Gertrud Weinhold
Gertrud Weinhold (* 18. September 1899 in Berlin; † 3. November 1992) war eine deutsche Pädagogin, Sammlerin und Mäzenin. Sie wurde durch ihre kulturvergleichende Sammlung religiöser Volkskunst bekannt, die heute in mehreren Museen dauerhaft ausgestellt ist.
Leben
Gertrud Weinholds Mutter war hugenottischer Abstammung, der Vater entstammte einer hessischen Bauernfamilie, die sich Ende des 17. Jahrhunderts in Schlesien und in der Lausitz ansiedelte. Sie besuchte Schulen in Berlin und Stettin und studierte anschließend in Rostock evangelische Religionspädagogik. Eine katechetisch-theologische Ausbildung im Burckhardthaus Berlin schloss sich an sowie eine pädagogische Ausbildung am Institut für Erziehung und Unterricht. Sie war zudem Meisterin im Kunstweben und hielt ein Tanzdiplom für Tänze der Völker.[1]
1929 wurde sie Leiterin der für Mädchen und Frauen eingerichteten Märkischen Volkshochschule der Inneren Mission. 1936 wurde diese von den Nationalsozialisten geschlossen. Erst 1945 konnte sie die Heimvolkshochschularbeit weiterführen.[1]
Die pädagogisch-kirchliche Arbeit führte sie zum Sammeln von Anschauungsmaterial festlicher Zeichen und religiöser Volkskunst, die sie in den Unterricht einbezog. Sie setzte sich zeitlebens für die Vermittlung christlicher Inhalte durch Kunst und Brauchtum ein. Auf zahlreichen Reisen sammelte sie Zeugnisse religiöser Alltagskultur, insbesondere rund um das Kirchenjahr. Ihr Ziel war es, die Vielfalt christlicher Ausdrucksformen weltweit zu dokumentieren und für die Bildung nutzbar zu machen.[1]
Ehrungen
Sie erhielt 1964 die Internationale Ehrenmedaille für Krippenforschung. 1979 erhielt sie für die völkerverbindende Wirkung der Sammlung das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. 1984 wurde ihr zum 85. Geburtstag von der Stadt Berlin der Professorentitel ehrenhalber verliehen.[1]
Sammlung
Unter dem Titel „Das Evangelium in den Wohnungen der Völker“ trug Weinhold über 6000 Objekte aus 48 Ländern zusammen. Die Sammlung umfasste Weihnachtskrippen, Material zu Osterbräuchen, Andachtsgegenstände und volkstümliche Darstellungen biblischer Szenen.[2] Sie dokumentierte damit die religiöse Volkskunst des 20. Jahrhunderts in ihrer globalen Vielfalt und Authentizität. Gertrud Weinhold hatte verfügt, dass ihre Sammlung je zu einem Teil in den Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin, und des Bayerischen Nationalmuseums übergehen sollte.[3]
Die Sammlung Weinhold ist heute in drei Museen dauerhaft oder in Teilen zugänglich:
- Museum Europäischer Kulturen (MEK), Berlin: Das Museum beherbergt einen bedeutenden Teil der Sammlung, insbesondere zur europäischen Festkultur. Die Ausstellung Weihnachten weltweit zeigte bis 2023 internationale Krippen und Bräuche aus Weinholds Sammlung und wurde regelmäßig erweitert und aktualisiert. Ein großer Teil der rund 1.500 Krippen und Krippenfiguren in den Beständen des MEK stammt aus der Sammlung Gertrud Weinhold. Auch Objekte des Judentums und des Islams befinden sich – wenn auch in geringerer Zahl – in dieser Sammlung.[4]
- Altes Schloss Schleißheim, Bayern: Die Hauptsammlung wurde dem Freistaat Bayern vermacht und ist dort unter dem Titel Das Gottesjahr und seine Feste dauerhaft ausgestellt.[5] Es ist ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums in München.
- Einzelne Objekte aus der Sammlung aus Schleißheim sind in thematischen Ausstellungen zur religiösen Volkskunst in München integriert.[6]
Veröffentlichungen
- Gaben und Kräfte der Hände. Christl. Zeitschriftenverlag, Berlin 1948
- Sankt Michael: Phänomen eines bildnerischen Vorgangs. Lometsch, Kassel 1961
- Das schöne Osterei in Europa. Lometsch, Kassel 1965
- Freude der Völker : Weihnachtskrippen und Zeichen der Christgeburt aus aller Welt. Claudius-Verlag, München 1978, ISBN 978-3-532-61300-9
- mit Harry C. Suchland (Fotos): Der Friedefürst: Leiden, Kreuzestod und Ostersieg des Herrn Jesus Christus im Zeugnis der universalen Volkskunst. Wichern-Verlag, Berlin 1985, ISBN 978-3-88981-013-7
- Das Gottesjahr und seine Feste. Schnell und Steiner, Zürich/München 1986, ISBN 978-3-7954-0639-4
- Engel: himmlische Boten; biblisch-spirituelle Sicht. Bildzeugnisse der Völker. Verlagsanstalt Bayerland, Dachau 1989, ISBN 978-3-89251-061-1
- Kleiner Knabe, großer Gott: Botschaft des Heils. Bildzeugnisse aus aller Welt. Verlagsanstalt Bayerland, Dachau 1991, ISBN 978-3-89251-095-6
- Das lebenspendende Kreuz: das Mysterium. Heilszeichen und Schmuck weltweit. Verlagsanstalt Bayerland, Dachau 1993, ISBN 978-3-89251-153-3
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Gertrud Weinhold: Der Friedefürst. Wichern-Verlag, 1985, Klappentext.
- ↑ Altes Schloss Schleißheim – „Das Gottesjahr und seine Feste“ – Ökumenische Sammlung Gertrud Weinhold. In: museen-in-bayern.de. Abgerufen am 10. Januar 2026 (deutsch).
- ↑ Barbara Grabmann: Prozesse der Konstitution kollektiver Identität im Vergleich: Museen in Schottland und Bayern. Tectum Verlag DE, 2002, ISBN 978-3-8288-8444-1, S. 360 (google.de [abgerufen am 10. Januar 2026]).
- ↑ Sammlungskonzept des Museums Europaischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin. Stand: Januar 2022.
- ↑ Das Gottesjahr und seine Feste – museen.de, Abgerufen am 6. Oktober 2025.
- ↑ Kunst, Glaube, Kultur: Die Sammlung Weinhold im Alten Schloss Schleißheim ist in ihrer kulturellen Vielfalt unübertroffen. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 10. Januar 2026.