George Harold Brown
George Harold Brown (* 14. Oktober 1908 in Milwaukee, Wisconsin; † 11. Dezember 1987 in Princeton, New Jersey) war ein US-amerikanischer Elektroingenieur. Brown, der seine ganze berufliche Laufbahn bei dem Unternehmen RCA absolvierte, erbrachte bedeutende Beiträge zur Entwicklung von Rundfunksendeantennen sowie zum Farbfernsehen.
Leben und Wirken
George Harold Brown kam am 14. Oktober 1908 im Norden der Großstadt Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin zur Welt. Sein Vater war Fahrdienstleiter bei der Chicago, Milwaukee and St. Paul Railroad. Nach dem Abschluss der High School, die er in Portage absolvierte, begann er an der University of Wisconsin–Madison ein Studium der Elektrotechnik und erwarb 1930 seinen Bachelor of Science, 1931 seinen Master und 1933 seinen Ph. D.[1] Während des Studiums gelang es ihm, einen Praktikumsplatz in der Versuchsabteilung des Unternehmens General Electric in Schenectady im Bundesstaat New York sowie zwei hart umkämpfte Stipendien der Universität zu bekommen.[2] Seine Dissertation hatte bereits Rundfunkantennen als Thema.[3]
Während des Studiums lernte er seine Ehefrau Elizabeth Ward, eine Kommilitonin, kennen. Aus der Ehe gingen zwei Zwillingssöhne hervor. Ward und Brown waren über 50 Jahre lang verheiratet.[2]
Brown ging 1933 zur RCA in Camden (New Jersey).[3] Zwischen 1934 und 1936 entwickelte er Sendeantennen, die ein elektromagnetisches Signal in eine bestimmte Richtung senden konnten. 1936 erfand er das Kreuzdipol, das zum Standard für Fernseh- und UKW-Rundfunk wurde. Seine 1937 veröffentlichten Berechnungen wurden zum Referenzwerk zur Ausrichtung von Richtantennen. Ein 1938 von ihm entwickelter Filter verdoppelte die Horizontalauflösung von Fernsehbildern (siehe Restseitenbandmodulation).[1] Im weiteren Verlauf seiner Karriere war er Erfinder auf etwa 80 Patenten und verfasste zahlreiche wissenschaftlich-technische Fachartikel.[3]
Ab 1939 leitete Brown eine Forschungsgruppe, die das Potential von Radiowellen zum Aufheizen von Werkstoffen untersuchte. Die von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelte Methode fand im Zweiten Weltkrieg Anwendung bei der Herstellung von Sperrholz und laminierten Propellern.[3]
1942 wechselte er an die RCA-Labors nach Princeton (New Jersey). Während des Krieges arbeitete er für die amerikanische Regierung an militärischen Aufgabenstellungen, insbesondere an Funk- und Radarantennen.[3]
1952 wurde er Direktor des RCA Systems Research Laboratory. Ebenso war er Mitglied des National Television System Committee (NTSC), das die technische Norm für das Farbfernsehen in Nordamerika entwickelte, die im Juli 1953 angenommen wurde. Brown befasste sich auch mit der Nutzbarmachung des UHF-Frequenzbereichs zur Fernsehübertragung.[1][3]
Als RCA 1958 seinen ersten Transistor-Rechner, den RCA 501, auf den Markt brachte, geschah dies unter der Leitung von Brown, der damals bei dem Unternehmen Chefingenieur für kommerzielle elektronische Produkte war. Dass RCA schlussendlich kein erfolgreicher Computerhersteller wurde, führte Brown auf strategische Fehlentscheidungen der Unternehmensleitung zurück.[4]
1959 wurde er bei RCA Vice-Precident of Engineering, 1965 Executive Vice-President of Research and Engineering. Von 1965 bis 1972 war er Mitglied des Board of Directors von RCA. 1965 wurde er in die National Academy of Engineering aufgenommen.[3]
Zusätzlich zu seiner Tätigkeit für RCA war er im Board of Directors des Unternehmens Trane in La Crosse (Wisconsin) und in demjenigen der First National Bank in Hamilton Square (New Jersey) tätig. Darüber hinaus diente er in verschiedenen Beiräten, darunter denjenigen der Ford Foundation, des Office of Scientific Personnel des National Research Council, in verschiedenen beratenden Gremien der NASA, im Beirat für Forschung und Technik des United States Postmaster General sowie im George Washington Council der Pfadfinderorganisation Boy Scouts of America. Von 1954 bis 1971 war er Mitglied des Executive Board dieses Gremiums.[2]
1972 ging er bei RCA in den Ruhestand.[2] 1979 veröffentlichte er seine Autobiographie mit dem Titel And Part of Which I Was: Recollections of a Research Engineer. Brown starb am 11. Dezember 1987 im Alter von 79 Jahren in Princeton.[3]
Ehrungen, Mitgliedschaften, Auszeichnungen
Brown war Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) sowie zuvor von dessen beiden Vorläuferorganisationen, dem Institute of Radio Engineers (IRE) und dem American Institute of Electrical Engineers (AIEE), ebenso der American Association for the Advancement of Science (AAAS) und der Royal Television Society. 1965 wurde er in die National Academy of Engineering gewählt.[2] 1967 verlieh ihm das IEEE die Edison-Medaille „für seine bedeutenden ingenieurwissenschaftlichen Beiträge zur Entwicklung von Antennen, zu elektromagnetischer Wellenausbreiten, der Rundfunkindustrie, der Technik des Heizens mittels Radiofrequenz und zum Farbfernsehen“.[3] Die Veteran Wireless Operators Association zeichnete ihn 1968 mit dem De Forest Audion Award aus. In demselben Jahr verlieh ihm die University of Rhode Island die Ehrendoktorwürde.[2]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Fachartikel
- The phase and magnitude of earth currents near radio transmitting antennas. In: Proceedings of the Institute of Radio Engineers. Band 23, Nr. 2, Februar 1935, S. 168–182, doi:10.1109/ire.1935.6449186 (englisch).
- A Critical Study of the Characteristics of Broadcast Antennas as Affected by Antenna Current Distribution. In: Proceedings of the Institute of Radio Engineers. Band 24, Nr. 1, Januar 1936, S. 48–81, doi:10.1109/jrproc.1936.227353 (englisch).
- The turnstile antenna. In: Electronics. Band 9, Nr. 4, 1936, S. 14–17 (englisch).
- Directional Antennas. In: Proceedings of the Institute of Radio Engineers. Band 25, Nr. 1, Januar 1937, S. 78–145, doi:10.1109/jrproc.1937.228587 (englisch).
- Experimentally Determined Impedance Characteristics of Cylindrical Antennas. In: Proceedings of the IRE. Band 33, Nr. 4, April 1945, S. 257–262, doi:10.1109/jrproc.1945.233878 (englisch).
- (mit O. M. Woodward Jr.:) Circularly polarized omnidirectional antenna. In: RCA Review. Band 8, Nr. 2, Juni 1947, S. 259–269 (englisch, worldradiohistory.com [PDF; 5,6 MB; abgerufen am 3. Dezember 2025]).
- (mit O. M. Woodward Jr.:) Experimentally determined radiation characteristics of conical and triangular antennas. In: RCA Review. Band 13, Nr. 4, Dezember 1952, S. 425–452 (englisch, worldradiohistory.com [PDF; 7,0 MB; abgerufen am 3. Dezember 2025]).
Bücher
- And Part of Which I Was: Recollections of a Research Engineer. Augus Cupar, Princeton (New Jersey) 1982 (englisch, 342 S.).
Einzelnachweise
- ↑ a b c George Harold Brown. In: Encyclopædia Britannica. (englisch).
- ↑ a b c d e f Kerns H. Powers: George H. Brown 1908–1987. In: Memorial Tributes: National Academy of Engineering, Volume 4. National Academy of Engineering, abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b c d e f g h i James E. Brittain: Electrical Engineering Hall of Fame: George H. Brown. In: Proceedings of the IEEE. Band 98, Nr. 7, Juli 2010, S. 1356–1358, doi:10.1109/jproc.2010.2048163 (englisch).
- ↑ Eric A. Weiss: Obituary: George H. Brown. In: Annals of the History of Computing. Band 10, Nr. 2, 1988, S. 140 (englisch, ieee.org [PDF; 4,0 MB; abgerufen am 3. Dezember 2025]).