Georgische Chronik (Denkmal)

Die Georgische Chronik (georgisch საქართველოს მატიანე sakartvelos matiane), auch Geschichtsdenkmal Georgiens oder Georgisches Stonehenge genannt, ist ein monumentales Denkmal auf dem Keeni-Hügel nahe dem Tiflis-See im Norden von Tiflis, der Hauptstadt Georgiens. Das Denkmal wurde vom georgisch-russischen Bildhauer Surab Zereteli entworfen und ab 1985 errichtet, blieb jedoch bis heute unvollendet.

Das Monument besteht aus 16 massiven Bronzesäulen, die zwischen 30 und 35 Meter hoch sind und auf einem großen Treppenaufgang thronen. Von der Spitze des Hügels bietet sich ein Panoramablick über den nördlichen Teil von Tiflis und den Tiflis-See, einen 1953 angelegten Stausee.

Neben den Bronzesäulen steht ein Weinrebenkreuz der heiligen Nino, die im 4. Jahrhundert das Christentum nach Georgien brachte, sowie eine kleine Kapelle, die Verkündigungskirche. Auf dem Boden sind die Namen georgischer Könige und Königinnen eingraviert, die aufgrund historischer Umstände außerhalb Georgiens getötet und begraben wurden.[1][2]

Die obere Hälfte der Säulen zeigt Darstellungen georgischer Könige, Königinnen und Nationalhelden, während die untere Hälfte Szenen aus dem Leben Christi darstellt, darunter Palmsonntag, das Abendmahl, die Auferstehung, die Verklärung, Pfingsten und die Mariä Verkündigung. Auch Illustrationen aus dem ältesten bekannten georgischen hagiographischen Werk, dem Martyrium der heiligen Königin Schuschani (476–483) von Iakob Zurtaweli, sind zu sehen.

Das Monument stellt bedeutende Persönlichkeiten der georgischen Geschichte dar, darunter:

  • König Mirian III., der 337 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion erklärte
  • Königin Tamar, unter deren Herrschaft Georgien ein Goldenes Zeitalter erlebte
  • Die 13 assyrischen Väter, die das Christentum in Georgien verbreiteten
  • Ilia Tschawtschawadse, der im 19. Jahrhundert die Wiederbelebung des georgischen Nationalismus initiierte
  • Der Dichter Schota Rustaweli

Der Künstler

Surab Zereteli (geboren am 4. Januar 1934 in Tiflis) ist ein georgisch-russischer Bildhauer und Architekt, bekannt für monumentale Großskulpturen. Er studierte an der Staatlichen Kunstakademie Tiflis und arbeitete später an der Georgischen Akademie der Wissenschaften, wo er georgische Volkskunst erforschte. Zereteli verstarb im Frühjahr 2025 und wurde im Didube-Pantheon beigesetzt. Seine Karriere war umstritten, da ihm Verbindungen zur russischen Regierung nachgesagt wurden.

Errichtung des Denkmals

Das Denkmal wurde 1981 von Surab Zereteli entworfen, um zwei wichtige Jubiläen symbolisch zu würdigen: 3000 Jahre georgische Staatlichkeit und 2000 Jahre Christentum im Land. Die Bauarbeiten begannen 1985 während der Sowjetzeit mit sowjetischen Mitteln. In den frühen 1990er Jahren kam es aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion und des Georgisch-Russischen Konflikts zu einem Mangel an finanziellen Mitteln, sodass das Monument nie vollständig fertiggestellt wurde. Bis heute werden zeitweise Arbeiten am Denkmal fortgesetzt, In den letzten Jahren wurden Teile der Gerüste entfernt, das Denkmal nähert sich langsam der Vollendung.[3]

Dargestellte historische Epochen

Die Georgische Chronik will die Geschichte Georgiens nachzeichnen. Die Darstellungen beginnen mit der Frühgeschichte, als der Homo erectus seit der Altsteinzeit im Gebiet des heutigen Georgiens lebte und sich entwickelte. Georgien gilt als eine der ältesten Weinbauregionen der Welt; die frühesten archäologischen Nachweise für Weinherstellung wurden hier gefunden und datieren etwa 6000 v. Chr.[4] Die Landwirtschaft markierte einen Wendepunkt in der kulturellen Entwicklung. Diese Phase gilt als das bedeutendste Ereignis in der Entwicklung jeder Kultur.[5] Auf den oberen Teilen der Georgischen Chronik werden etwa die Brau- und Keramiktechnologien des georgischen Volkes dargestellt, als Zeichen weiterer kultureller Entwicklungen, als die sesshafte Bevölkerung begann, Keramik herzustellen.[5]

Dargestellte religiöse Bedeutung

Ein weiterer Teil der Georgischen Chronik befasst sich mit der religiösen Geschichte Georgiens. Die heilige Nino (georgisch წმინდა ნინო), auch als Erleuchterin Georgiens bezeichnet, war eine christliche Missionarin, die im frühen 4. Jahrhundert das Christentum in Georgien predigte.[6] Ihr Symbol ist das Weinrebenkreuz, das neben den Bronzesäulen aufgestellt ist. Die Verkündigungskirche, unmittelbar neben der Georgischen Chronik ist ihr gewidmet.[7]

Christianisierung Georgiens

Georgien nahm das Christentum im Jahr 337 n. Chr. offiziell an, als König Mirian III. (georgisch მირიან III) es zur Staatsreligion erklärte.[8] Damit war Georgien nach Armenien (301 n. Chr.) das zweite Land der Welt, das das Christentum als Staatsreligion annahm. Die Verbreitung des Christentums hatte weitreichende kulturelle Folgen für Georgien. Die altgeorgische Schrift wurde durch eine neue ersetzt, die Elemente der griechischen Orthographie und des syrischen Alphabets aufnahm. Dies führte zur Entwicklung der georgischen Schrift in ihrer heutigen Form.[9] Die Christianisierung förderte zugleich das Wachstum der georgischen Literatur und Kunst. In den Klöstern entstanden bedeutende literarische Werke wie „Das Martyrium der heiligen Schuschanik“ (5. Jahrhundert) und später das Nationalepos Der Recke im Tigerfell von Schota Rustaweli (12. Jahrhundert), die beide auf der Georgischen Chronik dargestellt sind.[10] Diese religiösen Darstellungen unterstreichen die zentrale Bedeutung des Christentums für die georgische Identität und Geschichte, die sich über fast 1700 Jahre erstreckt.

Tourismus

Die Georgische Chronik galt lange als Geheimtipp, war selbst vielen Einheimischen unbekannt. In den letzten Jahren hat sich das Denkmal zu einer Touristenattraktion entwickelt.

Lage und Erreichbarkeit

Die Georgische Chronik befindet sich im Stadtteil Nadzaladewi auf dem Keeni-Berg (auch Kenisi-Hügel genannt) am nördlichen Ende des Tiflis-Sees. Das Denkmal ist über die Unknown Heroes Street zu erreichen. Das Denkmal ist frei zugänglich und rund um die Uhr geöffnet.[11]

Deutsche Literatur

  • Giorgi Kvastiani, Vadim Spolanski, Andreas Sternfeldt: Georgien. Unterwegs zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer. 12., aktualisierte Auflage. Trescher, Berlin 2024, ISBN 978-3-89794-698-9, S. 130–180 (Kapitel Tbilisi mit Informationen zur Georgischen Chronik).
  • Heike Maria Johenning, Peter Knoch: Architekturführer Tiflis/Tbilisi. Mit einem Ausflug nach Batumi. DOM Publishers, Berlin 2018, ISBN 978-3-86922-325-4.
  • Thea Kvastiani, Vadim Spolanski, Andreas Sternfeld: Georgien entdecken. Unterwegs zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer. Trescher, Berlin 2000, ISBN 3-928409-85-9.
  • Lars Karl: „Den Verteidigern der russischen Erde…“: Poklonnaja Gora: Erinnerungskultur im postkommunistischen Russland. In: Zeitgeschichte-online. November 2005 (Online-Version).
  • Naira Gelaschwili: Georgien, ein Paradies in Trümmern. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-7466-0155-X.
  • Constance John: 40 Tage Georgien. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2018, ISBN 978-3-7701-8293-0.
  • Schota Rustaweli: Der Recke im Tigerfell. Verschiedene deutsche Übersetzungen (Original 12. Jahrhundert, auf dem Denkmal dargestellt).

Einzelnachweise

  1. https://georgiaabout.com/2014/08/05/history-of-georgia-monument abgerufen am 26. Oktober 2025.
  2. https://www.kathmanduandbeyond.com/visit-chronicle-of-georgia-tbilisi/ How to visit the Chronicle of Georgia independently abgerufen am 26. Oktober 2025.
  3. https://georgiaabout.com/2014/08/05/history-of-georgia-monument/ |History of Georgia Monument abgerufen am 26. Oktober 2025.
  4. Patrick E. McGovern: Ancient Wine: The Search for the Origins of Viniculture. Princeton University Press, 2003, ISBN 0-691-07080-6.
  5. a b William H. Sears: The Archaeology of Georgia, 1956
  6. Stephen H. Rapp: The Sasanian World through Georgian Eyes: Caucasia and the Iranian Commonwealth in Late Antique Georgian Literature. Ashgate, 2014, ISBN 978-1-4724-2552-2.
  7. https://georgiaabout.com/2014/08/05/history-of-georgia-monument/ |History of Georgia Monument abgerufen am 26. Oktober 2025.
  8. Donald Rayfield: Edge of Empires: A History of Georgia. Reaktion Books, London 2012, ISBN 978-1-78023-070-2, S. 43–45.
  9. Heinz Fähnrich: Geschichte Georgiens von den Anfängen bis zur Mongolenherrschaft. Shaker, Aachen 1993, ISBN 3-86111-683-9.
  10. Donald Rayfield: The Literature of Georgia: A History. Routledge, 2000, ISBN 0-7007-1163-5.
  11. https://georgiantravelguide.com/en/monument-georgian-chronicle abgerufen am 26. Oktober 2025.