Georgen-Parochial-Friedhof III
Der evangelische Georgen-Parochial-Friedhof III ist einer der fünf Bestattungsstätten der evangelischen Georgen-Parochial-Gemeinde in Berlin. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf einer freien Fläche im Vorort Neu Weißensee angelegt. Die Anlage samt Verwaltungsgebäude und Friedhofskapelle steht unter Denkmalschutz.[1]
Lage
Der evangelische Georgen-Parochial-Friedhof III befindet sich in Weißensee mit dem Eingang an der Roelckestraße 142–150. Er ist an Gustav-Adolf-Straße im Westen und Pistoriusstraße im Süden mit einer Friedhofsmauer aus Klinkern umgeben. Nach Osten grenzt er an die Kleingartenanlage „Frieden“.
Geschichte und Beschreibung
Der Gutshof Weißensee wurde in Baugrundstücke parzelliert und 1880 zum Vorort Neu-Weißensee aufgelöst,[2] für die schnell anwachsende Bevölkerung wurden die Straßen bereits vor 1874 trassiert und Grundstücke parzelliert. Für das Stadtrecht waren verschiedene Voraussetzungen nötig. So waren entlang der Roelckestraße drei Friedhöfe eingerichtet worden. Der „Begräbnisplatz der St. Georgengemeinde“ wurde zwischen Pistorius- und Amalienstraße vorgesehen, daran nördlich folgend der „Kirchhof der Zionsgemeinde“ (nach 1914 „Kirchhof der Segensgemeinde“). Der „Gemeindefriedhof Weißensee“ gegenüber der Roelckestraße. Die geplante Trasse der Gäblerstraße zur Gustav-Adolf-Straße wurde nach 1905 (Vereinigung zu Weißensee) zur östlichen Grenze des Friedhofs der Georgengemeinde.[3] An der östlichen Grenze[4][5] innerhalb des Friedhofs blieb zudem wegen einer möglichen Wohnbebauung der Gäblerstraße der Bereich bis heute pietätsbefreit, obwohl die Trasse am Friedhof nicht ausgeführt wurde.
Der Friedhof umfasst eine Fläche von 131.485 m² und wurde im Jahr 1878 angelegt.[1] Er wurde im Stil seiner Zeit als Alleequartierfriedhof gestaltet. An der Kreuzung der beiden Hauptalleen auf dem Friedhofsgelände wurde um das Jahr 1900 eine Friedhofskapelle eingeweiht, die im neoromanischen Baustil als Klinkerverblendbau errichtet worden ist.[1] Der Georgen-Parochial-Friedhof besitzt noch seinen hundertjährigen Baumbestand aus Linden und Pappeln, Birken und Eichen.
Nach 1905 wurde das Verwaltungsgebäude rechts am Eingang an der Roelckestraße erbaut in dem der Aufseher und der Wächter wohnten. Der Friedhof steht als Gesamtanlage mit Verwaltungsgebäude, Kapelle und Friedhofsmauer unter der Nummer 09030621 auf der Berliner Denkmalsliste.
Im Zentrum der Friedhofsanlage, auf dem Platz vor der Friedhofskapelle befindet sich ein großes steinernes Kreuz.
Vom Eingang an der Roelckestraße führt der Hauptweg in den Friedhof zum Nebeneingang an der Gustav-Adolf-Straße. Von den abgehenden Nebenwegen sind die Wahl- und Reihenstellen für Sarg- und Urnenbeisetzungen sowie die Urnengemeinschaftsanlagen zu erreichen.
Die zuständige Verwaltung für Grabnutzungsrechte ist der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, Hauptverwaltung Ost in der Landsberger Allee 48–50, 10249 Berlin.
Die fünf Bestattungsstätten der Georgen-Parochial-Gemeinde in Berlin sind:
- Ortsteil Prenzlauer Berg: Georgen-Parochial-Friedhof I, angelegt 1814, Greifswalder Straße,
- Ortsteil Friedrichshain: Georgen-Parochial-Friedhof II, angelegt 1867, Landsberger Allee und Friedenstraße,
- Ortsteil Weißensee: Friedhof III (wie hier beschrieben),
- Ortsteil Friedrichshain: Georgen-Parochial-Friedhof IV, angelegt 1867, Boxhagener Straße,
- Ortsteil Friedrichshain: Georgen-Parochial-Friedhof V, angelegt 1867, Landsberger Allee und Friedenstraße.
Erwähnenswerte Grabstätten
Auf dem pietätsbehafteten Gelände befinden sich einige historisch wertvolle Grabanlagen. Dazu zählen:
- das hinter der Kapelle gelegene neoklassizistische Familiengrab Runge,[1]
- das Ehrengrab von Ernst Berendt († 1942)[1], Pfarrer, Leiter der von ihm und seinem Vater gegründeten Stiftung Bethabara-Beth-Elim (Stephanus-Stiftung),
- Wilhelm Krützfeld († 1953), Polizist, er verhinderte während der Reichspogromnacht die Zerstörung der Neuen Synagoge, Ehrengrabstätte des Landes Berlin.[6],
- das Erbbegräbnis Kretschmer am Haupteingang
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Gräber von Pfarrer Ernst Berendt (1842–1919), Gründer der Stephanus-Stiftung, und seinem Sohn Pfarrer Ernst Berendt (1878–1942) (Ehrengrab)
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Grab von Wilhelm Krützfeld; Ehrengrab der Stadt Berlin
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Grab von Pfarrer Ernst Berendt (1878–1942) (Ehrengrab)
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Stelle des ehemaligen Grabes von Wilhelm Krützfeld; Grab wurde vermutlich 2014 entfernt trotz Ehrengrabstatus'
Verkehrsanbindung
Der Georgen-Parochial-Friedhof III ist vom öffentlichen Nahverkehrssystem in wenigen Gehminuten erreichbar.
- Bus 156, Haltestelle Wigandstaler Straße,
- Bus 158, Haltestelle Roelckestraße/Langhansstraße,
- Bus 255, Haltestelle Roelckestraße,
- Straßenbahn 12, 50, M1, M13, M2, Haltestelle Friesickestraße, Behaimstraße.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin, Deutscher Kunstverlag, 2006, ISBN 3-422-03111-1, S. 404.
- ↑ Berliner Adressbuch 1905: Neu-Weißenssee: Einwohnerzahl 34.064
- ↑ Berliner Adressbuch 1914 Berlin-Weißensee ab Adressbuch 1914 erfolgte die neue Nummerirung der Roelckstraße; Friedhof St. Georgengemeinde auf Grundstücken 142-150
- ↑ Berliner Adressbuch 1907 Eintrag Weißensee Kreis Nieder-Barnim: 39000 Einwohner, Ortskarte mit verkürztem Friedhof bis Gäblerstraße, immer noch Grundstück für den Friedhof der St. Georgengeminde in Rölckestraße 93-123; Bewohner sind der Friedhofsaufseher, Friedhofswächter und eine Witwe, Eigentümer des Grundstücks zwischen Amalien- und Roelckestraße ist die St.Georgengemeinde; unveränderter Eintrag in den Adressbüchern bis 1912
- ↑ Berliner Adressbuch 1908, Eintrag wie noch 1907, folgend bis 1912 Berliner Adressbuch 1913: Weißensee: St. Georgenfriedhof auf Grundstück Roelckestraße 100-123 ziwschen Gäblerstraße und Pistoriusstraße begrenzt. // Adressbuch 1943; für den Verwaltungsbezirk Weißensee ist der Kirchhof der St. Georgengemeinde mit Bewohnern im Verwaltungsgebäute weiterhin für die Georgengemeinde aks Eigentümer Roelckestraße 124-150
- ↑ Lexikon Berlingeschichte
Koordinaten: 52° 33′ 20,1″ N, 13° 26′ 40″ O