Georg von Richthofen
Georg Ernst Gotthard Freiherr von Richthofen, auch Freiherr George von Richthofen, (* 29. Januar 1880 in Barmen; † 20. November 1950 in Detmold) war preußischer Landrat im schlesischen Kreis Nimptsch und Gutsherr.
Leben
Sein Vater war der Leutnant a. D. und Fideikommissherr auf Groß- und Klein Rosen Gotthard von Richthofen (1851–1915), der überliefert ebenso als katholisch-apostolische Reiseprediger tätig war. Die Mutter war dessen zweite Ehefrau Anna Hewett (1857–1884), ihr jüngerer Bruder war der britische Offizier und Maler Harald George Hewett. Georg von Richthofen hatte eine Schwester Christine (* 1881), verheiratet mit dem Regierungsdirektor Freiherr Conrad von Gregory, und einen Bruder Bolko (* 1887), der die Güter Ober- und Nieder-Stanowitz im Kreis Schweidnitz bewirtschaftete und Ruth Gräfin von Rothkirch und Panthen heiratete. Georg hatte eine Halbschwester Adelheid, aus erste Ehe des Vaters mit Adelheid Roßteuscher (1854–1876) aus Berlin. Die dritte Ehe schloss Vater Richthofen 1886 in München mit Therese Freiin von Hohenhausen und Hochhaus (1860–1934).
Georg von Richthofen besuchte die Ritterakademie in Liegnitz und legte in Breslau das Abitur ab. Da sein Vater ihm die Bewirtschaftung des Gutes Groß Rosen übertragen hatte, machte er zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung. Anschließend studierte Richthofen Jura an den Universitäten Freiburg i. Br., München und Breslau, er schloss beide Staatsexamen ab. Er arbeitete erst unter dem schlesischen Oberpräsidenten Hans Lauchlan von Guenther und wurde 1913 zum Landrat des Kreises Nimptsch ernannt.
Richthofen heiratete im Januar 1918 Gertrud Engel (1898–1980), die älteste Schwester der späteren Bundestagsabgeordneten Erika Wolf (CDU). Das Ehepaar hatte drei Söhne, ein Enkel ist der Schauspieler Christian von Richthofen. Nach der Novemberrevolution schied Richthofen 1920 auf eigenen Wunsch aus dem Amt des Landrats aus und betrieb anschließend die eigenen Güter im Landkreis Schweidnitz. Zu seinem Land gehörten auch die Groß-Rosener Steinbrüche zum Granitabbau.
Am 3. Juni 1937 beantragte Richthofen die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.002.189).[1]
1938 schlossen die Deutsche Erd- und Steinwerke (DESt), ein Unternehmen der SS, mit Richthofen einen Pachtvertrag über insgesamt 80 Morgen (20 Hektar) Land. Auf diesem Land wurde anschließend das KZ Groß-Rosen errichtet.
1939 trat Freiherr von Richthofen per Eigenantrag aus dem Johanniterorden aus, da die Doppelmitgliedschaft mit der NS-Partei durch einen Erlass von Rudolf Heß vom Sommer 1938 untersagt wurde. Dem Orden gehörte Richthofen seit 1918 als Ehrenritter an, war ab 1929 dort Rechtsritter, organisiert in der Schlesischen Provinzial-Genossenschaft.[2]
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Ehepaar 1947 vertrieben und gelangte schließlich nach Detmold.
Werke
- Grundzüge der Verfassung und Verwaltung der Gemeinden und Gemeindeverbände. In: Schriftenreihe des Schlesischen Landbundes, Heft 1919.
Genealogie
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans-Jürgen von Witzendorff, u. a.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel). 1954. Band I, Band 7 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glückburg/Ostee 1954, S. 324 f.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (D.A.G.). Teil B (Briefadel). 1941. Jg. 91. Gotha 1940, S. 379 f.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1922. Jg. 71, Justus Perthes Gotha 1921, S. 757 f.
Weblinks
- Richthofen.de (Hrsg.): Richthofen-Haus Groß Rosen und Kunern (PDF)
Einzelnachweise
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34770676.
- ↑ Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem/Johanniterorden (Hrsg.): Johanniter-Ordensblatt. Mitteilungsblatt für die Mitglieder des Johanniterordens. 1939. 2, 80. Jahrgang, 145. Nachweisung, Eigenverlag, Berlin 15. Februar 1939, DNB 013197398, S. 5.