Gertrud Wiegandt
Gertrud Wiegandt (* 23. April 1898 in Dresden; † 28. Dezember 1993 ebenda) war eine deutsche Mathematikerin und die erste Assistentin an der Mathematischen Fakultät der Technischen Hochschule Dresden.
Leben
Gertrud Wiegandt wurde am 23. April 1898 in Dresden geboren. Ihr Vater war der Alt-Philologe und Lehrer in Dresden-Neustadt Leopold Wiegandt, ihre Mutter Helene Thienemann. Sie hatte eine ältere Schwester Johanna und den Bruder Bernhard. Dieser starb im Ersten Weltkrieg.[1]
Anders als ihre Schwester, die noch keinen Zugang zu einem Gymnasium hatte, konnte sie ihr Abitur 1918 direkt an der Dresdner Studienanstalt für Mädchen ablegen. Danach studierte sie je ein Semester in Heidelberg und Leipzig Mathematik/Physik, ehe sie ihr Studium 1922 an der Technischen Hochschule Dresden mit der Prüfung für das höhere Schulamt beendete.[2]
1923 nahm sie eine Assistenzstelle an der Professur für Mathematik bei Gerhard Kowalewski 1923 an. Dazu verzichtete sie auf ihr Probejahr zur Vollendung der Lehramtsausbildung und nahm am 1. November 1923 die Tätigkeit auf. Dort führte sie Übungen für Ingenieursstudenten durch und promovierte 1924 „Zur natürlichen Geometrie einer zehngliedrigen Gruppe von Berührungstransformationen der Ebene“. Sie war die erste Frau an einem mathematischen Lehrstuhl der THD, die zur Assistenz ausgewählt worden war. Dort beschäftigte sie sich auch mit mathematisch-historischen Studien und engagierte sich in der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis, zeitweilig auch in deren Vorstand. Wiegandt war auch Mitglied im Nationalsozialistischen Lehrerbund, der ab 1933 als einziger Lehrerverband existierte. Diese Mitgliedschaft war oft auch eine Notwendigkeit, um den Arbeitsplatz zu erhalten.[1] Ihr Vertrag wurde mehrfach verlängert und endete im Jahr 1938. Danach arbeitete sie zwei Jahre im Schuldienst. Bei der Dresdner Firma Koch und Sterzel arbeitete sie ab 1940 bis zu ihrem Renteneintritt als Industriephysikerin.[2]
Wiegandt starb am 28. Dezember 1983 in Dresden. Sie wurde auf dem St. Pauli-Friedhof bestattet.
2023 wurde zu Ehren von Gertrud und ihrer Schwester Johanna der erste Frauenort an der TU Dresden eingeweiht.[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b c dr. gertrud wiegandt & dr. johanna wiegandt. In: frauenorte-sachsen.de. frauenorte sachsen, abgerufen am 7. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ a b GastautorIn: Sichtbarkeit schaffen: Historische Wissenschaftlerinnen der TU Dresden. In: hypotheses.org. 2024, abgerufen am 7. Dezember 2025.