German-Nutrition Care Process

Der German-Nutrition Care Prozess (G-NCP) stellt das Handeln von Diätassistenten (Ernährungstherapeuten) in der Diätetik erklärbar und reproduzierbar dar. Er dient als Struktur für die ganzheitliche, wissenschaftsbasierte und ergebnisorientierte Betreuung und Versorgung in der Ernährungstherapie sowie in der ernährungsbezogenen Prävention[1]. Der G-NCP ermöglicht eine Vergleichbarkeit des Handelns in der Diätetik sowohl national wie auch international.

Historische Entwicklung

Der G-NCP entstand vor dem Hintergrund internationaler und europäischer Entwicklungen zur Professionalisierung des beruflichen Handelns und ist so mit anderen Prozessmodellen der Gesundheitsfachberufe, beispielsweise dem Pflegeprozesses[2], gleichzusetzen. Seit den 1980er Jahren etablierten sich in der Diätetik weltweit vergleichbare Prozessmodelle mit dem Ziel, eine personalisierte Ernährungsversorgung in für Dritte nachvollziehbaren Schritten unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren zu ermöglichen. Dazu zählen vor allem der Nutrition Care Process (USA)[3] der Nutrition and Dietetic Care Process (UK)[4], der Diëtistisch ZorgProces (NL)[5] sowie der Diaetologische Prozess (AT)[6].

Die Auseinandersetzung mit dem prozessgeleiteten Handeln in der Diätetik begann in Deutschland etwa 2009 und wurde maßgeblich durch den Berufsverband der Diätassistenten (VDD) initiiert und geprägt. Dort gründete sich 2013 eine Arbeitsgruppe, die 2015 als Ergebnis das G-NCP-Manual als Erstpublikation des G-NCP entwickelte[7]. Im Ansatz basierte der G-NCP in weiten Teilen auf dem US-amerikanischen Prozessmodell. Damit lässt sich seine Bezeichnung als German-NCP erklären, jedoch gilt er inzwischen als eigenständiges Prozessmodell. Bereits mit der Erstbeschreibung 2015 wurde auf eine schrittweise Weiterentwicklung des G-NCP aufgrund von Erfahrungswerten aus verschiedensten Praxissettings sowie aus Lehre und Forschung hingewiesen.

Im Jahr 2025 wurde die umfassende Überarbeitung des G-NCP, verbunden mit einem modernisierten Prozessmodell, einer Aktualisierung der theoretischen Grundlagen sowie einer Schärfung und Präzisierung von Begrifflichkeiten, veröffentlicht[8]. Dabei wurde die Bezeichnung German-Nutrition Care Prozess beibehalten und nur die Schreibweise von Prozess mit „z“ eingedeutscht. Dies wird mit dem hohen Wiedererkennungsgrad begründet, vor allem aber damit, weil sich für den Begriff „Nutrition Care“ (deutsch in etwa Ernährungssorge, Ernährungsbetreuung, Ernährungsversorgung) im Deutschen kein vergleichbar prägnanter und passender Begriff finden lässt[9].

Bei der Überarbeitung des G-NCP verwenden die Herausgeber und Autoren die Berufsbezeichnung Ernährungstherapeut / Ernährungstherapeutin. Sie begründen die Abweichung von der Berufsbezeichnung Diätassistent / Diätassistentin, als einzigem in Deutschland bundesrechtlich geregeltem Heilberuf in der Ernährungstherapie und Ernährungsprävention damit, dass von Berufs- und Fachverbänden bereits seit 2007 eine neue Berufsbezeichnung gefordert wird[10]. Die Bezeichnung Diätassistent hat zwar eine lange historische Tradition, spiegelt aber weder die Komplexität des beruflichen Handelns wider, noch verdeutlicht sie Patienten und Verbrauchern die Kompetenz des Berufes. Letzteres ist insofern von Bedeutung, da in Deutschland das Handlungsfeld Ernährungstherapie keinem Tätigkeitsvorbehalt unterliegt.

Definition und Zielsetzung

Der German-Nutrition Care Prozess (G-NCP) dient der systematischen Problemlösung und wird in der Diätetik angewendet, um mittels kritischem Denken Entscheidungen treffen zu können, die es ermöglichen, ernährungsbezogene Probleme qualitätskontrolliert zu lösen und damit zu einer sicheren, effektiven und hochwertigen gesundheitlichen Versorgung beizutragen[1].

Er ist eng mit der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)[11] sowie mit dem biopsychosozialen Modell der WHO[11] verknüpft. Durch standardisierbare Handlungsabläufe und vergleichbares Vorgehen soll eine hohe Qualität in allen Handlungsfeldern der Diätetik erreicht werden. Zudem ergeben sich Anknüpfungspunkte in der Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsfachberufen.

Perspektivisch bildet er mit der Entwicklung einer einheitlichen (standardisierten) Sprache für die Diätetik die Grundlage für deren Digitalisierung.

Implementierung

Seitens der European Federation of Associations of Dietitians (EFAD) existiert seit 2014 die Empfehlung zur Etablierung eines Prozessmodells in den Mitgliedsstaaten[12]. Seit der Veröffentlichung des G-NCP-Manuals 2015 verbreitete der VDD den G-NCP als gültiges Prozessmodell in Deutschland, machte ihn neben Diätassistentinnen und Diätassistenten auch allen anderen im Handlungsfeld tätigen Berufsgruppen zugänglich und brachte ihn in Qualitätsstandards, Empfehlungen und Leitlinien ein.

Verweise auf den G-NCP finden sich beispielsweise

• in der Leistungsbeschreibung zur Erbringung des Heilmittels Ernährungstherapie[13],

• in den DGE-Beratungsstandards[14],

• in der S2k-Leitlinie Zöliakie[15],

• in den Anforderungen von OnkoZert zur Zertifizierung Viszeralonkologischer Zentren und Darmkrebszentren[16],

• in der Rahmenvereinbarung zur Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung/-therapie und Ernährungsbildung in Deutschland[17], sowie

• in der S3-Leitlinie Adipositas – Prävention und Therapie[18].

Seit seiner Entstehung wird der G-NCP didaktisch für die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses genutzt. Alle im Bund für Ausbildung und Lehre in der Diätetik (BALD) vertretenen Schulen und Hochschulen für Diätetik beschlossen im Herbst 2017, den G-NCP verbindlich in die Ausbildung und Lehre aufzunehmen.

Das G-NCP-Modell

Beim G-NCP-Modell handelt es sich um die Visualisierung des Prozesses.

Im Zentrum des G-NCP-Modells steht die therapeutische Beziehung zwischen Diätassistent(en) und Nutzenden. Anstelle von Diätassistenten können auch Absolventen vergleichbarer Studiengänge (z. B. Ernährungswissenschaft, Oecotrophologie) tätig werden, allerdings ist bei der ärztlichen Anordnung oder Verordnung von ernährungstherapeutischen Maßnahmen zu beachten, dass sie formal und rechtlich nicht als reglementierter Gesundheitsfachberuf (Heilberuf) gelten. Der G-NCP spricht immer von einer therapeutischen Beziehung, auch wenn es sich je nach Setting oder Leistungsrecht um eine gesundheitsfördernde, präventive, therapeutische, rehabilitative oder palliative Situation handelt.

In einem Ring um das Zentrum wird auf die notwendigen beruflichen Voraussetzungen zur Ausgestaltung der therapeutischen Beziehung verwiesen.

· Berufliche Handlungskompetenz als Verbindung von Wissen und Können bei der Bewältigung beruflicher Handlungsanforderungen, um ernährungsbezogene Probleme als Gesundheitsfachberuf/Heilberuf eigenverantwortlich und in hoher Qualität lösen zu können[19]. Diese mündet in therapeutischer Eigenverantwortlichkeit mit der Fähigkeit zur therapeutischen Entscheidungsfindung basierend auf dem Konzept von Clinical bzw. Medical Decision Making und Partizipativer Entscheidungsfindung (Shared Decision Making)[20].

· Evidenzbasierte Diätetik (vergleiche evidenzbasierte Medizin / evidence based medicine), was bedeutet, systematisch Forschungsergebnisse zu finden und sich mit der Gültigkeit, Anwendbarkeit und Bedeutung dieser Evidenz auseinanderzusetzen. Diätassistenten wägen evidenzbasierte Informationen mit ihrem Fachwissen und ihrer therapeutischen Erfahrung (Urteilsvermögen) sowie mit den individuellen Werten und Umständen des Nutzenden oder der Gemeinschaft ab, um die therapeutische Entscheidungsfindung in der Diätetik zu steuern[21].

· Berufsethik, in der moralische Fragen der Diätetik in Bezug auf die Berufsausübung thematisiert werden.

Ein nächster Ring zeigt im Urzeigersinn die fünf Prozessschritte. Der äußere Ring benennt die Rahmenbedingungen, die die Tätigkeiten in den Prozessschritten zur Ausgestaltung der therapeutischen Beziehung bestimmen und beeinflussen.

· Das Gesundheits- und Sozialsystem,

· das Berufs- und Leistungsrecht,

· die Finanzierung und

· das Setting.

Die Prozessschritte des G-NCP

Der G-NCP besteht aus den fünf aufeinander folgenden und logisch mit einander verknüpften Prozessschritten, wobei jeder Schritt für sich bestimmte Handlungssituationen abbildet und das Vorgehen strukturiert:[22]

1. Ernährungsassessment und Re-Assessment

2. Ernährungsdiagnose

3. Planung der Ernährungsintervention

4. Durchführung der Ernährungsintervention und Monitoring

5. Evaluation

Ernährungsassessment

Definition: Das Ernährungsassessment ist die systematische Erhebung, Sammlung, Gruppierung, Analyse und Bewertung von Informationen durch Diätassistenten, um Aussagen über den Ernährungszustand sowie die Art und Ursachen von Ernährungsproblemen einer Person oder einer Gruppe treffen zu können.[22]

Damit zielt es auf das Identifizieren von Ernährungsproblemen ab, wobei Daten erhoben, gesammelt und gemäß evidenzbasierter diätetischer Praxis beurteilt und bewertet werden. Zugleich dient es dem Aufbau der therapeutischen Beziehung, weil es dabei zum ersten Kontakt mit den Nutzenden kommt.

Im Ernährungsassessment kommen spezifische therapeutische Denkprozesse unter Nutzung von Clinical Reasoning[23] und Kritischem Denken[24] zur Anwendung. Es geht darum, unter den gegebenen Rahmenbedingungen genau die Daten zu erfassen, die für eine umfassende Beurteilung der jeweiligen Situation erforderlich sind.

Ernährungsdiagnose

Definition: Die Ernährungsdiagnose stellt eine zusammenfassende Beurteilung dar, bei der Ernährungsprobleme systematisch beschrieben werden, um auf Ansatzpunkte für die Planung und Durchführung der Intervention sowie deren Erfolgsbewertung schlussfolgern zu können[22].

Die Ernährungsdiagnose orientiert sich an der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit / International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) und erweitert die ärztliche Diagnose[22]. Das ermöglicht eine ganzheitliche Sicht auf die jeweilige Person und ihr Ernährungsproblem. Dabei werden die Ernährungsprobleme einer Person oder Gruppe systematisch erfasst und stellen ein wichtiges Arbeitsinstrument für Diätassistenten dar, aus dem sich die weitere Prozessgestaltung ableiten lässt. Bei gleicher Grunderkrankung (ärztliche Diagnose) kann sich je nach betroffener Person eine variierende Art und Anzahl von Ernährungsdiagnosen ergeben.

Ernährungsdiagnose Ärztliche Diagnose
Bezugsrahmen

International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)

Bezugsrahmen

International Classification of Diseases (ICD)

Stellung im Rahmen des eigenverantwortlichen Handelns von Diätassistenten fällt in die Zuständigkeit des Arztes/der Ärztin
beschreibt die mit einer Erkrankung oder Gesundheitsstörung zusammenhängenden ernährungsbezogenen (funktionellen) Auswirkungen auf die Gesundheit eines/r Betroffenen und berücksichtigt den gesamten Lebenshintergrund bezeichnet Erkrankungen, Symptome, Befunde oder Gesundheitsstörungen
unterliegt der Dynamik des G-NCP und kann sich im Verlauf ändern bleibt gleich, bis die Krankheit oder Gesundheitsstörung geheilt ist

Quelle: Gegenüberstellung von Ernährungsdiagnose und ärztlicher Diagnose[22]


Das PESR-Statement

Mittels PESR-Statement wird die Ernährungsdiagnose in einer standardisierten Form zusammengefasst und so in einen Kontext eingebettet. Für jedes identifizierte Ernährungsproblem wird ein PESR-Statement formuliert.

Das Akronym PESR besteht aus vier Elementen:

P= steht für Problem und bildet die Kernaussage der Ernährungsdiagnose. Das Problem beschreibt den Zustand, der eine Ernährungsintervention anzeigt. Es ist nicht identisch mit der Erkrankung, sondern zielt auf die sich daraus ergebenden Ernährungskonsequenzen oder die Ernährungsrisiken.

E= steht für Etiology (Ätiologie/Ursache) und beschreibt die Ursachen, die der Auslöser für das Ernährungsproblem sind.

S= steht für Symptome und beschreibt die Zeichen oder Merkmale, die das Ernährungsproblem belegen. Dabei wird zwischen objektiven (messbar durch Parameter) und subjektiven (von Patienten beschriebenen) Symptomen unterschieden, die für das Ernährungsproblem spezifisch sind.[8] Subjektive Symptome sollten durch Operationalisierung, beispielsweise mit Hilfe von Skalen oder Scores, in einen messbaren Wert überführt werden.

R= steht für Ressourcen und Barrieren. Diese lassen sich aus den Kontextfaktoren der ICF (Umweltfaktoren und personbezogene Faktoren) ableiten und stehen damit für Eigenschaften oder Kräfte, die der Person selbst oder ihrem Umfeld wie Familie, Freunde, weiteren Akteure des Gesundheitssystems innewohnen.

Alle vier Elemente hängen kausal und logisch zusammen, es kommt zur Verknüpfung von Problem und Symptome sowie einer genauen Analyse und Zuordnung von Ursachen sowie Ressourcen und Barrieren. Die Elemente werden je nach betroffener Person kombiniert. Letztlich entsteht eine personalisierte Beschreibung des Ernährungsproblems, die von allen Diätassistenten gleich verstanden und gedeutet werden kann.

Eine bespielhafte Ernährungsdiagnose für eine Person im Rahmen der Ernährungstherapie bei einer onkologischen Erkrankung:

P deutlich zu niedrige Energieaufnahme
E Appetitlosigkeit und Übelkeit als Auswirkungen der neoadjuvanten Therapie (behandlungsbedingte Ursache)
S Reduzierung der oralen Nahrungsaufnahme, durchschnittliches Energiedefizit von 800 kcal/d, bis zu 3 × täglich auftretende Brechepisoden, Gewichtsverlust von 3 kg innerhalb von 2 Wochen
R Ressource: betreuende Angehörige mit küchentechnischem Know-How

Barriere: Trinknahrung (orale Nahrungssupplemente) werden als geschmacklich unakzeptabel abgelehnt

Planung der Ernährungsintervention

Definition: Bei der Interventionsplanung antizipieren Diätassistenten die Intervention. Sie entscheiden sich für die Interventionsstrategie, leiten die Interventionsziele ab und definieren erwartbare messbare Zielwerte für deren Überprüfung im Rahmen der Evaluation.[22]

Die im Schritt der Ernährungsdiagnose formulierten PESR-Statements bilden die Grundlage.

Aus dem Ernährungsproblem ergeben sich die wesentlichen Ziele und Inhalte der Intervention und, gemeinsam mit seinen Symptomen betrachtet, die Dringlichkeit seiner Lösung (Priorisierung). Die Ursache entscheidet über den therapeutischen Ansatz oder die Wahl der Interventionsform und -maßnahmen. Aus den Symptomen werden die (messbaren) therapeutischen Zielwerte abgeleitet. Durch Berücksichtigung von Ressourcen und Barrieren lassen sich die individuellen Voraussetzungen der Person einbeziehen, so dass die Interventionsmaßnahmen methodisch, inhaltlich oder zeitlich angepasst werden können.

Im Planungsschritt entsteht der Interventionsplan, der alle prioritär zu lösenden Ernährungsprobleme aufgreift und in dem Interventionsziele und messbare Zielwerte, die Interventionsform und daraus resultierende Methoden und Maßnahmen sowie inhaltliche Schwerpunkte hinterlegt sind. Die Planung muss so angelegt sein, dass eine Partizipation der Nutzenden ermöglicht wird. Ergänzend müssen der Zeitumfang und die zeitliche Abfolge der Interventionseinheiten (unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen) kalkuliert werden. Für die Steuerung der Intervention sind Überprüfungen durch Re-Assessment und Monitoring vorzusehen.

Durchführung der Ernährungsintervention

Definition: Bei der Durchführung der Ernährungsintervention setzen Diätassistenten (Ernährungstherapeuten) auf Basis ihrer Planungsüberlegungen die Maßnahmen zur Lösung der Ernährungsprobleme um. Sie steuern die Intervention durch interventionsbegleitendes Monitoring und interventionsimmanente Reflexion[22].

Die Interventionsmaßnahmen werden üblicherweise gemeinsam mit den Nutzenden, bei Bedarf auch mit ihren An- und Zugehörigen, durchgeführt, wobei das Prinzip der Partizipation leitend ist. Im Hinblick auf Adhärenz werden der Weg zum Ziel, das Ausmaß der Zielerreichung sowie die Spezifizierung der jeweiligen Maßnahmen ausgehandelt. Die Intervention kann aber im Rahmen der Ernährungsmanagements auch auf institutioneller Ebene erfolgen und andere Gesundheitsberufe adressieren. Die Ernährungsintervention erfolgt grundsätzlich in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit, eingebettet in das gesamte Behandlungskonzept. Eine Kombination aus interventionsbegleitender Reflexion und Monitoring dient der Steuerung der Intervention.

Definition: Monitoring ist die geplante, systematische Messung und Beurteilung ausgewählter Werte zu definierten Zeitpunkten im Verlauf der Intervention. Aufgrund des Monitorings wird entschieden, ob die Intervention wie geplant fortgesetzt wird oder angepasst werden muss[22].

Zusätzlich wird in regelmäßigen Abständen geprüft, ob die Ausgangslage noch in gleicher Weise besteht. Wenn nicht ist ein Re-Assessment mit Anpassung aller folgenden G-NCP Schritte angezeigt.

Evaluation

Definition: Bei der Evaluation beurteilen Diätassistenten (Ernährungstherapeuten) das durch die Ernährungsintervention erreichte Outcome der Nutzenden und führen eine rückblickende Reflexion ihres Handelns über alle Prozessschritte des G-NCP durch[22].

Daraus ergeben sich für diesen Prozessschritt drei wesentliche Aspekte[22].

1. Bei der Outcome-Evaluation erfolgt ein systematischer Vergleich der Endergebnisse mit dem Ausgangszustand und den durch die Ernährungsintervention angestrebten Zielwerten.

2. Als Prozess-Evaluation findet eine rückblickende Reflexion über alle Prozessschritte statt. Dies kann als Selbstreflexion, kollegiale Reflexion oder im Rahmen eines interdisziplinären Austausches erfolgen.

3. Es ergeben sich Auswirkungen auf die Vervollkommnung der berufliche Handlungskompetenz, weil die therapeutische Erfahrung zunimmt und für ähnliche Fälle nutzbar wird.

Abschließend wird bewertet und entschieden, ob und mit welchem Ergebnis der G-NCP endet. Sollte sich ergeben, dass die angestrebten Ergebnisse nicht erreicht wurden, sind die Gründe zu eruieren. Daraus ergeben sich Anhaltspunkte, auf die im Rahmen einer kontinuierlichen Verbesserung Einfluss genommen werden kann, z. B. Erreichen strukturelle Veränderungen oder eine gezielte eigene Weiterbildung. Perspektivisch kann die systematische Erhebung und Dokumentation des Outcomes einzelner Diätassistenten zusammengeführt und zur Beurteilung der Wirksamkeit und des Nutzens von Ernährungsintervention herangezogen werden. Dafür findet der aus dem US-amerikanischen Prozessmodell entlehnte Begriff Outcome Management System[1] Verwendung.

Auf dem Prüfstand steht immer der Anspruch des G-NCP „Das Richtige zur richtigen Zeit, mit dem richtigen Weg, für die richtige Person (Personengruppe) zu tun, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“[25].

Dokumentation

Alle Prozessschritte werden in der Patientenakte dokumentiert. Die Dokumentation ergibt sich als gesetzliche Verpflichtung für die Ernährungstherapie und resultiert aus dem Behandlungsvertrag gemäß § 630a-h BGB. Im Zuge der Digitalisierung erfolgt die Überführung in die Elektronische Patientenakte (ePA). Zukünftig wird dafür eine einheitliche Sprache (Terminologie) erforderlich. Insbesondere im ambulanten Setting stellt ein schriftlicher Abschlussbericht an die überweisende Person oder Institution, in dem alle wesentlichen Fakten zu den Prozessschritten des G-NCP aufgeführt werden, ein wichtiges Instrument dar, um das professionelle Arbeiten in der Diätetik und die dadurch erreichten Ergebnisse zu belegen.

Literatur

  • Buchholz D, Ohlrich-Hahn S (Hrsg.). Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Berlin, Heidelberg: Springer Spektrum 2025

Einzelnachweise

  1. a b c Der German-Nutrition Care Prozess. In: Buchholz D, Ohlrich-Hahn S (Hrsg.): Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Springer Spektrum, Heidelberg 2025, S. 40–41, doi:10.1007/978-3-662-70974-0.
  2. Herdman T H: NANDA International nursing diagnoses: Definitions & classification, 2009-2011. Hrsg.: John Wiley and Sons. 2009.
  3. Academy of Nutrition and Dietetics: Nutrition Care Process Overview. Abgerufen am 21. November 2025.
  4. The Nutrition and Dietetic Care Process. In: The Association for UK dietitians. Abgerufen am 21. November 2025.
  5. Nederlandse Vereniging van Diëtisten (NVD): Wegwijzer Diëtistisch ZorgProces. (PDF) Abgerufen am 21. November 2025.
  6. Diaetologie Austria: Der Diaetologische Prozess. Abgerufen am 21. November 2025.
  7. Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V.: VDD-Leitlinie für die Ernährungstherapie und das prozessgeleitete Handeln in der Diätetik Band 1. Manual für den German-Nutrition Care Process (G-NCP). Pabst Science Publisher Lengerich, 2015.
  8. a b Buchholz D, Ohlrich-Hahn S (Hrsg.): Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Springer Spektrum, 2025, doi:10.1007/978-3-662-70974-0.
  9. Einleitung: Der German-Nutrition Care Prozess – Status quo. In: Buchholz D, Ohlrich-Hahn S (Hrsg.): Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Springer Spektrum, Heidelberg 2025, S. 6.
  10. Der Ernährungstherapeut, die Ernährungstherapeutin als professionelle Akteure: Hintergrund und Definition. In: Buchholz D, Ohlrich-Hahn S (Hrsg.): Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Springer Spektrum, Heidelberg 2025, S. 16–17.
  11. a b Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICF Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit. Abgerufen am 21. November 2025.
  12. EFAD - European Federation of Association of Dietitians Professional Practice Committee (PCC): Vision paper: The Implementation of a Nutrition Care Process and Standardized Language (SL) among dietitians in Europe. 2014.
  13. GKV-Spitzenverband: Anlage 1. Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Absatz 1 SGB V über die Versorgung mit Leistungen der Ernährungstherapie. 2017.
  14. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE): Beratungsstandards in der Ernährungsberatung und Ernährungstherapie. Bonn 2020.
  15. Felber J, Bläker, H, Fischbach, W et al.: Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und stoffwechselkrankheiten (DGVS). In: Zeitschrift für Gastroenterologie. Band 60(05), S. 790–856.
  16. OnkoZert.: Erhebungsbogen Vizeralonkologische Zentren/Darmkrebszentren. Abgerufen am 29. November 2025.
  17. Rahmenvereinbarung zur Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung/-therapie und Ernährungsbildung in Deutschland in der Fassung vom 01.02.2024. (PDF) In: dge.de. Abgerufen am 29. November 2025.
  18. Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG): S3-Leitlinie Adipositas - Prävention und Therapie - Version 5.0 Oktober. 2024, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  19. Ohlrich-Hahn S, Laininger L, Buchholz D: Berufliche Handlungskompetenz und professionelles Handeln in der Diätetik. In: Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Springer Spektrum, Heidelberg 2025, S. 19–32.
  20. Elwyn, G., Frosch, D., Thomson, R. et al.: Shared Decision Making: A Model for Clinical Practice. Hrsg.: J GEN INTERN MED. Nr. 27, 2012, S. 1361–1367.
  21. MacLellan D, Thirsk, J: Final Report of the International Confederation of Dietetic Associations (ICDA) - Evidence-based Practice Working Group. 2010.
  22. a b c d e f g h i j Ohlrich-Hahn S, Renter R, Buchholz D: Die Prozessschritte des German-Nutrition Care Prozess. In: Der German-Nutrition Care Prozess – Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung in Beruf, Ausbildung und Studium. Springer Spektrum, Heidelberg 2025, S. 65–133.
  23. Higgs J, Jensen GM, Loftus S et al.: Clinical reasoning in the health professions E-book. Hrsg.: Elsevier Health Sciences. 2019.
  24. Foundation for Critical Thinking (Hrsg.): Defining Critical Thinking. Abgerufen am 24. November 2025.
  25. Lacey K, Pritchett, E.: Nutrition Care Process and Model: ADA adopts road map to quality care and outcomes management. Hrsg.: J Am Diet Assoc. Band 103, 2013, S. 1061-72.