George van den Bergh

George van den Bergh (* 25. April 1890 in Oss; † 3. Oktober 1966 in Oegstgeest) war ein niederländischer Professor für Staats- und Verwaltungsrecht, Politiker und Amateurastronom.[1]

Leben

George van den Berg wurde am 25. April 1890 als Sohn des Unternehmers Samuel van den Bergh, dessen Unternehmen Margarinewerke Van den Bergh später in Unilever aufging, und Rebecca Willing geboren. An der Universität von Amsterdam begann er zunächst ein Chemiestudium, wechselte aber dann zu den Rechtswissenschaften, worin er 1915 abschloss.[2]

Van den Bergh ergriff die Juristenlaufbahn und arbeitete von 1915 bis 1936 als Anwalt in Amsterdam.[1] Er war auch politisch aktiv und hatte seine politische Heimat in der sozialdemokratischen Arbeiterpartei SDAP, die nach dem Krieg 1946 als Partij van de Arbeid PvdA neugegründet wurde.[1] Er war zwischen 1923 und 1932 Mitglied des Amsterdamer Gemeinderats und von 1925 bis 1933 Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten, des niederländischen Parlaments.[2] Im Jahre 1932 kam es zu einem Zerwürfnis mit dem SDAP -Vorstand, da er für eine Gehaltskürzung städtischer Arbeiter gestimmt hatte, so dass er 1933 keine Aussicht auf Wiederwahl zum Parlament hatte.[1] Ab 1936 lehrte er als Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Amsterdam, in seiner Antrittsvorlesung befasste er sich mit dem Umgang mit antidemokratischen Parteien im demokratischen Staat.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs, unter deutscher Besatzung, wurde Van den Berg vom 8. Oktober 1940 bis zum 11. August 1941 im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Als Haftgrund gaben die Nazis „Als Geisel wegen unwürdiger Behandlung der internierten Reichsdeutschen in den Aussenbesitzungen der Niederlande“ an.[3] 1941 verlor er als jüdischer Beamter seine Universitätsanstellung.[1] Van den Bergh überlebte den Krieg und befasste sich in den letzten Kriegsjahren mit Sprachen, er erlernte Russisch, Spanisch, Neugriechisch und die skandinavischen Sprachen.[2] Nach der Befreiung kehrte er zur Rechtswissenschaft zurück und befasste sich mit praktischen Fragestellungen. Vom 15. Mai 1945 bis zum 1. Mai 1960 lehrte er an derselben Universität Niederländisches Staatsrecht und bis 1947 auch Verwaltungsrecht.[1] Er war in vielen Staatskommissionen zu Gesetzesvorhaben vertreten, insbesondere zum Thema Wohnungsbau und Wahlrecht.[2] Ferner war er vom 1. Juli 1945 bis zum 1. Januar 1950 als Richter am Bijzonder Gerechtshof (Sondergerichtshof zur Verfolgung von Kriegsverbrechen und Kollaboration mit den Nazis) in Amsterdam tätig.[1]

Zeitlebens war Van den Bergh naturwissenschaftlich interessiert und befasste sich besonders mit Astronomie. Er ist Autor zweier Bücher über Astronomie, „Aarde en Wereld in Kuimte an Tijd“ (Erde und Welt in Raum und Zeit) und „Regelmaat en wisseling bij zonsverduisteringen, met een aanhangsel over maansverduisteringen“ (Regelmäßigkeit und Variation bei Sonnenfinsternissen, mit einem Anhang über Mondfinsternisse), die auch ins Englische übersetzt wurden, siehe Literaturliste. Dafür wurde er mit Preisen ausgezeichnet, siehe Ehrungen unten.

Van den Bergh war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe, die er am 6. Juni 1912 mit Jeannette Elizabeth van Dantzig einging und die am 23. Mai 1929 geschieden wurde, gingen zwei Töchter und zwei Söhne hervor. Am 5. Juli 1929 heiratete er Nelly Christine Elise Marcus, mit ihr hatte er zwei Töchter und sechs Söhne.[2] George van den Bergh starb am 3. Oktober 1966 im Alter von 76 Jahren.

Ehrungen

  • Am 7. März 1953 erhielt für sein Werk über Sonnenfinsternisse den Dr. J. Van der Bilt Preis.[4]
  • 1959 wurde er in Anerkennung seiner astronomischen Arbeit mit dem Preis „Zilveren Anjer“ (Silberne Nelke) ausgezeichnet.[5]
  • Im Jahre 1970 benannte die Internationale Astronomische Union den Mondkrater Van den Bergh offiziell nach George van den Bergh.[6]

Literatur

George Van den Bergh ist Autor folgender Werke:

  • George van den Bergh: De medezeggenschap der arbeiders in de particuliere onderneming (Die Mitbestimmung der Arbeiter im privaten Unternehmen). N. v. boekhandel en uitgeversmaatschappij "Ontwikkeling", Amsterdam 1924 (niederländisch).
  • Bastiaan Rijpkema, René Cuperus, Paul Cliteur: Wat te doen met antidemocratische partijen? De oratie van George van den Bergh uit 1936 (Was tun mit antidemokratischen Parteien? Der Antrittsvortrag von George van den Bergh von 1936). Elsevier, 2014, ISBN 90-352-5200-4 (niederländisch, hier wird der Antrittsvortag auf Englisch wiedergegeben).
  • George van den Bergh: The Universe In Space And Time. Cassell and Company, Ltd, London, Toronto, Melbourne, Sydney 1937 (englisch, archive.org – niederländisch: Aarde en Wereld in Kuimte an Tijd. Übersetzt von Joan C, H, Marshall, Th. de Vrijer).
  • George van den Bergh, Levinus Johannes van Looi: Twee maal Buchenwald (Zweimal Buchenwald). N. v. De Arbeiderspers, Amsterdam 1945 (niederländisch).
  • George van den Bergh: Regelmaat en wisseling bij zonsverduisteringen, met een aanhangsel over maansverduisteringen (Regelmäßigkeit und Variation bei Sonnenfinsternissen, mit einem Anhang über Mondfinsternisse). H.D. Tjeenk Willink, Haarlem 1951 (niederländisch).
  • George van den Bergh: L'heure commune européenne. Tjeenk, 1958 (französisch).
Commons: George van den Bergh – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Mr.dr. G. (George) van den Bergh. PARLEMENT.com, abgerufen am 9. November 2025 (niederländisch).
  2. a b c d e f P.L. Nève: Bergh, George van den. Huygens Institut, 1979, abgerufen am 9. November 2025 (niederländisch).
  3. Akte von BERGH VAN DEN, GEORGE, geboren am 25.04.1890. Arolsen Archives, abgerufen am 9. November 2025.
  4. Dr. J. van der Biltprijs. Koninklijke Nederlandse Vereniging voor Weer- en Sterrenkunde, abgerufen am 9. November 2025 (niederländisch).
  5. Decorati van de Zilveren Anjer. Abgerufen am 9. November 2025 (niederländisch).
  6. Van den Bergh im Gazetteer of Planetary Nomenclature der IAU (WGPSN) / USGS