George Hadjinikos
George Hadjinikos (griechisch Γιώργος Χατζηνίκος; * 3. Mai 1923 in Athen; † 29. November 2015) war ein griechisch-britischer Pianist, Dirigent und Musikpädagoge.
Leben
Hadjinikos besuchte das Konservatorium von Athen und erhielt 1943 das Diplom im Fach Klavier und Abschlüsse in Harmonielehre und Kontrapunkt. Ein ab 1940 geplantes Jurastudium an der Universität Athen konnte er nicht beginnen, da nach der Kriegserklärung Mussolinis an Griechenland die Universität geschlossen wurde. Nach dem Krieg setzte er seine musikalische Ausbildung am Mozarteum in Salzburg fort, wo er Diplome im Fach Dirigieren (1948) und Klavier (1949) und die Lilly-Lehmann-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum erhielt.
Nachdem er kurz zuvor mit großem Erfolg in der zweiten europäischen Aufführung von Paul Hindemiths Liedzyklus Das Marienleben aufgetreten war, besuchte er 1950 ein Kompositionsseminar der Komponisten. Er gab Recitals und spielte u. a. Klavierkonzerte von Franz Liszt und Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven und Robert Schumann, Aram Chatschaturjan und Sergei Rachmaninoff und in Deutschland Erstaufführungen von Klavierwerken Aaron Coplands und Samuel Barbers.
Ab 1951 arbeitete er in München mit Carl Orff zusammen, mit dem er bis zu dessen Tod in engem Kontakt blieb. 1953 zog er nach Hamburg, wo er bis 1957 lebte. Er besuchte dort die Meisterklasse von Eduard Erdmann an der Staatlichen Hochschule für Musik und spielte u. a. mit dem Sinfonieorchester des NWDR (heute NDR Elbphilharmonie Orchester) die Welturaufführung des Zweiten Klavierkonzerts von Nikos Skalkottas unter Leitung von Hermann Scherchen und das Zweite Klavierkonzert von Béla Bartók (1955) unter Leitung von Hans Schmidt-Isserstedt. Skalkottas’ Konzert spielte er auch in Stockholm unter Leitung von Ernst Bour, in Wien, Athen und Kopenhagen unter der Leitung von Miltiades Caridis und in Zürich unter Leitung von Erich Schmid.
Von 1957 bis 1960 lebte er in Frankreich. 1961 zog er nach England, übernahm einen Lehrauftrag am Royal Manchester College of Music (heute Royal Northern College of Music) und erhielt die britische Staatsbürgerschaft. Neben Klavier unterrichtete er hier auch Dirigieren, Musikgeschichte und -theorie, Kammermusik und Fragen der musikalischen Aufführungspraxis. In den siebenundzwanzig Jahren seiner Lehrtätigkeit studierten bei ihm u. a. Nikos Adraskelas, Gilbert Biberian, Teodor Currentzis, Paul Galbraith, Smaro Gregoriadou, Robyn Koh, Christos Marinos, Yiorgo Moutsiaras, Trefor Smith und Richard Ward-Roden.
Er unternahm als Dirigent und Pianist Konzertreisen, führte mit dem Chor des Royal Colleges erstmals in England Orffs Carmina Burana auf und gründete das New Manchester Ensemble, mit dem er als Pianist und als Dirigent Werke zeitgenössischer Komponisten wie Arnold Schönberg, Anton Webern, Igor Strawinsky, Robert Gerhard, Tōru Takemitsu, György Ligeti, Jani Christou und Iannis Xenakis aufführte. In Zusammenarbeit mit dem Institute of Science and Technology der University of Manchester gründete er den North Campus Choir, mit dem er Brahms’ Deutsches Requiem, Bachs h-Moll-Messe, Strawinskys Messe und Madrigale des Elisabethanischen Zeitalters präsentierte.
Ab 1968 unternahm er mehrere Reisen nach Indien, wo er Konzerte gab und Vorlesungen hielt. 1969 spielte er die Welturaufführung von Skalkottas’ Drittem Klavierkonzert und mehreren Werken für Holzbläser und Klavier. Im Folgejahr nahm er an der Bach-Konferenz in New York teil und besuchte die Festivals von Tanglewood und Vermont. Er dirigierte die Orchester von Hoylake und South Manchester und realisierte mit dem Bury Symphony Orchestra vierzig Programme mit sinfonischen Werken, den großen Opern von Mozert und Beethovens Fidelio. Mehrere Jahre leitete er die Cleveland Easter Orchestral Courses und die Canford Choral Weekends.
1978 gab er in Athen die Uraufführung von Skalkottas’ Erstem Klavierkonzert unter Leitung von Michel Tabachnik, im Folgejahr dirigierte er die Uraufführungen von dessen Ouvertüre Die Heimkehr des Odysseus und des Konzertes für Kontrabass. 1984 übernahm er die Leitung der Horto Annual Summer Seminars and Festival der Angelinis Hadjinikou Foundation, wo er jährlich Kurse gab. Die Universität Pavia verlieh ihm 1990 für seine Verdienste um die europäische Musik die Ugo-Foscolo-Medaille. Das Berliner Sinfonie-Orchester dirigierte er zwischen 1993 und 1996 bei sieben klassischen Programmen.
Schriften
- W. A. Mozart – A European Musician, 1991
- Nikos Skalkottas – A renewed approach to musical thought and interpretation, 2006
- The Recitativo in Mozart’s Operas, 2007