Gertrude Golda Lowy

Gertrude Golda Lowy, verheiratete Salaman (* 2. November 1887 in Hampstead (London), London; † 25. Januar 1982 in Bracknell, Berkshire), war eine englisch-britische Suffragette.

Leben

Lowy war das älteste von acht Kindern in einer einflussreichen jüdischen Familie im Londoner Norden.[1] Ihre Eltern waren Ernest Daniel Lowy, der Sohn von Albert Löwy,[2] und Henrietta Lowy, geborene Solomon.[3] Zu ihren Tanten und Onkel mütterlichserseits gehörten die Künstler Solomon Joseph Solomon und Lily Delissa Joseph.

Lowy, ihre Mutter und ihre drei Schwestern engagierten sich in der Frauenwahlrechtsbewegung. Lowy wurde eine militante Aktivistin, wurde 1908 Mitglied der Women’s Social and Political Union (WSPU) und trat 1912 bei deren Gründung der Jewish League for Woman Suffrage bei.[4][5][6]

Anfang März 1912 beteiligte sich Lowy zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons.[7] Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Lowy zerschlug die Schaufenster der Kaufhäuser in Knightsbridge. Sie wurde verhaftet, zu zwei Monaten Haft mit schwerer körperlicher Arbeit verurteilt, trat im Gefängnis in den Hungerstreik und wurde zwangsernährt.[8]

Nach ihrer Freilassung wurde sie von der WSPU-Führung mit der sogenannten „Hungerstreik-Medaille“ For Valour ausgezeichnet, die heute in der Sammlung des The Jewish Museum in London ist.[4][9] Lowy war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.[10]

Lowy fotografierte Mitstreiterinnen in der Frauenwahlrechtsbewegung, darunter Ada Wright.[11] Sie betrieb 1913 den Fotostand auf der Sommermesse der WSPU[3] und stellte 1915 in der Royal Photographic Society aus.[12]

Während des Ersten Weltkriegs trat sie 1917 dem Voluntary Aid Detachment (VAD) bei und diente bis 1919 als Röntgenassistentin in Italien. Für ihre Verdienste wurde sie mit dem italienischen Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet.[1]

1926 heiratete sie Redcliffe Nathan Salaman, einen Botaniker und Experten für die Züchtung von kartoffelfäule-resistenten Kartoffeln,[5] dessen erste Frau Nina Salaman 1925 verstorben war. Salaman hatte sich aktiv für die Frauenwahlrechtsbewegung eingesetzt. So berichtete beispielsweise die Zeitung Common Cause der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) 1909, dass er sich bei einer Versammlung in Hertfordshire für das Frauenwahlrecht ausgesprochen hatte.[13]

Lowy wurde von ihrem Onkel Solomon Joseph Solomon gemalt, und das Porträt wurde in der Royal Academy of Arts und der Ben Uri Gallery & Museum ausgestellt.[14][15]

Lowy starb 1982 im Alter von 94 Jahren.

Einzelnachweise

  1. a b Peter5151: Gertrude Lowy (later Salaman). In: Lives of the First World War. Imperial War Museum, abgerufen am 10. Januar 2026.
  2. Löwy, Albert. In: William D. Rubinstein, Michael A. Jolles, Hillary L. Rubinstein (Hrsg.): The Palgrave Dictionary of Anglo-Jewish History. Palgrave Macmillan, London 2011, ISBN 978-0-230-30466-6, S. 620–621.
  3. a b Elizabeth Crawford: Lowy, Gertrude(1887–1982). In: The Women’s Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 0-7484-0379-5, S. 359.
  4. a b Elizabeth Crawford: Suffrage Stories: Two New Exhibitions. In: Woman and her Sphere. Privater Blog, 21. Mai 2015, abgerufen am 10. Januar 2026.
  5. a b Todd M. Endelman: The Last Anglo-Jewish Gentleman: The Life and Times of Redcliffe Nathan Salaman. Indiana University Press, Bloomington, IN 2022, ISBN 978-0-253-06176-8, S. 107.
  6. Linda Gordon Kuzmack und Sophie Wilson: Jewish League for Woman Suffrage. In: The Shalvi/Hyman Encyclopedia of Jewish Women. Jewish Women's Archive, 23. Juni 2021, abgerufen am 10. Januar 2026.
  7. Jennifer Godfrey: Secret Missions of the Suffragettes: Glassbreakers and Safe Houses. Pen and Sword History, Barnsley 2024, ISBN 978-1-399-01399-4, S. 47 f. (google.com).
  8. Suffragettes: Amnesty of August 1914: index of people arrested, 1906–1914. In: HO 45/24665. The National Archives, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  9. Blackguards in Bonnets. In: Exhibitions. Jewish Museum London, 2015, abgerufen am 10. Januar 2026.
  10. The Suffragette Handkerchief. Sussex Past, August 2011, archiviert vom Original am 13. Mai 2021; abgerufen am 18. Dezember 2024.
  11. Gertrude Lowy: Ada Cecile G. Wright. Google Arts & Culture, 1910, abgerufen am 10. Januar 2026.
  12. Andrew45070: Suffragette. In: Lives of the First World War. Imperial War Museum, abgerufen am 10. Januar 2026.
  13. Tara Morton: Redcliffe Salaman. In: Mapping Women’s Suffrage. University of Warwick, abgerufen am 10. Januar 2026.
  14. Solomon Joseph Solomon R.A., P.R.B.A.: Portrait of Gertrude Salaman, the Artist’s Niece, oil on canvas. Sothebys, 2018, abgerufen am 10. Januar 2026.
  15. Walter M. Schwab und Julia Weiner (Hrsg.): Jewish Artists: The Ben Uri Collection: Paintings, Drawings, Prints and Sculpture: A Catalogue of Works by Jewish Artists and of Jewish Interest in the Possession of the Ben Uri Art Society, London. Ben Uri Art Society, 1994, ISBN 978-0-85331-655-8.