Gerhard Lange (MfS-Mitarbeiter)
Gerhard Lange (* 20. Januar 1935 in Magdeburg; † 30. Januar 1990 in Suhl) war ein deutscher Bezirksverwaltungsleiter im Ministerium für Staatssicherheit der DDR.
Leben
Gerhard Lange wuchs als Sohn eines Ofensetzers und einer Hausfrau in Magdeburg auf. Nach dem Abitur studierte er Jura von 1953 bis 1957 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und beendete das Studium als Diplom-Jurist. Bis 1959 war er dort als wissenschaftlicher Assistent tätig.
Im Jahr 1954 trat Lange in die SED ein. Er wechselte 1959 zum Ministerium für Staatssicherheit in der Bezirksverwaltung Halle, Abteilung IX (Untersuchungsorgan). Mit 34 Jahren wurde er 1969 zum Stellvertretenden Leiter der Bezirksverwaltung befördert. 1973/74 wurde er zur Parteihochschule „Karl Marx“ delegiert. Von April 1981 bis Dezember 1989 war Lange der Leiter der Bezirksverwaltung Suhl des Ministeriums für Staatssicherheit. 1982 wurde er Mitglied der SED-Bezirksleitung. Mit 48 Jahren wurde er im Jahr 1983 zum Generalmajor ernannt.
Mit der Besetzung und Auflösung der Bezirksverwaltung Suhl während der friedlichen Revolution in der DDR am 5. Dezember 1989 wurde er entlassen. Kurz vorher, am 4. Dezember 1989, drohte er Vertretern der Opposition im Falle einer Besetzung seiner Dienststelle mit Gewalt: „Gewalt wird mit Gewalt beantwortet“.[1]
Gerhard Lange starb am 30. Januar 1990 im Alter von 55 Jahren durch Suizid. Nach Angaben der Polizei hatte er sich in seiner Wohnung erschossen. Ihm folgten im Februar und Mai die Dresdner und Neubrandenburger Leiter der Bezirksverwaltung, Horst Böhm und Peter Koch. Allen dreien war gemein, dass sie zu jung waren, um während der Zeit des Nationalsozialismus am aktiven Widerstand beteiligt zu sein. Sie machten stattdessen nach dem Zweiten Weltkrieg Karriere im Staatsapparat,[2] ohne den sie keine Zukunftsperspektive hatten.[3]
Literatur
- Klaus Behling: »Plötzlich und unerwartet…«: Selbstmorde nach Wende und Einheit. Edition Berolina, Berlin 2015, ISBN 978-3-95841-004-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- Jens Gieseke: Lange, Gerhard. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
Weblinks
- MfS-Lexikon: Gerhard Lange
- Christian Dellit: Angst auf beiden Seiten – Das Ende des MfS in Suhl, 4. Januar 2018, bpd
Einzelnachweise
- ↑ Christian Dellit: Angst auf beiden Seiten – Das Ende des MfS in Suhl. In: bpb.de. Bundeszentrale für politische Bildung, 4. Januar 2018, abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Klaus Behling: „Plötzlich und unerwartet …“: Selbstmorde nach Wende und Einheit. Edition Berolina, Berlin 2015, ISBN 978-3-95841-004-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Udo Grashoff: »In einem Anfall von Depression …«: Selbsttötungen in der DDR. Ch. Links Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-86153-420-4, S. 239 ff., 241 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).