Gerhard Steiner (Literaturhistoriker)

Gerhard Gustav Kurt Steiner (* 27. Mai 1905 in Hildburghausen; † 21. November 1995 in Berlin) war ein deutscher Literaturwissenschaftler.

Leben und Wirken

Nach seiner Reifeprüfung 1925 in Hildburghausen studierte Gerhard Steiner von 1925 bis 1929 Germanistik, Theaterwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Psychologie. Zunächst war er Student an der Universität München. Vom Sommersemester 1926 bis zum Wintersemester 1927/28 studierte er an der Universität Jena und widmete sich vor allem der Pädagogik. In Jena promovierte er 1929 bei Peter Petersen im Fach Pädagogik. Zugleich legte er die Prüfung für das Lehramt ab. Von 1929 bis 1940 arbeitete er als Volksschullehrer in Thüringen. 1937 wurde er Mitglied der NSDAP und nahm von 1940 bis 1945 als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. 1940 hatte er noch eine Prüfung für den Bibliotheksdienst in Leipzig abgelegt. Von 1945 bis 1951 leitete er die Ernst-Abbe-Bibliothek in Jena und arbeitete dort als Dozent an der Volkshochschule und der Bibliotheksschule. Bis 1953 war er Abteilungsleiter bzw. stellvertretender Leiter des Zentralinstituts für Bibliothekswesen in Berlin. Von 1953 bis 1970 war Steiner an der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin Mitarbeiter an der Werkausgabe von Georg Forster. Im Jahre 1958 habilitierte er sich an der Humboldt-Universität zu Berlin und nahm von 1960 bis 1970 eine Professur mit Lehrauftrag für deutsche Literaturgeschichte an der Universität Greifswald wahr. Von 1965 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand war Steiner stellvertretender Direktor des Instituts für Deutsche Sprache und Literatur (Deutsche Akademie der Wissenschaften).

Als Wissenschaftler beschäftigte sich Gerhard Steiner vor allem mit Georg Forster und gab zahlreiche seiner Werke heraus. Außerdem veröffentlichte er über Themen aus der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts sowie zur Theatergeschichte. Zuletzt veröffentlichte er über die Geschichte seiner Heimatstadt. Im Jahre 1990 wurde Steiner Ehrenbürger der Stadt Hildburghausen.

Seit 1928 war Steiner mit der Lehrerin Gertrud Hedwig, geb. Jacobi, verheiratet. 1953 heiratete er in zweiter Ehe Erika Wanda, geb. Petzholz.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Das Rechnen im gefächerten und geschlossenen Unterricht (= Pädagogische Studien und Kritiken, Bd. 5). Böhlau, Weimar 1930 (= Dissertation Universität Jena).
  • (Mithrsg.): Forster. Eine Lesebuch für unsere Zeit. Thüringer Volksverlag, Weimar 1952.
  • (mit Manfred Häckel): 1813. Ein Lesebuch für unsere Zeit. Thüringer Volksverlag, Weimar 1953.
  • (Hrsg., mit Manfred Häckel): Das Volk steht auf. Deutsche Dichter rufen zur nationalen Befreiung. Rütten & Loening, Berlin 1953.
  • (Bearb.): Jörg Wickram / Das Rollwagenbüchlein. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1957.
  • (Hrsg. bzw. Mithrsg.): Georg Forster / Werke. Sämtliche Schriften, Tagebücher, Briefe. Akademie-Verlag, Berlin 1958ff.
  • (Hrsg.): Georg Forster / Philosophische Schriften. Akademie-Verlag, Berlin 1958.
  • (Hrsg.): Sandor Petöfi / Denn mein Herz ist heiß. Ausgewählte Lyrik und Prosa. Reclam, Leipzig 1958.
  • Der Traum vom Menschenglück. Leben und literarische Wirksamkeit von Carl Wilhelm und Henriette Frölich. Akademie-Verlag, Berlin 1959 (= Habilitationsschrift Humboldt-Universität zu Berlin).
  • (Hrsg.): Carl Wilhelm Frölich / Über den Menschen und seine Verhältnisse. Akademie-Verlag, Berlin 1960.
  • Franz Heinrich Ziegenhagen und seine Verhältnislehre. Ein Beitrag zur Geschichte des utopischen Sozialismus in Deutschland. Akademie-Verlag, Berlin 1962.
  • (Hrsg.): Lexikon der Weltliteratur. Fremdsprachige Schriftsteller und anonyme Werke von den Anfängen bis zur Gegenwart. Volksverlag, Weimar 1963.
  • (Hrsg.): Thomas Mann / Über deutsche Literatur. Ausgewählte Essays, Reden und Briefe. Reclam, Leipzig 1965.
  • (Hrsg.): Fremdsprachige Schriftsteller. Bibliographisches Institut, Leipzig 1972.
  • Jakobinerschauspiel und Jakobinertheater (= Deutsche revolutionäre Demokraten, Bd. 4). Metzler, Stuttgart 1973, ISBN 3-476-00239-X.
  • Georg Forster (= Sammlung Metzler, Bd. 156). Metzler, Stuttgart 1977, ISBN 3-476-10156-8.
  • (Hrsg.): Georg Forster / Ansichten vom Niederrhein (= Sammlung Dieterich, Bd. 385). Dieterich, Leipzig 1979.
  • (Hrsg.): Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen / Das wunderbare Vogelnest. Bund-Verlag, Köln 1983, ISBN 3-7663-0785-1.
  • (Hrsg.): Georg Forster / Reise um die Welt. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1983, ISBN 3-458-32457-7.
  • Die Sphinx von Hildburghausen. Friedrich Sickler, ein schöpferischer Geist der Goethezeit. Acta Humaniora, VCH, Weinheim 1985, ISBN 3-527-17553-9.
  • Freimaurer und Rosenkreuzer - Georg Forsters Weg durch Geheimbünde. Neue Forschungsergebnisse auf Grund bisher unbekannter Archivalien. Acta Humaniora, VCH, Weinheim 1985, ISBN 3-527-17542-3.
  • Das Theater der deutschen Jakobiner. Dramatik und Bühne im Zeichen der Französischen Revolution. Henschelverlag, Berlin 1989, ISBN 3-362-00333-8.
  • Geschichte des Theaters zu Hildburghausen. Rodacher Rückert-Kreis, Rodach bei Coburg 1990.
  • Eduard Schönfeld. Lebensbild eines hervorragenden Astronomen aus Hildburghausen. Verlag Frankenschwelle, Hildburghausen 1990, ISBN 3-86180-002-0.
  • Stille Dächer – zarte Liebe. Die Jugendzeit des Dichters Gustav Falke in Hildburghausen. Verlag Frankenschwelle, Hildburghausen 1994, ISBN 3-86180-024-1.
  • Drei preußische Könige und ein Jude. Erkundigungen über Benjamin Veitel Ephraim und seine Welt. Edition Hentrich, Berlin 1995, ISBN 3-89468-166-7.

Literatur

  • Monika Schneikart: Steiner, Gerhard. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 3. de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-015485-4, S. 1799–1801.