Georgenkapelle (Luckau)

Die Georgenkapelle mit dem direkt angrenzenden Hausmannsturm ist ein frühes kirchlich genutztes Bauwerk in der Stadt Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Sie ist ein eingetragenes Baudenkmal in der Denkmalliste des Landes Brandenburg.

Geschichte

An Stelle der Georgenkapelle stand frühere eine Holzkirche aus dem 12. Jahrhundert, deren Fundamente 1996 bei Bauarbeiten freigelegt wurden. Die Kapelle wurde vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut und im Jahr 1386 in einer Urkunde als capella bezeichnet. Die Pfarrrechte musste sie jedoch recht schnell an die neu errichtete Kirche St. Nikolai abgeben.[1] Der Hausmannsturm im gotischen Stil mit innen verstärkten Wänden wurde um 1500 aufgemauert. Bislang ist unklar, ob er gleich als Turm der Kapelle oder nachträglich über dem westlichen Kapellenraum errichtet und später erhöht wurde.[1] Nach der Reformation wurde die Funktion als Gotteshaus aufgegeben. Im Jahr 1656 wurde der Turm um zwei Geschosse auf 47 Meter erhöht, ab 1697 diente er als Wachturm. Bei den Umbauarbeiten zur Hauptwache wurde die Georgenkapelle barockisiert.[2]

Auf dem Turm war ein Turmwächter beschäftigt, der insbesondere als Brandwache diente. Diese Wache fiel erst 1910 mit Einbau einer Turmuhr weg. Bis 1935 blieb das Gebäude auch weiterhin Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr Luckau. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Hausmannsturm zeitweise wieder mit einem Turmwächter besetzt. Im Jahre 1969 erfolgte ein Umbau des Turmes, die Kapelle dient seitdem als Kleiner Festsaal der Stadt Luckau und wird unter anderem für standesamtliche Eheschließungen genutzt.[3] Die Bauhülle wurde in den Jahren 1992/1993 instandgesetzt und im Zuge dieser Maßnahme auch eine provisorische Bauwerkssicherung aus dem Jahr entfernt. Anschließend erhielt der Turm ein neues Kupferdach.[1] Im Jahr 1996 wurde der Turm erneut saniert. Eine Besichtigung und ein Turmaufstieg sind möglich, nachdem umfangreiche sicherheitstechnische und denkmalpflegerische Vorkehrungen getroffen wurden: In einem bislang als Heiz- und Abstellraum genutzten Raum sicherten Experten eine originalen Farbfassung des Turms, so dass einem Durchbruch des Tonnengewölbes im unteren Turmraum nichts mehr im Wege stand. Über 125 Stufen ist damit eine Besichtigung der ehemaligen Türmerstube in etwa 26 Metern Höhe möglich. Der Innenraum der Kapelle wurde bis zum Frühjahr 2000 instandgesetzt; dabei wurde die Farbfassung des 16. Jahrhunderts rekonstruiert.[1]

Architektur

Die verputzte Kapelle wurde beim Umbau im Jahr 1697 mit einem Volutengiebel versehen. Die beiden Portale an der Nord- und Südseite haben eine Ädikularahmung, im Norden mit toskanischen Säulen. Der Hausmannsturm ist ein fünfgeschossiger achteckiger Turm auf einem rechteckigen Unterteil, dort befindet sich an der nordwestlichen Ecke ein halbrunder Treppenturm. Die Obergeschosse des Turms sind mit spitzbogigen Blenden versehen. Abgeschlossen wird der Turm mit einer Schweifhaube mit doppelter Laterne, Turmkugel und Wetterfahne.

Das Schiff der Kapelle wurde beim Umbau im späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert mit Sterngewölbe eingewölbt, der Chor ist mit Netzgewölbe überzogen.[4] Das Turmjoch wurde nachträglich baulich abgetrennt und ist tonnengewölbt.

Literatur

Commons: Georgenkapelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Informationsschrift zur Georgenkapelle, Aushang im Bauwerk, September 2025.
  2. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 649f.
  3. Georgenkapelle und Hausmannsturm. Stadt Luckau, abgerufen am 1. Juli 2023.
  4. Georgenkapelle mit Hausmannsturm in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg, abgerufen am 1. Juli 2023.

Koordinaten: 51° 51′ 9″ N, 13° 42′ 55,5″ O