George Hunt Williamson

George Hunt Williamson (* 9. Dezember 1926 Chicago; † 25. Januar 1986 Long Beach) alias Brother Philip alias Michel d’Obronovic war ein US-amerikanischer Ufologe und Antisemit.

Leben

Im Zweiten Weltkrieg war Williamson, wenn auch vermutlich nur kurzfristig, offenbar Angehöriger des United States Army Air Corps.[1]

Nach eigenen Angaben hatte Williamson Anthropologie studiert und führte einen Doktortitel, obwohl es keinen Nachweis für ein derartiges Studium gibt.[2] Etwa 1950 zog er nach Noblesville (Indiana). Dort arbeitete er für etwa zweite Jahre für die Zeitschrift Valor, die von dem Faschisten und Okkultisten William Dudley Pelley herausgegeben wurde, dem Begründer der Silver Legion of America. 1952 zog Williamson nach Kalifornien.[3] Dort war er am 20. November 1952 angeblich Zeuge der Begegnung des Ufologen George Adamski mit einem Außerirdischen von der Venus, was er sich notariell bestätigen ließ.[4] 1953 veröffentlichte Williamson Other tongues – other flesh, das Pelleys Ideen weiterverbreitete. Williamson entwarf eine manichäische Weltsicht, in der sich gute Außerirdische aus den Plejaden und böse aus dem Sternbild Orion gegenüberstanden. Diese beschrieb er als klein, körperlich schwächlich, mit seltsam orientalischen Augen; sie seien klug und kommunikativ, dabei aber zutiefst materialistisch; viele Ahnunglose würden ihnen zum Opfer fallen. Laut dem amerikanischen Politikwissenschaftler Michael Barkun griff Williamson hier auf traditionelle antisemitische Stereotype zurück.[5]

Anfang der 1950er Jahre hatte Williamson, angeblich durch eigene Forschungen, erkannt, dass nordamerikanische Indianer über Erzählungen über „kleine Menschen“, „fliegende Räder“ und „fliegende Boote“ verfügen. Nach der Lektüre ufologischer Werke von Donald E. Keyhoe, Frank Scully und Gerald Heard war er überzeugt davon, dass außerirdische Besucher die Vorlage für die Erzählungen bildeten.

Zusammen mit seiner Ehefrau und dem befreundeten Ehepaar Alfred und Betty Bailey, das ebenfalls Interesse an alternativen Religionen und außerirdischem Leben besaß, führten er spiritistische Sitzungen durch. Dabei bekamen sie angeblich per Morsezeichen Kontakt zu Außerirdischen vom Planeten Hatonn im Andromedanebel auf. In späteren Versionen dieser Erzählung, die von Zuhörern von Vorträgen von Williamson verbreitet wurden, war Hatonn dann kein Planet mehr, sondern eine Person. An seinem Wohnort in Prescott (Arizona) gründete Williamson 1954 ein Telonic Research Center, aus dem er bereits 1955 wieder ausschied.[6]

1958 publizierte er UFOs Confidential, indem er behauptete, sämtliche Regierungen stünden unter der Kontrolle „internationaler Bankiers“. Zu dieser Gruppe rechnete er die Juden Bernard Baruch, Felix Frankfurter, Herbert H. Lehman und die Warburg-Familie gehören, außerdem der Spion Alger Hiss. Sie hätten die Bibel verfälscht und bedeutende Teile daraus entfernt und würden zum Teil mittels der UNO planen, die Souveränität der USA zu zerstören und ihre Verfassung aufzuheben.[7] Ziel sei eine Weltregierung. Die Sternenbrüder (Space brothers) würden die Menschheit in das Neue Zeitalter (New Age) führen. Diese Verschwörungstheorie geht laut dem amerikanischen Historiker Greg Eghigian auf Williamsons Kontakt mit dem Rechtsextremen Pelley zurück.[8] Michael Barkun sieht zudem Einflüsse der Cinema Educational Guild, einer antisemitischen Organisation in Kalifornien.[7]

Ende 1956 ging Williamson mit befreundeten Okkultisten auf eine Expedition nach Peru, wo er das folgende Jahr am Titicacasee verbrachte. Ziel war es, in den Anden die Aufgestiegenen Meister der Theosophie zu kontaktieren. Unter dem Pseudonym Brother Philip veröffentlichte Williamson 1961 einen dünnen Band mit Verlautbarungen der Meister, der wie Williamsons übrigen Werke antisemitische Passagen enthielt. So wurde unter Berufung auf Nostradamus prophezeit, dass die Vereinten Nation zusammenbrechen würden, bevor die „internationalen Bankiers“ mit ihrer Hilfe ihre Super-Regierung etablieren könnten; sie seien in Wahrheit der Antichrist.[7]

Im September 1959 hielt sich Williamson in Westdeutschland auf und besuchte in Wiesbaden den deutschen Ufologen und Inhaber des Ventla-Verlags, Karl L. Veit (1907–2001), der 1956 die Deutsche UFO/IFO-Studiengesellschaft e. V. gegründet hatte. Der Besuch wurde von Veit in seinem Werk Planetenmenschen besuchen unsere Erde (1961) dokumentiert.[9]

In weiteren Publikationen vertrat Williamson explizit die These, dass Außerirdische bereits seit Urzeiten zur Menschheit Kontakt hatten. 1960 änderte er seinen Namen in Michel d´Obrenevic und wurde nie wieder auf dem Gebiet der Ufologie tätig. Er verstarb am 25. Januar 1986 in Long Beach; seine Urne wurde auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt.

Werke

  • Other tongues – other flesh. Amherst Press, Amherst 1953.
  • Mit John McCoy: UFOs confidential. Essene Press, Corpus Christi, 1958.
  • Road in the Sky. Neville Spearman, London 1959.
  • The Saucers Speak. Neville Spearman, London 1963.
  • (Als Brother Philip) Secret of the Andes. Saucerian Books, Clarksburg1961.

Literatur

  • Christian Heermann: Geheimwaffe Fliegende Untertassen. Gauner – Gaukler – Gangster. Ein Kriminalreport über Geschäfte und Verbrechen mit der Dummheit. Das Neue Berlin, Berlin-Ost 1981.
  • Jerome Clark: Williamson, George Hunt, in: James R. Lewis (Hrsg.): UFOs and popular culture. An encyclopedia of contemporary myth. ABC-Clio, Santa Barbara, 2000, ISBN 1-57607-265-7, S. 216 f.
  • Greg Eghigian: After the flying saucers came. A Global History of the UFO Phenomenon. Oxford University Press, New York 2024, ISBN 978-0-19-086987-8.
Commons: George Hunt Williamson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. https://de.findagrave.com/memorial/99822446/ Vgl. Angaben bei findagrave.com
  2. Jerome Clark: Williamson, George Hunt, in: James R. Lewis: UFOs and popular culture. An encyclopedia of contemporary myth, ABC-Clio, Santa Barbara 2000, ISBN 1-57607-265-7, S. 216 f.
  3. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, ISBN 978-0-520-27682-6, S. 154.
  4. Christian Heermann: Geheimwaffe Fliegende Untertassen. Gauner – Gaukler – Gangster. Ein Kriminalreport über Geschäfte und Verbrechen mit der Dummheit, Berlin-Ost (Verlag Das Neue Berlin) 1. Aufl. 1981, S. 170. Greg Eghigian: After the flying saucers came. A Global History of the UFO Phenomenon. Oxford University Press, New York 2024, S. 126. ISBN 978-0-19-086987-8
  5. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 154 ff.
  6. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 150 f.
  7. a b c Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 156.
  8. Greg Eghigian: After the flying saucers came. A Global History of the UFO Phenomenon. Oxford University Press, New York 2024, S. 127
  9. Karl L. Veit: Planetenmenschen besuchen unsere Erde. Grundsätzliches zum Verständnis weltbewegender Luftphänomene, Wiesbaden-Schierstein (Ventla-Verlag) 1961, S. 187, 209, 310 f.