Gertrud Heider

Gertrud Heider (* 14. Mai 1928 in Prinzdorf, Kreis Bunzlau; † 2007) war eine deutsche Kunsthistorikerin.

Leben und Werk

Gertrud Heider absolvierte bis 1942 die Volksschule. Ihre Familie kam in der Folge des Zweiten Weltkriegs aus Niederschlesien in die Sowjetische Besatzungszone. Dort arbeitete Gertrud Heider anfangs in der Landwirtschaft und machte sie nach einer kaufmännischen Lehre 1946 die Kaufmannsgehilfenprüfung. Danach arbeitete sie als Stenotypistin in der Landesleitung Sachsen der SED. 1950 erwarb sie an der Arbeiter- und Bauernfakultät Dresden das Abitur, und von 1951 bis 1956 studierte sie Kunstgeschichte an der Staatlichen Shdanow-Universität Leningrad. 1956/1957 war sie Assistentin am kunsthistorischen Institut der Humboldt-Universität Berlin. Danach hatte sie an der Shdanow-Universität eine wissenschaftliche Aspirantur. 1961 promovierte sie dort zum Kandidaten der Kunstwissenschaften. Von 1962 bis 1968 war sie an der Karl-Marx-Universität Leipzig wissenschaftliche Oberassistentin am kunsthistorischen Institut und von 1968 bis 1969 persönliche Referentin des Prorektors für internationale Beziehungen und Kultur.

1969 organisierte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sektion Bildende Kunst der Deutschen Akademie der Künste (AdK) die Ausstellung der Akademie „Max Lingner in Frankreich. Gemälde, Aquarelle, Pressezeichnungen.1929–1949“. Seitdem arbeitete sie freiberuflich wissenschaftlich im 1969 als Außenarchiv der AdK gegründeten Max-Lingner-Archiv im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus Lingners[1] in Berlin-Niederschönhausen. Sie war am Aufbau des Archivs maßgeblich beteiligt, erarbeitete konzeptionelle Grundlagen für das Archiv, beriet Lingners Witwe Erika Lingner (1914–1997), leitete die Angestellten des Archivs an und initiierte und förderte Ausstellungen und Publikationen zum Werk Lingners. Bis 1988 veranstaltete das Archiv 18 solcher Ausstellungen. Daneben hatte Gertrud Heider eine Dozentur für Kunstwissenschaft an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, und ab 1976 leitete sie dort die Abteilung Kultur- und Kunstwissenschaften. 1981 erwarb sie zum Thema Max Lingner die Promotion B.

Nach dem Eintritt in die Altersrente 1988 betreute sie das Max-Lingner-Archiv ehrenamtlich.

Gertrud Heider publizierte eine große Zahl von Arbeiten zu Lingner und zu deutscher, russischer und sowjetischer bildender Kunst. Sie betätigte sich als Herausgeberin, Übersetzerin aus dem Russischen und als Gutachterin und unterstützte die Publikation von Werken Lingners.

Sie gehörte wichtigen kulturpolitischen Institutionen der DDR an, so als Leiterin der Arbeitsgruppe Kunstgeschichte der künstlerischen Lehranstalten und als Mitglied des wissenschaftlichen Rats des Instituts für Weiterbildung beim Ministerium für Kultur (MfK), des Redaktionskollegiums der marxistisch-leninistischen Ästhetik und der Arbeitsgruppe Ästhetik beim MfK sowie des Nationalen Zentrums der Société Européenne de Culture (SEC). Ziel dieser internationalen Gesellschaft war es, „die Spaltung Europas und den Kalten Krieg friedlich durch den Dialog der „Männer der Kultur“ zu überwinden.“[2]

Gertrud Heider war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und der Historiker-Gesellschaft der DDR. 1988 wurde sie „für ihre Verdienste um die wissenschaftliche Erschließung, um Pflege und Popularisierung des Werkes von Max Lingner“ mit dem Max-Lingner-Preis geehrt.

Von Erika Lingner zu ihrer Erbin bestimmt, war Gertrud Heider nach dem Ableben Erika Lingners die Verwalterin des Nachlasses Lingners und leitete den Freundeskreis Max Lingner. Sie nahm auch ihren Wohnsitz im denkmalgeschützten Max-Lingner-Haus.

Kurz vor ihrem Tod errichtete sie die unselbständige Max-Lingner-Stiftung. Diese wird heute, wie von Gertrud Heider testamentarisch verfügt, von der Rosa-Luxemburg-Stiftung treuhänderisch betreut.[3]

Einzelnachweise

  1. Max Lingner Stiftung: Max-Lingner-Haus. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  2. Archives of the Société européenne de culture at the Historical Archives of the European Union. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (britisches Englisch).
  3. Max Lingner Stiftung: Stiftung. Abgerufen am 25. Oktober 2025.