Gertraudenstraße (Magdeburg)
Die Gertraudenstraße war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße aufgegeben.
Lage und Verlauf
Die kurze Straße befand sich in der Magdeburger Altstadt und verband, von Westen nach Osten parallel zur nördlich liegenden Johannisbergstraße verlaufend, das Knochenhauerufer mit der Straße Fürstenufer.
Die Hausnummerierung verlief 1829 auf der Südseite der Straße ursprünglich beginnend mit der Nummer 1 aufsteigend nach Osten bis zur Nummer 5. Auf der Nordseite befanden sich in umgekehrter Richtung die Nummern 6 und 7. Die Eckhäuser gehörten jeweils zu den angrenzenden Straßen. In den 1930er Jahren waren nur noch die Nummern 1 und 2 auf der Südseite der Gertraudenstraße zugeordnet.
Heute ist der Bereich der Gertraudenstraße Teil des Parkplatzes nördlich der Neuen Strombrücke.
Geschichte
Der älteste überlieferter Name der Straße lautete Rollgasse und hatte die Bedeutung von Rudolfsgasse. Der Name ging auf die am östlichen Ende der Straße ursprünglich befindliche Pforte in der Stadtmauer zurück, durch die man zum Ufer der Elbe gelangte. Die Pforte wurde 1438 als Roloves-porte bezeichnet, wobei Rolov als Kurzform von Rudolf zu verstehen ist. Möglicherweise wohnte ein namengebender Rudolf nahe der Pforte. 1552 wurde die Pforte als Rohlpforte geführt. Der Name Rollgasse blieb noch bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich. Am Neuen Brücktor war 1698 die Ratsmühle angelegt worden. Die Mehlsäcke wurden mit Eseln transportiert, die ihren Weg durch die Gasse nahmen, so dass nun der Name Eselsgasse aufkam und den alten Namen verdrängte. Auch die an der Nordwestecke gelegene Kapelle des Gertraudenhospitals wurde in dieser Zeit als Eselskirche bezeichnet. Von 1817 bis 1835 wurde die Gasse amtlich als Eselstraße benannt. Dann nahm man an dem Namen Anstoß. Es erfolgte eine Umbenennung zur Gertraudenstraße, nach dem angrenzenden Gertraudenhospital.[1]
Während des Zweiten Weltkriegs wurde auch der Bereich der Gertraudenstraße zerstört. In der Zeit der DDR erfolgte ein Wiederaufbau der Innenstadt, der sich in weiten Teilen nicht an die historische Stadtstruktur hielt. Die Gertraudenstraße wurde dabei aufgegeben und Teil des Parkplatzes.
Historische Häuser der Gertraudenstraße
| Hausnummer | Name | Bemerkungen | Bild |
|---|---|---|---|
| 1a | Im 17. Jahrhundert gehörte die, wohl nach der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631, wüste Stätte Albert Fischer, bis dieser 1675 verstarb. 1676 veräußerte Melchior Fischer die Fläche an den Müller Johann Schmidt, der zugleich auch das benachbarte Haus Knochenhauerufer erwarb. Auch 1683 war das Grundstück jedoch noch wüst. Der Färber Bartel Langermann, kaufte 1685 das Haus Knochenhauerufer 8 und auch die Grundstücke 1a und 1b der Gertraudenstraße. Er errichtete ein Haus, das ihm noch bis 1730 gehörte. Das Haus wurde später wieder geteilt, so dass die 1a im Jahr 1829 als Nummer 1 geführt wurde. | ||
| 1b | 1631 und 1651 war Hans Pabst Eigentümer. Noch 1683 war das Grundstück wüst und wurde dann gemeinsam mit der benachbarten Nummer 1a von Bartel Langermann erworben (siehe 1a). Nach einer späteren erneuten Teilung trug das Grundstück 1829 die Nummer 2. | ||
| 2a | In den Jahren 1631 und 1651 war Hans Bürstenbinder Eigentümer des Grundstücks, das noch 1683 wüst war. Maurermeister Lorenz Burchard gehörte hier dann ein Haus, das er 1715 für 195 Taler an den Arbeiter (Visitator) Johann Georg Drost veräußerte, der bis 1732 Eigentümer blieb. Im Jahr 1829 wurde das Haus als Nummer 3 geführt. In den 1930er Jahren war das Grundstück mit den Nummern 2b und 2c als Nummer 2 vereint. | ||
| 2b | Daniel Fraß war 1631 und 1651 Eigentümer. 1683 behauptete Johann Krautmann Eigentümer des Grundstücks zu sein. 1710 und dann noch bis 1733 gehörte das Haus dem Maurermeister Johann Viehbeck. 1829 wurde es als Nummer 4 geführt. In den 1930er Jahren war das Grundstück mit den Nummern 2a und 2c als Nummer 2 vereint. | ||
| 2c | Im Jahr 1651 gehörte die Stätte der Witwe von Johann Krüger, die das Grundstück der Kämmerei schenkte. Das Grundstück lag außerhalb der Stadtmauer, während die Nummer 2b noch innerhalb lag. Später gehörte das Grundstück Johann Fricke und Johann Niesing. Sie vermieteten an jemanden, der hier eine Hütte errichtete. 1658 wurde die Hütte für 32 Taler an Hans Andreas Lepper verkauft, der seinerseits 1663 für 60 Taler an den Kornmesser Friedrich Hirschmann veräußerte, der auch noch 1683 Eigentümer war. Der Färber Jakob Heberlein vererbte das Haus seiner Tochter, der Ehefrau von Jakob Martin Francke. 1710 wurde es für 500 Taler an ihre Mutter, die Witwe von Heberlein, verkauft. Sie veräußerte es noch im gleichen Jahr für 600 Taler an den Kärrner Joachim Stegelitz. | ||
| 6 (alt) | Das Haus befand sich auf der Nordseite der Straße. 1631 und 1663 gehörte es den Erben von Klaus Zotenhauer, 1672 dann Christoph Keck und 1674 den Erben des Müllers Andreas Wulsch. Konstabel Samuel Wolterstorf wurde 1683 als Eigentümer geführt. Von ihm erwarb Johann Kaspar Wahlstab 1719 die wüste Stätte für 60 Taler. Ein neu errichtetes Haus veräußerte Wahlstab dann 1720 für 200 Taler an Andreas Hahmann. Im Grundbuch ist in diesem Bereich ein weiteres Gebäude vermerkt, das sonst jedoch nicht vermerkt wird. 1829 wurde das Grundstück noch als Nummer 6 geführt, später jedoch mit den benachbarten Häusern Fürstenufer 3 oder Knochenhauerufer 10 vereint. |
Literatur
- Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 153 f.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 153
Koordinaten: 52° 7′ 47,3″ N, 11° 38′ 32,6″ O