waterhouse, auf Hawaii.[1]

1912 reiste sie mit der Familie Waterhouse nach London, wo Ernest Waterhouse geschäftliche Interessen hatte. Innerhalb weniger Tage nach ihrer Ankunft wurde Harding Zeugin einer Demonstration von Frauen, die Plakate mit Slogans wie „Votes for Women“ und „No Taxation without Representation“ trugen. Sie war von der Sache unmittelbar angezogen, blieb alleine in London und wurde bald eine bezahlte Organisatorin der militanten Women’s Social and Political Union (WSPU), was sie finanziell unabhängig machte.

Hardings erste militante Aktion bestand darin, zusammen mit Lilian Lenton einen nächtlichen Überfall auf seltene Orchideen im Royal Botanical Gardens in Kew zu verüben. Die Frauen betraten den Garten tagsüber als Touristinnen und erkundeten die besten Orte für ihren Überfall. In dieser Nacht, während eines Gewitters, brachen sie in zwei kleine Gewächshäuser mit den seltensten Orchideen ein, um so viel Schaden wie möglich anzurichten, bevor sie eventuell gefasst würden. Der Nachtwächter kam jedoch nicht. Am nächsten Tag berichteten ein Dutzend Zeitungen über „the outrage“ in Kew Gardens, zwei davon behaupteten, es müsse sich um männliche Sympathisanten der Sache gehandelt haben, da nur Männer die zwei Meter hohe Mauer erklimmen konnten, um zu entkommen.

Harding war nach eigenen Aussagen Teil der Leibwache von Emmeline Pankhurst, die sie während der Zeit des sogenannten Cat and Mouse Act vor den ständigen Wiederverhaftungen schützen sollten. Die Leibwächterinnen lernten Jiu Jitsu von Edith Garrud, waren aber in der Regel körperlich unterlegen, so dass sie Verkleidungen, Lockvögel und anderen Tricks anwandten. Bei zwei Gelegenheiten wurde eine Lockvogel-„Mrs. Pankhurst“ verhaftet, wodurch die echte unbemerkt entkommen konnte.

Als der Krieg ausbrach, blieb Harding Teil des Kernteams der WSPU. Sie war Privatsekretärin von Christabel Pankhurst, als diese 1915 nach Paris ins Exil ging. Die Zeitung The Suffragette wurde in Britannia umbenannt, und Harding war bis 1915 fünf Monate lang deren Herausgeberin. Schließlich mussten die Pankhursts sie aus Geldmangel entlassen. Harding fand eine Anstellung in der Munitionsfabrik HM Factory, Gretna in Schottland.[3]

Harding kehrte 1920 nach Kanada zurück und lebte in einem Cottage auf einem Feld der Farm ihres Bruders William Harding und seiner Frau May in New Brunswick. Nach einem Jahr fand sie eine Stelle als Sozialbetreuerin in Plainfield, New Jersey, die sie 13 Jahre lang behielt.[3]

Später verfasste sie ihre Memoiren aus der Londoner Zeit und legte dazu ein Sammelbuch an, in das sie Fotos, Skizzen und andere Dokumente klebte, dass sie später ihrer Nicht hinterließ, bei der sie an Krebs erkrankt ab 1976 lebte. Harding starb ein Jahr später im Alter von 88 Jahren. Sie war nie verheiratet und hatte keine Kinder.[1][3]

Nachleben

1996 veröffentlichte Hardings Großgroßnichte Gretchen Kelbaugh (Wilson) die Biografie „With All Her Might; the Life of Gertrude Harding, Militant Suffragette“, das den Inhalt des Sammelbuchs enthält.

Harding wird in Ann Bertrams Theaterstück The Good Fight dargestellt, der Geschichte der Suffragette Grace Roe, aufgeführt vom Theatre Unbound.[4]

Harding inspirierte teilweise die fiktive Figur „Persephone Wright“ in der Graphic-Novel-Trilogie Suffrajitsu: Mrs. Pankhurst's Amazons (2015) und erscheint unter ihrem eigenen Namen als Nebenfigur in den Spin-off-Novellen The Second-Story Girl und The Isle of Dogs.[5]

Harding ist in der Dokumentation No Man Shall Protect Us: The Hidden History of the Suffragette Bodyguards (2018) dargestellt.[6]

Einzelnachweise

  1. a b c Geburts-, Sterbe-, Melderegister- und Zensuseinträge Canada auf ancestry.com.
  2. Sofern nicht explizit anders angegeben folgt die Darstellung der auf Hardings Memoiren beruhenden Biografie von Hardings Großgroßnichte: Gretchen Wilson (Kelbaugh): With All Her Might: The Life of Gertrude Harding, Militant Suffragette. Holmes & Meier, New York City 1998, ISBN 978-0-8419-1385-1. Die Autorin hat in Blogs und auf ihrer eigenen Website verschiedene Details der Biografie dargelegt:
    • Gretchen Wilson: Gertrude Harding. In: section15.ca. Nancy’s Very Own Foundation, Private Website, 7. Dezember 1999, archiviert vom Original am 28. August 2011; abgerufen am 5. Januar 2026.
    • Gretchen Kelbaugh: Gert Harding. In: Women Suffrage and Beyond. University of British Columbia, Vancouver, 4. Juni 2012, archiviert vom Original am 29. April 2017; abgerufen am 5. Januar 2026.
    • Welsford’s Gert Harding remembered as women's suffrage pioneer. In: CBC News. CBC/Radio-Canada, 30. Januar 2016, abgerufen am 6. Januar 2026.
    • Gretchen Kelbaugh: Gert Harding. Private Website, abgerufen am 5. Januar 2026.
    • Gretchen Kelbaugh: Books. Private Website, abgerufen am 5. Januar 2026.
  3. a b c Diane Atkinson: Rise up, women!: the remarkable lives of the suffragettes. Bloomsbury, London 2018, ISBN 978-1-4088-4404-5, S. 376, 459, 540.
  4. Matthew A. Everett: Theatre Unbound's jujitsu suffragettes fight «The Good Fight». In: Theater Review. Daily Planet, 1. Oktober 2012, archiviert vom Original am 8. Oktober 2012; abgerufen am 6. Januar 2026.
  5. Suffrajitsu. Private Website, abgerufen am 6. Januar 2026.
  6. Daniel Paris-Clavel und Sabine Jainski: Ju-Jutsu für Suffragetten. Le Monde diplomatique, 11. Februar 2016, abgerufen am 6. Januar 2026.